Epheser 2,18
Andachten
Durch Ihn haben wir beide (Juden- und Heiden-Bekehrte) In Einem Geiste den Zutritt zum Vater. Demnach seid ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger mit den Heiligen und Hausgenossen Gottes.
Wer Christum angezogen hat und in Christo wahrhaftig ist, und lebt, dessen Name ist im Himmel eingeschrieben, wo ihn niemand auslöschen kann, als die eigne Hand des Menschen, wenn er sie wieder nach der Welt und Sünde ausstreckt und von Christo zurückzieht. Wer aber in ihm bleibt, der hat sein Plätzchen im Himmel gewiss, das ihm niemand nehmen wird. Und wer dessen gewiss ist, wird der sich nicht freuen, das Bürgerrecht im Himmel zu haben? Wird er sich nicht über alles Irdische stets erheben? wird er nicht mit seinem Herzen mehr droben als hier unten sein? Ein Christ ist kein Gast und Fremdling im Himmel, im Reicht Gottes, in der unsichtbaren Welt, sein Geist ist dort schon wie daheim. Er kennt seine Heimat wohl, und weiß da Weg und Steg. Wer dort noch nicht so daheim ist, sondern noch fremde tut, und sich wie ein Gast nur selten dort einfindet, sich nur mit Mühe daran erinnert, der muss wohl kein wahrer Hausgenosse Gottes, kein Mitbürger der Heiligen sein. Er bildet sichs etwa nur ein, er hat davon reden gehört, und es nachbeten gelernt. Die Hausgenossen kennen ihr Haus, sei es groß oder klein. Gottes Hausgenossen sollten Gottes Haus und Reich nicht kennen? sollten dort Fremdlinge, dort nicht daheim sein? Lieber! an deinem Wandel im Geiste erkenne deine Bürgerschaft - ob du Welt- oder Himmelsbürger bist. Des Weltbürgers Herz hängt und wandelt in der Welt, des Himmelsbürgers Geist wandelt im Himmel und hängt an seiner Heimat. (Johannes Evangelista Gossner)
Der Zugang zum Vater.
Der verlorene Sohn schlug in sich, und sprach: „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.“ Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Die äußerliche Not und das leibliche Verderben hatte ihn zur Besinnung gebracht. Er gedachte, wie gut es doch beim Vater sei. Er schämte sich seiner Sünde, achtete sich eines solchen Vaters nicht wert, und begehrte nichts, als ein Tagelöhner von ihm angenommen zu werden. Dass er aber durch Scham und Scheu sich nicht zurückhalten ließ, zum Vater zu gehen, dass er sich wirklich aufmachte und zu seinem Vater kam, das geschah aus dem Glauben und dem Vertrauen: der Vater werde nicht zürnen und strafen, sondern lieben und vergeben. - Dem verlorenen Sohne gleich ist der von Gott abgefallene und von dem Leben aus Gott entfremdete Mensch - wie er erweckt wird, aufwacht, sich besinnt, sein Elend empfindet, Verderben und Verdammnis fürchtet, die Sünde als die Ursache von dem allen erkennt und bereuet, und im Glauben an Gottes Gnade sich von der Sünde zu Gott bekehrt, der ihn annimmt zu seinem Kinde, ihn anziehet mit Kleidern des Heils, mit dem Rock der Gerechtigkeit bekleidet und ihn versiegelt mit dem heiligen Geist, welcher ist das Pfand unseres Erbes. Wer nun das Gleichnis von dem verlorenen Sohne hört oder liest ohne Erfahrung von dem, wie einem erweckten, aufgewachten, sich besinnenden, sein Elend empfindenden, Verderben und Verdammnis fürchtenden, die Sünde erkennenden und bereuenden Sünder zu Mute ist, und wie ihm gerade das fehlt, was jenem verlorenen Sohne das Herz gab, sich aufzumachen und zu seinem Vater zu gehen, der wird sich's befremden lassen, wenn der Herr Jesus sagt Joh. l4, 6: „Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“ Wer sich aber als einen verdammten und verlornen Menschen erkennt und fühlt, wen sein Herz verdammt, das Gesetz verflucht, der Zorn Gottes über die Sünde schrecket, wem der Glaube und das Vertrauen fehlt, dass er dem Vater angenehm sei; der sieht wohl ein, dass der Sünder nicht ohne den einigen Mittler zwischen Gott und dem Menschen einen freudigen Zugang zum Vater haben könne. Wenn wir an Christo haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, dann haben wir auch Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesum Christ und den kindlichen Geist, der sich nicht fürchtet, sondern rufet: „Abba, lieber Vater!“ dann bekommt der Glaube und das Vertrauen die Oberhand, dass wir sagen: „Wir wollen uns aufmachen, und zu unserem Vater gehen.“ Denn durch Christum haben wir den Zugang alle in einem Geist zum Vater (Ephes. 2, 18.). Er macht selig alle, die durch ihn zu Gott kommen. In ihm sind wir dem Vater angenehm, nicht bloß heute und morgen, sondern immerdar, so oft wir dem Vater etwas abzubitten, oder uns etwas von ihm zu erbitten haben. Darum ist es auch unsere Weise, dass wir stets beten durch unseren Herrn Jesum Christum. Denn alles, was uns scheu und furchtsam zum Gebet machen, was uns in Ungewissheit und Zweifel über unsere und unserer Bitte Annahme bei Gott versetzen konnte, das muss vor der Freudigkeit und Zuversicht weichen, die wir durch Christum zu Gott haben. - Lieber, ich weiß nicht, wer und wie du bist. Eins aber weiß ich, ohne Christum fehlte mir der Zugang zum Vater. Er hat mir ein Herz gemacht zum Vater zu gehen. (Carl Philipp Johann Spitta)