Galater 3,24
Andachten
Das Gesetz ist unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, dass wir durch den Glauben gerecht würden.
Das Gesetz kommt zu jedem Erweckten als ein Fronvogt und Zuchtmeister. Die Frage: was muss ich tun, dass ich selig werde? ist ihm wichtig und zur Hauptsache geworden. Er schickt sich auch wirklich zum Tun an und nimmt sich vor, sich zu bekehren und sein Leben zu bessern, sucht dies auch in eine tätige Ausübung zu bringen. Er fängt seine Besserung an mit ernstlichem Vorsatz nicht nur, sondern auch mit Gebet um den göttlichen Beistand und in der zutrauenden Erwartung, der Herr werde ihm auf diesem guten Weg gewiss Gedeihen geben. Aber es geht ihm wie Leuten, die ein altes Haus reparieren. Sie meinten, mit einer kleinen Hilfe auszureichen, aber je mehr sie reparieren, desto mehr Baufälliges werden sie gewahr, und sehen ein, es sei am besten, von Grund aus neu zu bauen. Sie sehen mit Paulo ein, dass selbst die Lust Sünde sei, und machen die betrübende Entdeckung, welche ein Lied in den Worten ausdrückt: „Die Sünd hat mich besessen.“ Ihr Gewissen ängstet sie, die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes schreckt sie, die Drohungen beklemmen sie, so dass sie oft nicht wissen, wo aus noch ein, zumal da ihren besten Vorsätzen die Kraft mangelt, ihrem Herzen die standhafte Richtung zum Guten zu geben. So wird man fürs Evangelium vorbereitet. (Gottfried Daniel Krummacher)
Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christum, dass wir durch den Glauben gerecht würden.
Wer die Gebote Gottes recht betrachtet, wer sich durch sie die Sünde zeigen lässt und den Fluch Gottes über die Sünde, dem kann das Gesetz ein Zuchtmeister auf Christum werden, kann ihn zu Jesu ziehen, wie ein treuer Lehrer die Kinder wohl ziehet. Denn wenn wir den furchtbaren Ernst der Sünde merken, dann legt sich in die Seele der sehnliche Wunsch nach Erlösung. Wenn man sich abgemüht hat im Dienst menschlicher Sünde und hat nichts erreicht, als den Fluch, dann wird das Herz müde und trägt Verlangen nach Freiheit. Da können wir laufen, soweit wir wollen, auf dieser Erde ist Niemand zu finden, der die Ketten der Sündenknechtschaft zerschlagen und den Fluch in Segen wandeln kann. Die Lust und das Geld dieser Welt bringen keinen Menschen zur Ruhe: „Was kann der Mensch geben, dass er seine Seele erlöse?“ Auch unsre liebsten Freunde wissen uns nicht zu helfen: „Kann doch ein Bruder Niemand erlösen, noch Gott Jemand versöhnen?“ Der Bruder hat ja mit demselben Feinde genug zu tun und für seine eigene Erlösung zu sorgen. Wo wir hinsehen keine Hilfe! Da wird das Verlangen nach Errettung größer und mächtiger. Das haben schon Die erfahren, die im Alten Testament das Gesetz erfüllen wollten und haben es nicht erreicht. Auch jetzt noch blickt das sündenbeladene Herz nach einem Erlöser. Und diesen Erlöser hat unser himmlischer Vater seinem Volke versprochen und gegeben. Er hat dem Volk Israel verheißen, dass ein „Durchbrecher“ kommen werde, ein Erlöser, der dafür arbeitete, dass wir Friede“ hätten. Und diesen versprochenen Erlöser hat er uns auch wirklich gegeben in seinem Sohne Jesu Christo, der für unsre Sünden den sauren Leidensweg gegangen ist und hat uns errettet aus der Obrigkeit der Finsternis durch seinen Tod. Wenn also das Verlangen nach Erlösung in dir mächtig wird, dann zeigt dir Gott das Kreuz seines Sohnes. Das Verlangen nach Erlösung wird aber wach durch das Gesetz, das dir die Sünde offenbart. Also zieht das Gesetz zu Christo. Lass dich ziehen!
Lasst uns beten: „Wen suchen wir, der Hilfe tut, dass wir Gnad erlangen? Das bist Du, Herr, alleine!“ Bewege Du selbst. unser Herz, dass heiliges Verlangen in uns wohne, heiliges Verlangen nach der Erlösung von allem Übel. Wir danken Dir, lieber himmlischer Vater, dass Du Deinen lieben Sohn in die Pein und Not des Kreuzes hast gehen lassen, damit er die Bande zerreißen und die Knechtschaft aufheben möge, in die wir durch die Sünde gekommen sind. Gerade in diesen ernsten Tagen richte unsern Sinn nach Golgatha, dass wir sehen, was Deine Liebe getan. Deiner Liebe empfehlen wir auch heut all unser Tun und Werk. Amen. (Wilhelm Hunzinger)