2. Korinther 5,17

Andachten

Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu worden.
Ach, nähme doch auch uns ein Wind des HErrn auf, zur lichten Höhe jener apostolischen Anschauungsweise uns hinanzutragen! Über Golgatha erhebt sie sich, diese Höhe; das blutige Kreuz bildet ihre Unterlage. - Welche Aussicht auf ihrem Gipfel! Was für liebliche, zum Himmel entzückende Blicke! Ja, von ihr herab, Gemeine des HErrn, darf ich dich segnen mit dem Segen des Mannes, der die Offenbarung des Allmächtigen sah und dem die Augen geöffnet waren: „Man sieht keinen Fehl in Jakob und keine Schuld in Israel. Der HErr, sein Gott ist bei ihm und das Trommeten seines Königs unter ihm!“ Und wäre es das Bild des gebrechlichsten unserer Christen, das mir hier erschien, oder träte auch das eigne mir hier vor's Auge, von diesem Standpunkt her erblicke ich's mit einem Schauer der Wonne und jauchze, in Selbstbewunderung versunken: „Siehe da, eine neue Kreatur. Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (Friedrich Wilhelm Krummacher)


Ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden.
Eine edle, treue Mutter hatte einen ungeratenen Sohn in der Ferne. Ob sie auch Tag und Nacht seinetwegen mit Gott rang, trieb er's doch je länger je ärger, bis ihr endlich der Kummer das Herz brach. In dem Augenblick nun, da man ihren Sarg in die Erde senkte, kam der Sohn auf den Friedhof, und mit dem höchsten Entsetzen in allen Mienen, stürzte er sich, wie verzweifelt, in das Grab und schrie: „O, Mutter, Mutter, Mutter, ich habe dich gemordet!“ Er wollte sich durch nichts bewegen lassen, aufzustehen, bis man ihm sagte, das letzte Wort seiner Mutter sei gewesen: „Ich habe meinem Sohne vergeben und mitten im Tode die Gewissheit erlangt, dass er gerettet wird“. Da stand der Sohn getröstet auf, und von der Stunde an warb er ein anderer Mensch. „Das Alte war vergangen, siehe, es war Alles neu geworden.“

Nicht wahr, das ist eine ergreifende Geschichte? Und doch die Geschichte, die auf Golgatha geschehen ist, ist noch viel ergreifender. Sie soll aber auch noch viel eingreifender sein. „O meine Sünde, meine Sünde!“ So sollst du da rufen lernen, „wie entsetzlich musst du sein, viel entsetzlicher noch, wie ich es in meinen klarsten Stunden ahnen konnte, dass deinetwegen das Blut des heiligen Jesus fließen musste!“ Dann aber sollst du auch wissen, dass die Vergebung und Versöhnung, die dir durch Christi Sterben errungen sind, dass sie auch die Kräfte zu einem neuen Wandel in sich tragen, zu einem neuen Wandel, der von Golgatha ausgeht, unter den segnenden Händen Jesu durchs Tal der Tränen und des Kampfes hier unten fortgeht und einst in die Tore der Herrlichkeit Gottes ein geht.

Wir sind mit Christo in unserem tiefsten Innern dem alten Leben gekreuzigt, sagen die Apostel, und sind wir das nicht, so haben wir sein Kreuz noch nicht verstanden. Sind wir in Christo, so ist auch das Alte vergangen; ist das Alte noch nicht am Sterben, so sind wir auch noch nicht in Christo. „Wisst, dass ihr durch Christi Blut erlöst seid von dem alten Wandel!“ ruft Petrus uns zu. Gut, so gilt's also kraft dieses Blutes einen neuen Wandel zu führen; - das haben auch von Anfang an die aufrichtigen Betrachter des Kreuzes verstanden. Als der Schächer, der neben dem sterbenden Christus hing, alle Entschuldigungen, womit er sich hätte decken können und alle Beschuldigungen, womit er Andere hätte belasten können, verachtete, und ohne allen Vorbehalt sich selbst verdammte, siehe, das war nicht nach dem alten Wandel! Und jetzt, da er sich von diesem alten Wandel tatsächlich lossagte, erfuhr er auch alsobald die Kraft des Kreuzes Christi. Joseph und Nikodemus hatten sich bislang nicht entschließen können, offen und frei mit der christusfeindlichen Welt zu brechen. Unter dem Kreuz aber treten sie mutig hervor und nehmen aller Welt Schmach, Hohn und Spott auf sich, und setzen ihren ganzen Stand, Ehre und Besitz in der Welt aufs Spiel. Siehe, das war ein neuer Wandel und ein Zeichen, dass sie die Macht des Blutes Christi erfahren hatten.

Und wenn du, lieber Leser, heute im Geiste unter dem Kreuz stehend, dir einmal klar machst, dass die Gedanken des Schächers und das Tun des Joseph und Nikodemus auch deine Gedanken und dein Tun werden müssen, dass du einmal alle Selbstbetrügerei und Selbstbeweihräucherei mit Füßen treten und ehrlich auf den Grund der Seele schauen musst, alle Hüllen wegreißend, und dass du alle die elende Menschenknechtschaft und Menschenrücksicht und Mammonssucht und Genusssucht auf Seite schieben, und die Liebe Christi offen und frei über alles triumphieren lassen musst, - das ist dann nicht der alte Wandel; das ist dann ein Zeichen, dass ein neuer Wandel von Christi Kreuz aus angefangen hat. Oder wenn du in dieser Zeit zum Tische des Herrn trittst, seinen Leib und sein Blut zu empfangen, wenn du dir dann, (oder noch besser jetzt gleich schon!) klar machst, wie schauerlich es sei, dass du mit Diesem oder Jenem unter deinen Mitmenschen in Feindschaft lebst, und gehst direkt aus dem Gotteshause (oder besser jetzt gleich schon!) hin und bietest ihm freundlich und freisinnig die Bruderhand, das ist dann nicht der alte Wandel, dass ist dann ein neuer und ein Zeichen, dass du Christi Kreuz verstanden hast.

Oder wenn du im Geist unter dem Kreuz stehst und schaust den Mann der Schmerzen an und nun durchschauert es dein Mark und Bein: „Für dich gegeben, für dich vergossen,“ und dein erschüttertes Herz spricht: „Ach, mein Herr Jesu, du hast Alles getan für mich und ich habe noch so wenig getan, dir zu danken, fortan, ja von heute an, soll mein Geld, meine Zeit, mein Talent deinen Sachen dienen, mehr, viel mehr, wie es bis dahin geschehen ist,“ - und machst sofort einen kräftigen Anfang bei den geringsten, kleinsten, leidendsten Brüdern Jesu in deiner Nähe, siehe, da ist dann das Neue angefangen, da ist dann das Blut Christi in dir Gewalt geworden. - Nun heißt's im Herzen:

Da bin ich auch, dein Untertan,
Und melde meine Gaben an,
Die du mir Armen mitgeteilt,
Seitdem dein Pfeil mein Herz ereilt.
Nun säh' ich gern die ganze weite Welt
Gerettet und zur Rechten hingestellt! (Otto Funcke)


Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur.
Eine schöpferische Tat Gottes ist an mir geschehen; das steht in heller Deutlichkeit vor meinem Blick. Habe ich selbst die Erinnerung an Gott in mir erweckt? Habe ich selbst mir meine Bibel aufgeschlossen, so dass sie mir Gottes Willen zeigt? Habe ich selbst aus dem Kreuz Jesu das Licht hervorgelockt, dass es vor mir als das Herrlichste strahlt, was ich sehen kann, im Glanz des vollkommenen Gehorsams, der Gott als Gott ehrt, und in der Herrlichkeit des vollkommenen Versöhnens, das uns Menschen in den Frieden Gottes emporhebt? Habe ich selbst je etwas anderes in mir erweckt als den eigensüchtigen Willen, der an meinen eigenen Vorteil gebunden ist? Was ich habe, ist Schöpfung, nicht eigener Erwerb, Empfangenes, nicht Gemachtes. Wieso ist es aber eine neue Schöpfung, mehr als Natur, mehr als Fortsetzung dessen, was die Natur mir gab, und wesentlich verschieden von dem, was auf dem Boden wächst, den die erste Schöpfung für uns hergestellt hat? Auch die Natur zeugt von Gott, stiftet zwischen uns Gemeinschaft und gibt uns den Antrieb zur Liebe. Aber die Natur hat nicht die Vollmacht zu vergeben, sondern führt alles, was geschieht, zu seinem Ende mit vergeltender Gerechtigkeit, und die Natur schafft kein unvergängliches Leben, sondern ist unter das Gesetz des Todes gestellt, und die Natur bringt mir kein Wort Gottes; sie bleibt stumm und ist nicht imstande, mir zu sagen, wie es in Wahrheit mit meinem Verhältnis zu Gott steht. Nun habe ich aber ein Wort Gottes gehört, das zu mir spricht und mir Gott zeigt als meinen Gott, und dieses Wort tilgt alle Schuld und verheißt das ewige Leben. Das ist neue Schöpfung über die ganze Natur hinaus.
Bin ich Dein Geschöpf, so ist es mein Beruf, Dein eigen zu sein mit dem ganzen Herzen, mit fröhlichem Glauben, mit redlicher Liebe. Darum bitte ich Dich; denn so schaffst und vollendest Du in mir Deine neue Kreatur. Amen. (Adolf Schlatter)


Ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe es ist Alles neu geworden.
Sind wir schon in Christo, meine Geliebten? Ist das Alte schon von uns gegangen und sind wir geworden zu einer neuen Kreatur, die gilt und gerechtfertigt ist vor Gottes Throne? Ach, wenn wir uns so voll rechtem, heiligem Ernste fragen, Jeder sich zuerst, da wird wohl die Antwort bei Allen ziemlich gleich sein! Der oder Jener ist vielleicht schon etwas näher, er hat des heiligen Geistes Wehen gespürt und Gottes liebendes Walten ist nicht vergebens an ihm gewesen. Aber doch, - wohl Allen, die es fühlen, wie weit sie entfernt sind von dem Stande der Erlösten, und weinend mit dem Zöllner sprechen: Gott sei mir Sünder gnädig!

Seht an den alten Menschen in Euch! Das Dichten des Herzens ist böse von Jugend auf, da ist nicht Einer, der gerecht sei, auch nicht Einer! Halten wir auch nur einmal die Gebote Gottes, die Er gab, weil die Menschheit nicht mehr eins mit Ihm war, sich nicht mehr leiten lassen wollte von Seinem Geiste? Nein, täglich, stündlich fehlen wir dagegen, in Werken, Worten und Gedanken, und verdienen dafür Tod und ewige Verdammnis! Das ist der Fluch, der sich forterbt durch die Jahrtausende, denn Alles, was vom Fleisch geboren ist, ist Fleisch. Durch Einen Menschen ist die Sünde gekommen in die Welt, und mit ihr Tod, Elend, Jammer und Schmerzen, aber Gott sei Dank, ewig Lob und Dank! Ein Mensch hat auch zerbrochen die Gewalt des Teufels und hat wieder gebracht Gerechtigkeit, Seligkeit, Unschuld und ewiges Leben. Und das ist Christus, der Erlöser, der Seligmacher! Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort, dass Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Aber auch nur in Ihm und durch Ihn vereinigt sich die Menschheit mit Gott, dem allgerechten, nur indem wir ausziehen die alte Kreatur und uns erneuen durch das Bad der Wiedergeburt, können wir teilhaftig werden des himmlischen Reiches. Sind wir in Christo, so sind wir in Gott und Gott ist in uns, denn in Ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit, Er ist der Glanz von Gottes Herrlichkeit und das Ebenbild Seines Wesens! Und wenn Ihr nun wählen sollt zwischen Verdammung und Gnade, zwischen Nacht und Tag, zwischen Elend und Seligkeit, - was wollet Ihr ergreifen? Gewiss Ihr zweifelt nicht und wählt das, was Euch wahrhaft glücklich macht! Ihr wendet Euch zu Ihm, dem Heiland und Erlöser, der alle Eure Sünden tilgt und heilt alle Eure Gebrechen, - Jesus Christus gestern und heute und derselbe in alle Ewigkeit! Amen. (Burghard von Cramm)


Darum ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden.
Was ist es doch ein so großes und herrliches Ding um einen neuen Menschen, in welchem die Wiedergeburt durch den Glauben und durch die Bekehrung volle Wahrheit geworden ist! Wohl noch aus dem Fleisch geboren, aber wiedergeboren aus dem Geist. Das Alte ist vergangen, es ist alles neu geworden. Wohl noch ein Menschenkind, aber zugleich ein Kind Gottes. Wohl noch ein Pilgrim auf der Erde, aber neben dem Pilgrim ein Bürger des Himmelreichs. Wohl auch noch eine arme, schwache Kreatur mit viel Zittern und Zagen und Wanken und Schwanken, aber doch auf den Fels gegründet, welchen der Hölle Pforten nicht überwältigen können. Wohl auch noch ein Sünder, aber doch mit dem Blut- und Kreuzeszeichen an den Pfosten des Herzens, dass ihn der Würgengel nicht töten darf. Wohl auch noch dem Tode unterworfen, welcher der Sünden Sold ist, aber doch mit einem so herrlichen Leben im Herzen, dass er in derselben Stunde, wo ihm dieser Sold ausgezahlt wird, singen und rühmen kann: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der mir den Sieg gegeben hat durch meinen Herrn Jesum Christum!“ Wohl arm und bloß vor den Schranken des ewigen Gerichts, aber gerecht in dem, der ihn gerecht gemacht hat, und reich in dem, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden. Suche, wo du willst, du findest in der Welt nichts Herrlicheres und Seligeres, als solche neue Kreatur. Kunst, Bildung und Weisheit können vieles schaffen. Herrliche Bauwerke, herrliche Gemälde, köstliche Musiken, feine Kunstwerke sind aus ihren Händen hervorgegangen; aber nie ein neues Herz. Sie haben manche Freude bereitet, aber wandelbare Freude. Sie ist doch wie der Himmel im März und April. Immer stehen die Wolken dahinter. Von ihren Götterbergen rühmen die alten Heiden, dass auf ihnen eine unvergängliche Klarheit ruhe, welche von keiner Macht verdrängt werde, dass kein Schnee darüber zerstreut, kein Regen darüber ausgegoffen werde. Sie haben etwas geahnt von dem heiligen Gott, welcher in der Höhe thront, in der Höhe, in welcher der Schaum der Sünde und Welt nicht sprühet. Aber dass es solche Seligkeit auf der Erde geben könnte, davon wussten sie nichts, weil sie nichts wussten von dem Sohne Gottes, der als Mensch geboren werden sollte, nichts von dem Erbteil der Heiligen im Licht, nichts von der seligen Ruh der Christen in ihrem Herrn.

Freue dich, dass der Herr dich in sich ein- und aufgenommen hat; freue dich, dass du aus Gnaden in Christo bist. - Bist du es? Sagst du „Ja“ auf diese Frage? Nun so muss es dein Leben auch ausweisen. (Friedrich Ahlfeld.)

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nt/47/2._korinther_5_17.txt · Zuletzt geändert: von aj
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