2. Korinther 12,6

Andachten

Und so ich mich rühmen wollte, täte ich darum nicht törlich, denn ich wollte die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber des, auf dass nicht jemand mich höher achte, denn er an mir sieht oder von mir hört.
Wohl könnte der Apostel große Dinge aufzählen, alle seine Gaben der Weisheit und Erkenntnis und der Wundertätigkeit, die Werke, die er vollbracht, und die Früchte, die er für den HErrn geerntet, und er würde damit durchaus nichts Törichtes tun, weil er nur die Wahrheit sagte; denn er ist in der Tat ein Großer im Reiche Gottes, und seine Demut hindert ihn nicht, sich dessen bewusst zu sein, dass er mehr gearbeitet hat, denn sie alle. Aber wie ihm selbst das Rühmen nichts nütze ist, so ist es der Gemeinde sogar schädlich. Darum, obgleich er ihnen leicht, und zwar mit aller Wahrheit, ein solches Bild von seiner Person zeichnen konnte, dass sie mit Ehrfurcht und Bewunderung an ihm hinaussehen mussten, so tut er es doch nicht, denn er will nicht mehr vor ihnen gelten, als sie ihn selbst aus eigener Erfahrung können gelten lassen, denn sie konnten dadurch leicht in die Gefahr geraten, unvermerkt von Christo abzukommen und ihr Heil auf Menschen zu gründen. Tun wir wie er, und suchen wir keinen andern Ruhm bei den Menschen, wollen wir nicht mehr bei ihnen gelten, als sie an uns sehen in unserem Leben und Wandel, so kann etwas aus uns werden, und will die Welt uns für nichts gelten lassen, so lässt sich das verschmerzen, wenn wir nur Gott bekannt sind.

Was hilfe es uns, lieber HErr, wenn uns die Menschen rühmen, und wir hätten doch Dein Wohlgefallen nicht! Was wir Gutes an uns haben, das kommt allein von Dir, und Dir allein gebührt dafür der Ruhm. Ach mache unsere Herzen frei von allem Eigenlob und von allem Trachten nach der eitlen Ehre dieser Welt, damit wir allein trachten, Dir zu gefallen, und lieber alle Schmach der Welt tragen, als Dir zu missfallen. Du kennst unsere Herzen, und Du siehst auch. was unser Herz begehrt. Komm uns zu Hilfe und mache uns zunichte, damit Du alles in uns wirst. Amen. (Hermann Haccius)

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