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1. Korinther 7,31

1. Korinther 7,31

Andachten

“Die dieser Welt brauchen, dass sie dieselbe nicht missbrauchen.“
Wann tritt denn der Missbrauch dieser Welt ein? Wenn man entweder seiner Seele Leben an die Güter dieser Welt verkauft, so dass nicht wir diese Güter haben, sondern sie haben uns - oder in selbstsüchtiger Weise nur Genuss an ihnen sucht und keine Pflicht in ihnen dem Nächsten zu dienen anerkennt. Die äußere Stellung kann es ja mit sich bringen, dass der eine ganz anders sich mit dieser Welt beschäftigt als der andere. Ein Kaufmann, der aufs Verdienen angewiesen ist, ein Fabrikant, von dessen guter Führung seines Unternehmens Hunderte von Familien mit ihrem täglichen Brot abhängen, steht anders zum Geld als der Beamte, der sein Gehalt oder seine Pension hat, oder wie der Geistliche, der sich mit den Seelen seiner Gemeinde beschäftigen soll. Da darf man nicht ungerecht aburteilen über den andern, der anders als wir sich mit dieser Welt Gütern abgeben muss. Nur wird die Grenze des rechten oder falschen Gebrauchs klar gezogen werden müssen, damit die Seele nicht notleidet. Hast du es leichter, dem Glanz des roten Goldes dich zu entziehen als der andere, dann wirf keinen Stein auf ihn, sondern biet' ihm die Hand zu der Erlangung eines Gegengewichts: dass die zukünftige Welt in sein Leben hineinkomme und etwas wirke, ehe es zu spät ist.

Herr, lehre uns gerecht und milde über andere urteilen, und scharf und deutlich für uns selbst die Grenze finden, wo für uns der Missbrauch anfängt. Unser Herz soll dir gehören, und dann kann alles unser sein. Amen. (Samuel Keller)


Weiter ist das die Meinung, die dieser Welt brauchen, dass sie derselbigen nicht missbrauchen, denn das Wesen dieser Welt vergeht.
Wir nehmen Alles, was Gott gibt, und brauchen's für dies Leben, aber unser Herz hängen wir nicht daran, das bleibt innerlich frei davon und auf Gott gerichtet. Haben wir nun solchen Pilgersinn? Dann werden wir in den Stunden, wo Gott uns eins dieser Güter wieder nimmt, einen getrosten Mut und ein stilles Herz behalten, da, wo die Andern ratlos nicht aus noch ein wissen. Dann werden wir in den Stunden, wo sie um eins dieser Güter willen ihr Gewissen mit Unrecht und Sünde belasten, unsre Augen zuschließen vor dem lockenden Glanz und uns an des Herrn Wort erinnern: Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele! Das ist der rechte Pilgersinn. Brüder, die Zeit ist kurz, das Wesen der Welt vergeht. Das Leben so traumhaft flüchtig, die Welt und ihre Güter so vergänglich - nein, ich will nicht um ihretwillen Das verlieren und opfern, was allein wahr und wirklich ist: die Ewigkeit! Was wir gefühlt, wenn wir in schlafloser Nacht das ängstliche Ticken der Uhr verfolgten, oder wenn wir am Bette eines zum Tod Erkrankten die Atemzüge zählten, dass unser Leben mit jeder neuen Minute schneller ausschlägt; was wir gefühlt, wenn wir der Gespielen unsrer Kindheit gedachten, wie sie zerstreut sind, wir wissen nicht, wohin; oder wenn wir gedachten, wie auch die höchste Freude, auch das tiefste Weh, das einst unser Herz bewegte, mit der Zeit vergangen ist - o dass es uns erweckte, nicht in einer Welt, die so vergänglich ist, uns zu begraben mit unserm Sinnen und Trachten, mit unsers Herzens höchster Liebe, sondern sie zu richten auf das, was droben und ewig ist. Die Welt vergeht, wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit! (Adolf Clemen)


Das Wesen dieser Welt vergeht.
Wer kann sagen, dass die Heilige Schrift lüge? Sie hat noch nie gelogen; „Himmel und Erde werden vergehen, aber des HErrn Wort bleibt in Ewigkeit.“ Und ist es denn nicht natürlich, dass diese Dinge, die in der Zeit ihren Anfang genommen haben, mit der Zeit vergehen? Nicht rede ich hier von der unsichtbaren Geisterwelt, denn was unsichtbar ist, das ist ewig, das ist bleibend; auch der Apostel Petrus meint, wenn er von dem Ende aller Dinge redet, nicht die unsichtbaren, sondern die sichtbaren Dinge. Diese sind dem Untergange unterworfen und müssen aufhören. Siehe, lieber Mensch! Alles, was dich umgibt, bleibt nicht und besteht nicht; dieses Gebäude, diese Stadt, dein Haus, deine Geräte, dein Geld und Gut, deine Felder, deine Bücher, deine Titel, deine Würden und Ämter, deine Vorräte, die du vielleicht auf viele Jahre gesammelt hast, kurz Alles, was deine Seele ergötzt, dein Leib, der dir am nächsten ist, diese Erde, die Sonne, die Wolken, die Luft, das Wasser, Alles, Alles, was um dich her ist, wird vergehen und zerstäuben. Hast du das auch schon bedacht, dass das Alles, woran sich dein Auge weidet, oder was deinen Sinnen schmeichelt, vergehen und durch die Glut des Feuers in Rauch aufgehen wird? Ach, wie Wenige werden hier sein, die das schon ernstlich erwogen und bedacht haben. Man läuft so in der Torheit dahin, und beachtets nicht, und nimmt es nicht zu Herzen. So groß ist unsre Blindheit und Verkehrtheit. Was würden wir von einem Missetäter denken, dem sein Todesurteil bekannt gemacht wird, und der sich nicht darum bekümmern, der es stumpf und gleichgültig anhören würde? Wir aber sind die Missetäter; stumpf und gleichgültig hören wir es an, wenn das Todesurteil über die ganze sichtbare Welt und der Feuertod über Alles ausgesprochen wird, woran unsere Seele so gerne klebt und hängt. Und doch sind uns ewige Güter angeboten, die aus der Fülle Christi fließen, und wir laufen dahin im Traume und betrügen uns selbst, als ob das Sichtbare ewig währte und Bestand hätte, und wissen nicht, ob der HErr heute oder morgen dem Wesen dieser Welt ein Ende macht. (Ludwig Hofacker)

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