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Römer 8,29

Römer 8,29

Andachten

Es ist die unfasslich große Verheißung, die denen gegeben ist, die vom Ruf in die Nachfolge Jesu Christi getroffen wurden, dass sie Christus gleich werden sollen. Sie sollen sein Bild tragen als die Brüder des erstgeborenen Sohnes Gottes. Das ist die letzte Bestimmung des Jüngers, dass er werden soll „wie Christus“ Das Bild Jesu Christi, das der Nachfolgende immer vor Augen hat, vor dem ihm alle anderen Bilder entschwinden, dring in ihn ein, erfüllt ihn, gestaltet ihn um, dass der Jünger dem Meister ähnlich, ja gleich wird. Das Bild Jesu Christi prägt in der täglichen Gemeinschaft das Bild des Jüngers. Der Nachfolgende kann das Bild des Sohnes Gottes nicht anschauen in toter, müßiger Betrachtung; von diesem Bilde geht umschaffende Kraft aus. Wer sich Jesus Christus ganz ergibt, der wird und muss sein Bild tragen. Er wird zum Sohne Gottes, er steht neben Christus als dem unsichtbaren Bruder in gleicher Gestalt, als das Ebenbild Gottes.

Gottes Bild soll im Menschen wiederhergestellt werden. Dabei geht es um ein Ganzes. Nicht, dass der Mensch wieder rechte Gedanken über Gott habe, nicht dass der Mensch wieder rechte Gedanken über Gott habe, nicht, dass er seine einzelnen Taten wieder unter Gottes Wort stelle, sondern dass er als Ganzheit, als lebendiges Geschöpf Gottes Bild sei, ist das Ziel und die Bestimmung, Leib, Seele und Geist, die ganze Gestalt des Menschen soll das Bild Gottes auf Erden tragen. Gottes Wohlgefallen ruht allein auf seinem vollendeten Ebenbild.

Weil der gefallene Mensch Gottes Gestalt nicht wiederfinden und annehmen kann, darum gibt es nur einen Weg der Hilfe. Gott selbst nimmt die Gestalt der Menschen an, und kommt zu ihm. Gottes Sohn, der in göttlicher Gestalt beim Vater lebte, entäußert sich dieser seiner Gestalt und kommt in der Gestalt des Knechtes zu den Menschen (Phil. 2,5 ff.). Der Wandel der Gestalt, der sich bei den Menschen nicht ereignen konnte, geschieht nun in Gott selbst. Gottes Ebenbild, das in Ewigkeit bei Gott geblieben war, nimmt nun das Bild des gefallenen, sündigen Menschen an. Gott sendet seinen Sohn in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde (Röm. 8,2 f.).

Der Gestalt Jesu Christi gleichzuwerden, ist nicht ein uns aufgegebenes Ideal der Verwirklichung irgendeiner Christusähnlichkeit. Nicht wir machen uns zum Ebenbild, sondern es ist das Ebenbild Gottes selbst, es ist die Gestalt Christi selbst, die in uns Gestalt gewinnen will (Gal. 4,19). Es ist seine eigene Gestalt, die sich in uns zur Erscheinung bringen will. Christus ruht nicht mit seiner Arbeit an uns, bis er uns zur Christusgestalt gebracht hat. Es ist die ganze Gestalt des Menschgewordenen, des Gekreuzigten und des Verklärten, der wir gleich werden sollen. (Dietrich Bonhoeffer)


Welche Gott zuvor ersehen hat, die hat Er auch verordnet, dass sie gleich sein sollten dem Ebenbild Seines Sohnes, auf dass derselbe der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Der Apostel will es mit diesem Spruch dartun, wie „denen, die Gott lieben“ - was er im vorigen Vers gesagt hatte -, „alle Dinge zum Besten dienen“. Läuft doch bei ihnen alles, so will er sagen, darauf hinaus, dass sie gleich sein sollen dem Ebenbilde Jesu Christi.

Ihre Liebe besteht nämlich darin, dass sie in die Liebe Gottes eingegangen sind mit ihrem Glauben und mit ihrer Hingabe an die Gnade Gottes durch Christus. Sie haben sich durch die Liebe Gottes zur Liebe überwinden lassen und stehen mithin in der Liebe von Kindern Gottes. Solche Seelen hat Gott „zuvor“ - nämlich von Ewigkeit her, wie nach andern Schriftstellen zu ergänzen ist (vgl. Eph. 1,4)- ersehen oder eigentlich erkannt. Das will sagen: Sie sind Ihm einerseits nach ihrem innersten Sinn von Ewigkeit her nicht unbekannt gewesen; und andererseits hat Er sie eben darum von Ewigkeit her als die Seinen erkannt, d. h. bedacht und in Seine Fürsorge genommen. Dies wird damit erläutert, dass es weiter heißt, Gott habe sie von Ewigkeit her auch verordnet, Ebenbilder Seines Sohnes zu sein, der ins Fleisch kommen sollte. Diejenigen, die also Gott lieben und damit ihren wahren kindlichen Glauben dartun, brauchen nicht erst ängstlich zu harren, ob Gott sie erkenne und annehme; denn das ist für sie eine von Ewigkeit her ausgemachte Sache. Wenn der Apostel erwägt, dass wir's zu tun haben mit dem ewigen Gott, der uns bei sich eine ewige Bestimmung zugedacht hat, so ist es ihm nicht möglich, sich alles als eine Sache zu denken, die ganz neu in der Zeit geworden ist. Vielmehr treibt's ihn - da er sich in Gott keine Veränderung und Neuheit denken kann - unwillkürlich in die Ewigkeit zurück, so unfassbar das auch dem menschlichen Verstande sein mag.

Was also denen, die Gott lieben, Widriges und Anfechtungsvolles begegnet, haben sie im Glauben so anzusehen, dass es ihnen zur Gleichstellung mit Jesus diene. Und es ist verkehrt, wenn sie sich durch irgend etwas in Zweifel und Verzagtheit oder in Misstrauen und Murren oder gar in Verzweiflung bringen lassen.

Unter dem Ebenbilde Jesu Christi ist aber an alles zu denken, was es mit dem Sohne in Seinem erniedrigten und in Seinem erhöhten Stand geworden ist. Die Ihn lieben, werden mithin auch gewürdigt, zu leiden wie Er, es gering und übel in dieser Welt zu haben wie Er, den Versuchungen Satans, den Verfolgungen, Misshandlungen und Lästerungen der Feinde Gottes ausgesetzt zu sein wie Er, zu verleugnen und aufzuopfern wie Er - sogar, wenn es sein muss, das Leben zu lassen wie Er. Dafür aber bleiben sie Ihm auch gleich in der Auferstehung und Erhöhung, werden dieselbe Herrlichkeit sehen, die Er hat, Ihm in allem gleich, auch in Kindesrechten gegenüber dem Vater. „Sie werden eins mit Ihm sein, wie Er mit dem Vater, auf dass sie vollkommen seien in eins“ (Joh. 17,22. 24).

Wie vieles bleibt uns da zu denken und zu staunen übrig! Und welche Ermunterung liegt doch für uns darin, in Geduld unter allem auszuharren und getreu zu bleiben bis in den Tod!

Zusatz zu Römer 8,29 Christus, der Erstgeborene Wenn der HErr in unserem Spruch der Erstgeborene unter Seinen Brüder genannt wird, so ist damit auf Seine Auferstehung gesehen. Er ist der erste Mensch, der, nachdem Er bis ins Sterben hinein den andern Menschen, Seinen Brüdern, gleich geworden war, aus dem Tode wieder neugeboren wurde ins himmlische Leben, zur Erhöhung bei Seinem Vater. Er heißt nun der Erstgeborene unter Seinen Brüdern. Denn Er sollte der Erste sein, dem ein Zweiter, Dritter, Vierter, dem Tausende, Millionen und Abermillionen als Brüder, Ihm ähnlich, nachfolgen, auferstehen und neugeboren werden sollen in das Leben der ewigen Herrlichkeit.

Diesem unserm großen Bruder wollen wir treu bleiben, damit Er uns zu sich erhöhen kann, wie es Gott von Anfang an gewollt hat! Dadurch, dass wir Ihn allezeit liebend vor Augen haben, wird's Wirklichkeit werden. Dann werden wir nicht nur fest und wohl bleiben, sondern auch gleich werden dem Ebenbilde des Sohnes in der großen Wiedergeburt (Mat. 19,28).

Zusatz zu Römer 8,29 Von der Gnadenwahl

In Verbindung mit dem vorhergehenden Vers ist unser Spruch auch zur Begründung der Lehre von der sog. Gnadenwahl oder Prädestination benützt worden. Sie besagt, dass Gott nach Seinem freien Willen die Einen zur Seligkeit berufen habe, die Andern nicht.

Eine nähere Beleuchtung der Stelle zeigt aber, dass sie hierfür nichts beweist. Im vorigen Vers werden die, welche Gott lieben, bezeichnet als die, welche nach dem Vorsatz berufen sind. Unter „Vorsatz“ kann aber hier nicht die willkürliche Erwählung zum Glauben und Lieben verstanden sein, wie es jene Lehre meint, sondern nur der jetzt zur Ausführung gekommene ewige Heilsplan oder die von Ewigkeit auf diese Zeit festgesetzte Gnadenordnung, der bestimmte vorgefasste Wille Gottes, unter welchen Bedingungen Er Anteil am Reich Gottes geben wolle. Es soll nämlich nicht aus Verdienst der Werke gehen, sondern aus Gnaden des Berufers durch den Glauben (Röm. 9,11.32). Nach dem Vorsatz berufen sein, heißt also nichts anderes, als so, wie es Gott nach Seinem Vorsatz haben will, sich berufen lassen: durch Glauben und nicht durch Werke das Heil suchen, gläubig das Evangelium annehmen.

Die nun, so heißt es weiter, die Gott lieben - es ist nämlich hier Lieben mit Glauben gleichbedeutend genommen -, hat Gott vorher ersehen oder erkannt, d. h. Gott hat sie erstlich erkannt, insofern als Er's von Ewigkeit sah, dass sie ein Gemüt zum Glauben und Lieben haben würden - wie Ihm denn nichts von den Menschenkindern unbewusst ist, auch von denen, die erst werden sollen (Ps. 139,16). Zweitens hat Er sie insofern „erkannt“, als Er Bedacht auf sie genommen, Fürsorge für sie gehabt hat, dass ihnen einst das zukomme, was ihrem Gemüt und Verlangen entspricht. So wird das Wort „Erkennen“ häufig in der Schrift genommen. Demzufolge hat Er sie vorher schon zur Seligkeit bei Ihm durch Christus verordnet, wie es weiter heißt, und sie darum auch in der Zeit berufen, sie gerecht, sie herrlich gemacht (Röm. 8,30).

Es heißt also nicht, Gott habe sie damit erkannt oder vorausgeliebt, dass Er ihnen das Gemüt zum Glauben oder ihnen das Lieben gab - wie Er es (nach dieser Lehre) andern nicht gab -; sondern weil sie das Gemüt zum Glauben und Lieben hatten - wie es Gott vorauswusste und wie man an dem sieht, dass sie jetzt, da es verlangt wurde, glaubten und liebten -, hat Gott schon vorher für sie Sorge getragen und führt es jetzt an ihnen aus.

Wo aber nun dieses Gemüt zum Glauben, welches bei manchen auch unsres Geschlechts wie ein Gefangener im Verborgenen schmachtet, herkommt, und warum es die Einen haben, die Andern nicht: darüber äußert sich die Schrift nie. Sie setzt es voraus, wo es ist, auch da, wo sie das wirkliche Glauben als ein von Gott Gegebenes nimmt. Ein solches Gemüt, das die Gabe des Glaubens annehmen will oder nicht - worauf die Schrift am Ende alles ankommen lässt -, mag mit dem eigensten Selbstbewusstsein des Menschen zusammenfallen. Hier bleibt ein Geheimnis, das uns die Schrift nicht enthüllt - wie es überhaupt ein Geheimnis bleibt, in welcher Weise der freie Wille des Menschen mit der Allmacht und Allwissenheit Gottes zu vereinigen sei.

Alle Grübeleien darüber aber sollten in der christlichen Denkweise fernbleiben. Wir müssen es nach der Schrift kindlich so nehmen: einerseits, dass wir das, was wir sind, von Gott sind; und andererseits, dass wir's zu verantworten haben, was wir glauben oder nicht glauben, treu sind oder nicht treu sind. Nur so werden wir in gesunder Weise auf der Bahn des Lebens vorwärts kommen. (Christoph Blumhardt)


Welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet, dass sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf dass derselbige der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Hoch hinauf schwingt sich in diesen Worten des Apostels Geist. Dorthin richtet er unsern Blick, über alle Zeiten hinaus, in den Urgrund der Ewigkeit, wo der Weltplan gelegt ward. Vor dem Falle des Menschen und vor seinem Paradiese, bevor die Grundfeste der Erde gelegt war, und bevor der Himmel sich erhob zu seiner Höhe, da hat der Vater unsers Herrn Jesu Christi einen Vorsatz gefasst, in Christo herrlich zu machen alle, die an ihn glauben würden, und alle, die er damals zuvor ersehen hat als solche, die da glauben würden, die hat er auch damals schon zum Ebenbilde seines Sohnes geordnet, auch damals schon sie gerecht und herrlich gemacht. Von allen Zufälligkeiten der Zeit, von allem Wellenschlage des Glücks und des Unglücks deutet der erhabene Gottesmann hinweg in die Ewigkeit, und redet die streitende Seele an: Seele, was zagst du? Seele, was bangst du? Bist du einbegriffen in den Vorsatz derer, die berufen sind, so steht auch dein Heil nicht mehr in deiner eigenen ohnmächtigen Hand, es steht in der Hand des höchsten Helden aus dem Stamm Juda, der gesagt hat: „Meine Schafe wird niemand aus meiner Hand reißen.“ wie es so wohl tut, wenn der Tropfen am Eimer weiß, dass auch er nicht vergessen ist! O wie es so wohl tut, wenn das Stäubchen, das in der Sonne spielt, weiß, dass von dem Auge dessen, der die Sonne geschaffen hat, es auch gekannt wird!

O, wie der Geist des Christen ausruht in dem Gedanken: es gibt einen Weltenplan, der von Ewigkeit zu Ewigkeit reicht, und in dem bist du nicht vergessen, und damals, als das Siebengestirn geflochten wurde und dem Sirius sein Stand gegeben, da ist auch dir von der Liebe, die dich in Christo geliebt hat, eine Stelle angewiesen worden in jener Kette, die in die Unermesslichkeit reicht; da hat ein erbarmendes Auge gezählt, wie viel du Tränen weinen solltest, und Erbarmung hat die Waage gehalten, auf der gemessen wurde, wie viel jede deiner Lasten wiegen sollte? Ich sehe den König aller Könige auf seinem Throne, weithin fließt sein samtener Mantel über Welten und über alle Sterne, und ich hülle mich in das äußerste Ende desselben, und bin so geborgen und bin so selig! Noch gehe ich armes Kind durch Kampf und Streit und bin nur selig in Hoffnung, aber doch ist vor ihm mein Los schon entschieden aufs Lieblichste, und die Spanne der Zeit im Tränental wird von einer seligen Ewigkeit ohne Ende verschlungen. (August Tholuck)

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nt/45/roemer_8_29.txt · Zuletzt geändert: von aj
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