Römer 8,26
Andachten
Desselben gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen.
Unser Geist ist willig zu allem guten Wert, auch zum Beten; aber unser Fleisch ist zu schwach, um unsere guten Entschlüsse zur Ausführung zu bringen; da kommt uns der heilige Geist, der Geist Gottes zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; in der Bedrängnis, in der wir uns befinden während unseres standhaften Laufs der himmlischen Herrlichkeit entgegen, finden wir beim Beten nicht die rechten Worte; ja, wir wissen nicht einmal, um was wir bitten sollen. Da kommen bei unserer Not und Bedrängnis zum Schluss nur noch Seufzer hervor, die freilich die rechten und kräftigsten Gebete sind nach den Worten eines gesegneten Zeugen der Wahrheit, Brag, weiland Propst in Gothenburg1), welcher gesagt hat: „Gebete sind Seufzer des Herzens, die man manchmal in Worte bringt“. Warum aber sind solche Gebete die kräftigsten? Weil der heilige Geist selbst dieselben wirkt und uns vor Gott vertritt mit unaussprechlichen Seufzern. Weil wir nicht beten können um unserer Schwachheit willen, so tuts der heilige Geist in uns und für uns, und er wirket in den Herzen der Gläubigen keine anderen Seufzer, als die Gott wohlgefällig sind, weil er eins ist mit Gott! Amen. (Friedrich Emanuel Kleinschmidt)
Er nimmt unsere Schwachheit nicht alsbald weg, aber Er hilft ihr auf. „Not lehrt beten,“ aber unsere Schwachheit in der Not ist zuweilen so groß, dass Nichtbetenkönnen unsre tiefste Not ist. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt.„ Weder was noch wie wir beten sollen, weder die Sache, um die wir bitten sollen nach Gottes Willen, noch das gebührliche Gebetswort bietet sich unsrer Schwachheit dar. Wären wir in solcher Schwachheit uns selbst überlassen, so würden wir entweder gar nicht oder verkehrt beten. Sind wir so elend und schwach, dass wir nach Gebühr zu beten nicht vermögen und keine Worte finden, unser Herz darein auszuschütten und unser Anliegen auszusprechen; dünkt uns, es sei nun gar aus mit unserem Glauben, unsrer Hoffnung und mit Gottes Hilfe, dann fängt auf den Trümmern unseres eigenen Vermögens der heilige Geist Sein Werk erst recht an. Es ist nicht aus mit uns, wenn es mit unsrer Kraft und Vernunft, ja! mit unsrer Glaubensempfindung, Hoffnungsfreudigkeit und Gebetsinbrunst aus ist, dass wir sind wie „die stumme Taube unter den Fremden“ (Ps. 56), sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichen Seufzern. Der am besten weiß, was wir bedürfen, und unsre Sache am besten zu führen versteht, Er Selbst, der Geist, tritt für uns ein mit allerkräftigster Fürsprache in unaussprechlichen Seufzern. (Friedrich Wilhelm Besser)
Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sichs gebührt, sondern der Geist selbst vertritt uns aufs beste mit unaussprechlichem Seufzen.
Von den Juden und Heiden sagte Jesus, sie plappern beim Beten und machen viele Worte. Von der Christenheit sagt Paulus: wir wissen nicht, was wir beten sollen, und von dem Geist sagt er: er steht uns dadurch bei, dass er uns klagende Seufzer schenkt, für die es keine Worte gibt. Je weiter weg der Beende von Gott steht, desto mehr verkürzt sich sein Gebet. Warum braucht der Mensch, bevor er Jesus begegnet ist, für sein Beten viele Worte? Er meint, sagte Jesus, wegen der Menge seiner Worte werde er erhört. Dann ist es freilich nötig, dass er aus seinem Gebet ein Kunstwerk mache, damit auf diese Weise sein Gott geehrt sei. Daher wiederholt er auch die Formeln seines Gebets, damit sie sicher wirken, und wenn er in Not ist, beschreibt er sie, um Gott zu rühmen. Hier geht das Gebet vom Menschen aus, der im Gebet ein Mittel sieht, um Gott zu bewegen. Nun wird das Gebet freilich eine schwierige Sache. Wer an sein Gebet glaubt, der macht es lang. Warum stellt dagegen die Christenheit in vielen Fällen das Gebet ein? Sie meidet auch im Gebet die Versündigung und will so beten, wie es sich gebührt. Dazu muss sie wissen, um was sie beten soll; denn sie kann nicht gegen Gottes Willen beten, sondern einigt betend ihren Willen mit Gottes Willen. Hier zeigen sich aber Schranken, über die sie nicht hinwegkommen kann. Wenn sie aber nicht weiß, was sie bitten soll, so schweigt sie vor Gott. Warum gibt ihr der Geist nicht die Erleuchtung, die ihr zeigt, was sie bitten soll, sondern lässt sie in ihrer Unwissenheit? Weil der Geist nicht dazu bei uns ist, damit uns das Glauben erspart sei, sondern damit wir es empfangen und es auch behalten, wenn wir nicht wissen, was wir begehren und tun sollen. Dadurch sind wir in das Leiden versetzt. Nicht beten können, nicht wissen, was geschehen soll, ist Not. Dass wir diese Not fühlen, dazu hilft uns der Geist. Er macht sie uns empfindlich und erweckt die Klage in uns. Allein dieses vom Geist gewirkte Stöhnen ist das Gebet, das erhört wird. Obwohl es keine Worte hat, bringt es die Hilfe herbei.
Eins weiß ich, was ich bitten darf, nicht nur mit Seufzen, sondern als klar erfasstes Ziel, nicht mit vielen Worten, als müsste ich Dich erst unterweisen. Es ist die Bitte Deines lieben Sohnes: Geheiligt werden Dein Name. Amen. (Adolf Schlatter)
Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist vertritt uns aufs Beste mit unaussprechlichem Seufzen.
Von Gott, durch Gott und zu Gott sind alle Dinge, Röm. 11,36. Alles Gute kommt vom Vater durch Christum zu uns, und geht wieder durch den Heiligen Geist zu Ihm zurück, indem derselbe durch Christum und um Christi willen die Menschen zum Glauben an Gott, zur Liebe Gottes, zum Beten, Loben und Danken, ja zur ewigen Vereinigung mit Gott erweckt und leitet. Beten, was und wie sich’s gebührt, ist eine wichtigere Sache, als Viele meinen. Zwar ist es leicht, allgemeine Gebetsformeln zu finden, die man Gott vorsagen darf, aber in besonderen Fällen kann nur die Regung des Heiligen Geistes bestimmen, was man bitten dürfe. Wer kann ferner dem betenden Menschen den Glauben, die Liebe, die Demut geben, welche in sein Gebet einfließen müssen? Wer will seinen Sinn so bilden, dass er Gott bei der Anbetung gefallen kann? Dieses kann Niemand, als der Geist des Vaters und des Sohnes. Dieser kommt dem Sünder sogleich bei seiner Erweckung aus dem Sündenschlaf zu Hilfe, und steht ihm bei, dass er erhörlich beten kann. Wenn Er aber in das Herz desselben bei der Rechtfertigung gesandt und ausgegossen wird, so ist Er immer die wirkende Ursache aller Gott geziemenden Gebete. Ein wiedergeborener Christ soll hierbei seine natürliche Schwachheit bekennen, gleichwie sie auch Paulus bekannt hat, da er sagte: wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, er soll sich aber auch auf den Heiligen Geist verlassen, welcher seiner Schwachheit auch bei dem Beten aufhelfen, und ihn mit unaussprechlichem Seufzen vertreten will. Paulus redet hier von dem Heiligen Geist als demjenigen, der die Stelle des betenden Menschen vertrete, folglich selber in ihm bete. Er betet aber so, dass Er des Menschen Verstand und Willen dazu braucht, und das Gebet nach dem Zustand des Menschen, und insonderheit nach seinem Verhältnis gegen Gott einrichtet. Hier gibt es aber auch unaussprechliche Seufzer; denn weil der Betende immer in einer Enge oder in einem Gedräng ist, so ist sein Beten ein Seufzen, sowohl wenn er sein Verlangen ohne Worte zu Gott richtet als auch wenn er Worte denkt und ausspricht. Doch sind Worte immer unfähig, sein Verlangen, welches auf unaussprechliche Dinge geht, ganz zu beschreiben. Wenn ein Christ betet: himmlischer Vater, Dein Name werde geheiligt, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe usw., so spricht er zwar etwas Vernehmliches aus, und versteht, was er bittet, einigermaßen; wer will aber Worte finden, welche Alles ausdrücken und deutlich machen, was der Name Gottes und die Heiligung desselben, das Reich Gottes und die Zukunft desselben, der Wille Gottes und die Erfüllung desselben in sich fassen. Hier geht der Sinn des Geistes, von dem Paulus V. 27. redet, immer weiter, als die Sprache und der Verstand des Menschen. Ebenso geht es, so oft ein Christ in seinem seufzenden Gebet göttliche und himmlische Dinge nennt. Sein Verlangen ist zwar unter dem Trieb des Geistes darauf gerichtet, auch weiß er, dass sie gut, herrlich, ewig seien: ihre ganze Beschaffenheit aber kann er nicht aussprechen, folglich auch nicht erkennen. (Magnus Friedrich Roos)
Desselbigen gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf.
Wenn der Mensch tot in Sünden ist, so ist er zu Allem, was wahrhaftig gut und Gott gefällig heißen kann, untüchtig, wenn er aber wiedergeboren ist, wie Paulus und die gläubigen Römer, an die er schrieb, so ist er geistlich und geistlich gesinnt, und hat eine Kraft zu glauben, zu lieben, zu hoffen, und Gott anzubeten. Dessen ungeachtet aber ist er schwach, weil alles Erschaffene und Eingeschränkte in der Vergleichung mit dem allmächtigen Gott schwach ist, und weil er überdies noch nicht vollendet, nicht ausgewachsen, und nicht völlig von der Sünde frei gemacht ist. Paulus sagt aber: der Geist (Gottes) hilft unserer Schwachheit auf. Er lehret hiermit, dass wir uns einen geistlichen Menschen nicht ohne die beständige Inwohnung und Wirkung des göttlichen Geistes vorstellen sollen. Es wird zwar durch die Wiedergeburt eine neue Kraft oder Natur in dem Menschen hervorgebracht, welche Geist heißt, denn was vom Geist Gottes geboren ist, das ist Geist: allein dieser Geist des Menschen ist beständig abhängig von dem Geist Gottes, wird immer von diesem unendlichen Geist bewohnt, regiert, erhalten und bewegt, und hörte auf zu sein, wenn dieser Geist wiche; deswegen schrieb Paulus Röm. 8,9.: ihr seid nicht fleischlich, sondern geistlich, so anders Gottes Geist in euch wohnt; wer aber Christus Geist nicht hat, der ist auch nicht Sein (und hört also auf, geistlich zu sein, wenn er’s auch gewesen ist), der geistliche Mensch aber wird von dem Heiligen Geist als Sein Tempel bewohnet, V. 1., als ein Mensch, der tätig sein soll, getrieben, V. 14., und als ein Mensch, der wissen muss, wessen er sich zu Gott versehen solle, durch Sein Zeugnis getröstet und erfreut, V. 16. Derselbige Geist hilft auch seiner Schwachheit im Beten auf; als welches eine so wichtige Sache ist, dass ohne Ihn auch der geistliche Mensch nicht wüsste, was er beten sollte, wie sich’s gebührt, V. 26. Wer dieses Alles bedenkt, erkennt leichtlich, dass ein wiedergeborener Christ seinen Geist oder sein geistliches Leben nicht eigenmächtig besitzen dürfe. Wir werden darum wiedergeboren, dass Gott durch Seinen Geist wieder in uns wohnen und wirken könne. Im Stand der Unschuld war in dem wesentlichen Wort das Leben und Licht der Menschen, nun soll es mit den gefallenen Menschen wieder dahin kommen, dass Gott Alles in Allen sei, oder dass des Menschen Gedanken, Worte und Werke von Gott, durch Gott und zu Gott seien, und Gott an ihm verherrlicht werde. Schwach ist ein jedes Geschöpf für sich selbst. Schwach ist insonderheit ein Mensch. Er weiß nicht, wie er dem heiligen Gott begegnen soll, und hat die Kraft nicht, sich gegen Ihm aufzurichten, und zu Ihm zu nahen. Aber der ewige Geist Gottes, der vom Vater ausgeht, kommt ihm zu Hilfe, bietet ihm gleichsam die Hand, und hilft seiner Schwachheit auf. Die ganze Anbetung Gottes soll durch diese Handreichung des Heiligen Geistes regiert werden, und der geistliche Mensch soll darauf merken, wie weit, und wozu ihn der Heilige Geist dabei treibe, und Seiner Handreichung sich nicht aus Trägheit entziehen, aber dieselbe auch nicht mit seiner natürlichen Wirksamkeit überschreiten wollen. (Magnus Friedrich Roos)
Desselben gleichen auch der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns aufs Beste, mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, was des Geistes Sinn sei; denn er vertritt die Heiligen nach dem, das Gott gefällt.
In diesen Worten redet der Apostel von Kindern Gottes, die das Zeugnis des Geistes haben, von Heiligen. Also auch bei ihnen kommt die Schwachheit vor, dass sie nicht wissen, was sie beten sollen. Der ordentliche Zustand kann das nicht sein, dass man nicht weiß, was man beten soll; in gewöhnlichen Zeiten wissen wir ja wohl, was wir beten sollen. Kommt aber eine Zeit großer Not, so kann ein Zustand eintreten, in dem man keine Worte mehr findet, sondern nur noch stöhnen kann. Eine große Frage ist immer, wie, in welch innerem Zustand wir in die Not eintreten; ob die Not von uns verschuldet, oder mitverschuldet ist, oder ob Gottes erziehende Weisheit und Liebe uns hineingeführt hat. Hat man einen Zustand, in man nicht mehr weiß, was man beten soll, durch Untreue selbst verschuldet, so ist selbstverständlich der Heilige Geist betrübt worden. Wird der Heilige Geist betrübt, so erfolgt von seiner Seite ein gewisses Sichzurückziehen, je nach dem Grade seiner Betrübnis. Wir dürfen aber solches Sichzurückziehen nicht so ansehen, als habe er uns verlassen. Zwar kann es wie bei Saul zum Verlassen kommen; aber das ist Gott sei Dank! bei weitem nicht immer der Fall. Bittet doch der gefallene David: nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir. Hat der Heilige Geist sich in Folge von Betrübnis, durch spezielle Verschuldung, von Jemand für eine Weile zurückgezogen, so tröste man sich nicht mit seinem Seufzen für uns, sondern mit Jesu hohepriesterlichem Seufzen, das den Bußfertigen gehört. Hat aber dein Gott dich in seiner Weisheit und Liebe in innere Prüfung hineingeführt, dann ist es ein herrlicher Trost: der Heilige Geist vertritt mich Gott gefällig. Vielleicht standest du in irgendeiner Ecke, hobst deine Augen zum Himmel empor, innerlich getrieben zu stöhnen. In diesem Stöhnen ist des Geistes Seufzen, das der Vater wohl versteht und erhört. O, die zarte, treue Fürsorge Gottes für die Seinen! Wie muss uns das trösten auf die Stunden hin, wo das Herz stille stehen will, man kaum mehr denken und nicht mehr beten kann! Da ist droben der barmherzige Hohepriester, der für dich eintritt und in deinem Herzen ist der Heilige Geist, der für dich seufzt. Ist das nicht eine Antwort auf die Frage: Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes?
Ja Vater, wie treu Du bist! Wie lässt Du Dich herab zu unserer Schwachheit! In Deiner Liebe will ich ruhen; Du kannst mich nicht lassen. Amen. (Elias Schrenk)