Römer 6,14
Andachten
Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade seid.
In diesen Worten stellt der Apostel Gesetz und Gnade einander gegenüber, um zu zeigen, dass so lange man noch unter dem Gesetz stehe, die Sünde über uns herrsche; wenn wir aber unter der Gnade stehen, so könne die Sünde nicht mehr herrschen. Die Sünde ist eine furchtbare Macht; das erfährt der Mensch besonders bei tief und lange eingewurzelten Lieblingssünden, allermeist bei Fleischessünden; wie knechten sie den Menschen, wie tierisch machen sie ihn! wie ruinieren sie ihn! Wacht das Gewissen des Menschen auf, so erkennt er seinen Jammer und hat keine Ruhe mehr in der Sünde. Jetzt steht er unter Gottes Gesetz, das laut in seinem Gewissen spricht: du sollst nicht, du darfst nicht sündigen! Das Gesetz gibt ihm aber keine Kraft zum Sieg, es kann keine geben, weil es keine hat. Nun beginnt der Mensch den Kampf mit guten Vorsätzen, mit immer erneuten Anläufen; er bekommt Stunden, in denen er sich selbst betrügt und meint: jetzt werde ich frei; aber es war Täuschung, die Sünde wird wieder Meister über ihn. Nun verzagt er und fällt tiefer, denn je; aber er hat keine Ruhe, er ist erweckt, er steht unter Gottes Gesetz, das immer wieder sagt: du sollst nicht! Was soll er machen? Das Gesetz gibt keinen Sieg und gute Vorsätze in eigener Kraft geben auch keinen Sieg. Als völlig Schiffbrüchiger, des Sündendienstes müde geworden, kommt er zu Jesu. Welche Offenbarung! Vorher Knechtschaft und böses Gewissen: fortwährende Vorwürfe des Gesetzes. Jetzt Gnade! Der Heiland macht ihm keine Vorwürfe, er ist freundlich, er vergibt, er löst den Betrogenen los vom Selbstvertrauen und bringt ihn zum Glauben an ihn und auf einmal erfährt der Mensch: mit Jesu steht er nicht unter, sondern über der Sünde.
Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum. Amen. (Elias Schrenk)
Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch; sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.
Die Sünde wird herrschen, wenn sie kann: sie kann nicht zufriedengestellt werden mit irgend einem Platz unter dem Throne des Herzens. Wir fürchten zuweilen, dass sie uns überwinden wird, und dann rufen wir zum Herrn: „Lass kein Unrecht über mich herrschen.“ Dies ist seine tröstliche Antwort: „Die Sünde wird nicht herrschen können über euch.“ Sie mag euch angreifen und sogar verwunden; aber sie soll nie die Herrschaft über euch gewinnen.
Wären wir unter dem Gesetz, so würde unsre Sünde Kraft sammeln und uns unter ihre Macht halten; dann es ist die Strafe der Sünde, dass der Mensch unter die Macht der Sünde kommt. Da wir indes unter dem Gnadenbund sind, so sind wir gegen die Trennung von dem lebendigen Gott gesichert durch die gewisse Erklärung des Bundes. Gnade ist uns verheißen, durch die wir von unsren Irrwegen zurückgebracht, von unsren Unreinheiten gereinigt und befreit werden.
Wir möchten vielleicht in Verzweiflung uns niederlegen und es zufrieden sein, „den Ägyptern zu dienen.“ wenn wir immer noch als Sklaven arbeiteten, um das ewige Leben zu erwerben; aber da wir des Herrn Freie sind, so fassen wir Mut, mit unsrer Verderbtheit und unsren Versuchungen zu kämpfen, versichert, dass die Sünde uns nie wieder unter ihre Gewalt bringen soll. Gott selbst gibt uns den Sieg durch unsren Herrn Jesum Christum, dem Ehre sei von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. (Charles Haddon Spurgeon)
Die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.
Um so vielmehr zu ermuntern, jegliche Last von sich zu werfen, und zu singen: „Die Sünde darf nicht mehr mich durchs Gesetz verdammen, denn alle Zornesflammen hat Jesus ausgelöscht sagt der Apostel lieber, „Ihr“ als wir sind nicht mehr unter dem Gesetz, damit Niemand auf die Beschaffenheit der Person sehe, und ihrerseits eine gewisse Würdigkeit mit in Anschlag bringe, die er bei sich nicht findet, und darum sich die Freude rauben lässt, zu rühmen: Ich bin nicht unter dem Gesetz. Jedoch ohne den Heiligen Geist ist das unmöglich; er muss uns Christum verklären. Er tut das in einer gewissen Ordnung. Der Mensch wird aus seinem Sicherheitsschlaf geweckt; er kommt in Jammer und Not seiner Sünden halber; er wird mit herrlichen Einsichten gesegnet; er befindet sich in der Nähe Kanaans will gerne heimfahren. Aber nun kommt er wohl unter das Gesetz, wo er weder rück- noch vorwärts mehr weiß. Es geht ihm nach der Weise Pauli: „Ich aber starb;“ jedoch so, dass es dann weiter heißt: „Ich bin durchs Gesetz dem Gesetze gestorben.“ „Ich lebe, aber doch nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ Wohlan aber, werdet nur in euern eigenen Augen recht zu Sündern; dann wird Jesus auch erweisen, dass es je gewiss wahr ist, dass er in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen. Amen! (Gottfried Daniel Krummacher)
„Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch.“
Deinem heiligen Auge o Gott, ist Sünde und Ungerechtigkeit ein Gräuel. Der Böse kann nicht bleiben vor Dir und die Gottlosen können nicht in Deiner Gegenwart stehen; denn Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt. Wer böse ist, der bleibt nicht vor Dir. Du hast es feierlich erklärt: „Du kannst in keinerlei Weise tilgen deine Schuld!“ Herr, ich freue mich, dass ich mich Dir im Namen dessen nahen darf, durch den wahrhaftig alle meine Schuld getilgt ist und durch den das Unmögliche möglich geworden, dass ein heiliger und gerechter und Sünde hassender Gott so gerecht und getreu sein kann, dass er den Gottlosen rechtfertigt aus Gnaden.
Ich begehre dankbar anzubeten vor Dir, für all die Güter und Gaben Deiner Schöpfung und Vorsehung. Du hast mich mit Deinen Wohltaten überhäuft. Meine Vergangenheit ist eine Kette von Erweisungen Deiner Liebe. Beim Rückblick auf mein Leben finde ich nichts als eine Fülle unverdienter Güte, „Gnade um Gnade.“ Unter dem mannigfachsten Wechsel hienieden ist doch keine Veränderung bei Dir gewesen, kein Wechsel des Lichts und der Finsternis, kein Abwenden des Auges, kein Ermüden in der Geduld, kein Entfremdetwerden durch meine Entfremdung. Bei allen Wandlungen meines zum Fallen und Irren so geneigten Geistes, kann ich doch über das Denkmal meiner Vergangenheit die Inschrift setzen: Aber Du bleibst, wie Du bist.
Mit demütiger Rene beklage ich meine Undankbarkeit und Sünde, die verzweifelte Verdorbenheit und Treulosigkeit meines Herzens, die Herrschaft der Selbstsucht in mir und die Entfremdung meiner Gefühle und Empfindungen von Dir ihrem rechtmäßigen Herrn und Herrscher. - Wie oft bin ich in der Stunde der Versuchung, eine leichte Beute, der Sünde zum Opfer gefallen! - wie oft habe ich in Gedanken, Worten und Werken Deinen heiligen Namen entheiligt und deine treue Liebe mit schändlichem Undank vergolten. Vater, ich habe gesündigt in den Himmel und vor Dir, ich bin hinfort nicht wert, dass ich Dein Sohn heiße.
Gib mir wahre Reue und Buße über das Vergangene, flöße mir für die Zukunft neue Vorsätze des Gehorsams ein. Ohne Deine Gnade und Versöhnung kann ich nicht im Frieden leben, noch im Frieden sterben. Mein Schreien soll sein: Mehr Gnade! mehr Gnade! Lass mich jeden Tag neue Siege über die Sünde gewinnen, und meine Seele täglich neu erfüllt werden von himmlischen Gedanken und Entschließungen. Lass mich erfahren die alles Andere verscheuchende Kraft Deiner immer neu in mich hinein sich ergießenden Liebe. Entthrone in mir die Welt. Unterjoche die Feinde. Gib mir größere Gewissenszartheit, sorgfältigere Achtsamkeit auf mich selbst beim Nahen der Versuchung und lehre mich den Versuchungskünsten des Versuchers stets mit der Antwort entgegenzutreten: „Wie sollte ich ein so großes Übel tun und wider den Herrn, meinen Gott, sündigen!“ Lass mich lieber alles willig darangeben, als verlassen Deine Wege. Lass mich alle meine Pflichten und Werke heiligen durch deine Gnade und mit Hoffnungsblicken auf die Zeit hinausschauen, wo mein Wille mit dem Deinigen, Du heiliger Gott, völlig eins und keine Sünde im Stande sein wird, die Gemeinschaft mit Dir zu trüben und mir Deine Liebe zu entziehen.
Segne alle meine teuren Freunde. Möge der Segen des Gottes Jakobs, des Vaters alles dessen, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden, auf ihnen ruhen! Erfülle ihre Seelen mit Friede und Freude im Glauben. Lass sie und mich mit Freude unverwandt schauen auf jenen wolkenlosen Morgen, der keinen Wechsel mehr kennt, wo der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, weil das alte Wesen der Sünde völlig vergangen ist. Das Alles bitte ich um Jesu willen. Amen. (John Ross MacDuff)