Römer 3,22
Andachten
„Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesum Christum, zu allen und auf alle, die da glauben.“
Allmächtiger Gott, Vater aller Gnaden, ich begehre, mich Deinem heiligen Angesicht zu nahen an dem Abend dieses neuverlebten Tages mit dem tiefen Gefühl meiner großen Unwürdigkeit. Was bin ich, dass ich schuldbeladener, sündhafter und befleckter Mensch Deinen Namen auf meine Lippen nehmen oder nur meine Augen aufheben darf zu der Stätte, wo Du thronst in Herrlichkeit und Heiligkeit.
Ich entsage aller Selbstgerechtigkeit. Ich komme beladen mit der Bürde meiner großen Schuld zu einem erbarmungsvollen Heiland. Ich begehre die Ungerechtigkeit eines unwürdigen Geschöpfes zu werfen auf die unendliche Gerechtigkeit und ewige Wahrheit eines treuen Erlösers. Wohin soll ich mich flüchten in dieser Nacht, Du heiliger Heiland, wenn nicht zu Dir. Alles, was ich bin und was ich habe, verdanke ich Deiner freien, unverdienten Gnade. Alle die zeitlichen Güter, die mir zu Teil geworden, sind wie ein Strom aus Deinem Kreuze entsprungen und tragen das Bild und die Inschrift Deiner Liebe an sich. Und für alle geistlichen Segnungen, die ich empfangen, und für alle meine ewigen Hoffnungen, die mich beglücken, bete ich Dich an im Staube, Du großer Anfänger und Vollender meines Glaubens. Wo habe ich Einen, wie Du bist, im Himmel und auf Erden! denn außer Dir ist nichts, was mein Herz begehrt. Du allein kannst die öde Leere meines Herzens ausfüllen. Vergebens erwarte ich wahren Frieden und bleibende Freude von einer vergänglichen Welt oder von der sterblichen Kreatur. Alle meine Lebensquellen sind in Dir, wenn ich nur Dich habe als mein Erbe und Teil, so frag' ich nichts nach Himmel und Erde.
Beuge mich diesen Abend tief in den Staub vor Deiner heiligen Majestät, decke vor mir auf das Elend meines Geistes und die Größe meiner Sünden, auf dass ich mich freuen möge in der Fülle und dem Reichtum der vollendeten Gerechtigkeit, welche allen denen, die da glauben, erworben ist. In dieser Gerechtigkeit will ich leben, in dieser Gerechtigkeit will ich sterben. Diese Gerechtigkeit ist allein die Scheidewand zwischen mir und dem ewigen Verderben. Wenn Du nicht wärest, Du mächtiger Engel des Bundes, welcher für mich in den Riss getreten ist, Gottes Feuereifer müsste mich verzehren und mein Blut mit diesem meinem Abend-Opfer vermischen!
Aber ich will frohlocken in dem Herrn, meine Seele soll sich freuen in meinem Gott; denn Er hat mich angezogen mit den Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit mich bekleidet. Ich erwähle Dich, o mein Heiland, Du sollst mein sein ausschließlich und völlig, mein für alle meine Mängel und alle meine Nöte. Ich freue mich des unerschöpflichen Reichtums, der in Dir verborgen liegt, ich freue mich, dass Deine Fülle meine Armut und Dürftigkeit reichlich ersehen und dass ich aus dieser Fülle fort und fort nehmen kann Gnade um Gnade und Kraft um Kraft.
Herr, schaue in Gnaden hernieder auf die, welche ich lieb habe. Erbarme Dich über dieser vergänglichen Welt. Halte auf die sorglos Sicheren, die dem Abgrunde des Verderbens taumelnd entgegenschwanken, rufe zurück die Verirrten, stärke die Schwachen. Lass das Reich Deines Sohnes bald kommen. lange soll der Gottlose frohlocken? Errette Dein Volk, segne Dein Erbe, sättige es mit Deiner Gnade und richte es auf für immer.
Birg mich diese Nacht unter dem Schatten Deiner Flügel. Lass mich tief im Frieden entschlafen mit Dir, bereit, wenn es Dein Wille ist, in der Herrlichkeit zu erwachen.
Erhöre mich um Jesu willen. Amen. (John Ross MacDuff)