Römer 2,12
Andachten
**Welche ohne Gesetz gesündigt haben, die werden auch ohne Gesetz verloren werden; und welche am Gesetz gesündigt haben, die werden durch das Gesetz verurteilt werden. Sintemal vor GOtt, nicht die das Gesetz hören, gerecht sind; sondern die das Gesetz tun, werden gerecht sein. Denn so die Heiden, die das Gesetz nicht haben, und doch von Natur tun des Gesetzes Werk, dieselbigen, dieweil sie das Gesetz nicht haben, sind sie ihnen selbst ein Gesetz; damit, dass sie beweisen, des Gesetzes Werk sei beschrieben in ihrem Herzen, sintemal ihr Gewissen sie bezeuget, dazu auch die Gedanken, die sich unter einander verklagen oder entschuldigen, auf den Tag, da GOtt das Verborgene der Menschen durch JEsum Christ richten wird, laut meines Evangelii. Siehe aber zu, du heißest ein Jude, und verlässt dich auf das Gesetz, und rühmst dich GOttes, und weißt Seinen Willen; und weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, prüfst du, was das Beste zu tun sei; und vermisst dich, zu sein ein Leiter der Blinden, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Züchtiger der Törichten, ein Lehrer der Einfältigen, hast die Form, was zu wissen und recht ist im Gesetz. Nun lehrst du Andere und lehrst dich selbst nicht. Du predigst, man solle nicht stehlen, und du stiehlst. Du sprichst, man solle nicht ehebrechen, und du brichst die Ehe. Dir graut vor den Götzen, und raubst GOtt, was Sein ist. Du rühmst dich des Gesetzes, und schändest GOtt durch Übertretung des Gesetzes. Denn „eurethalben wird GOttes Name gelästert unter den Heiden,“ als geschrieben steht.
Durch unsern ganzen Text geht die Rede: du kannst dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, denn vor Gott ist Jeder schuldig. Die Heiden haben kein geschriebenes Gesetz, aber sie haben ein Gesetz in ihrem Gewissen. Sie wissen recht gut, was recht und billig ist, so sie es nur tun wollen; aber sie ersticken die Stimme des Gewissens in ihrer Brust und tun, was ihrer Lust behagt. So geht es auch den modernen Heiden, die von Bibel und Christentum Nichts wissen wollen. Das Gewissen in ihrer Brust sagt es ihnen, dass sie Unrecht haben, wenn sie sich der Lust der Welt ergeben, wenn sie GOttes Wort verschmähen, wenn sie sich des Betens schämen, wenn sie die Werke der Liebe unterlassen. Aber sie betäuben ihr Gewissen, um der Welt dienen zu können, und es geht ihnen wie dem Pharao, der sich immer wieder verhärtete, bis er endlich in dem Wasser des roten Meeres zu Grunde ging.
Schläfere nicht dein Gewissen ein, o Christ, denn es wird erwachen, wenn es zu spät ist, seiner Stimme zu folgen. Es kommt ein Tag, da Christus alles Verborgene aus Licht zieht; da wird man sehen, wie oft du Sein Gesetz übertreten, wie oft du dein Gewissen betäubt hast.
Es gibt aber auch viele Christen, welche wohl wissen, was sie als Christen zu tun haben; aber sie leben nicht nach ihrem Wissen, und was hilft es, wenn Jemand weiß, was recht ist, es vielleicht auch Andern sagt, aber selber tut, was unrecht ist. Das Wissen hilft nicht zum Bestehen im Gericht; Christus fragt nicht am Jüngsten Tage, was hast du gewusst, sondern was hast du getan? Wenn einer auch jeden Sonntag zur Kirche ginge und jeden Tag in der Bibel läse, wenn Einer auch noch so große Opfer für den Bau des Reiches GOttes brächte und sein Herz im Missionseifer erglühen ließe, so er selber GOttes Gebote überträte, so würde er doch nicht selig, denn für den Christen ist es doppelt schimpflich, doppelt schändlich, wenn er das Gebot GOttes übertritt, da er doch weiß, wie jede Übertretung des Gebots eine Beleidigung seines HEilandes ist. Der Jüngste Tag wird es ja offenbar machen, wie viele Weltkinder fern gehalten sind vom Reiche GOttes, nur weil die Christen, deren Lebenswandel sie sahen, in ihnen die Überzeugung erweckten, dass alles Christentum Heuchelei sei.
So lasst uns denn mit allem Ernst danach trachten, dass unser Wandel mit unserem Wissen übereinstimme. Wie wir lehren, so müssen wir auch leben. Ich bezahle doch nicht den Schneider dafür, dass er weiß, wie ein Nock gemacht wird, und nicht den Tagelöhner dafür, dass er weiß, wie eine Koppel umgepflügt wird, sondern nur dann trägt ein Arbeiter den Lohn davon, wenn er auch nach seinen Kenntnissen handelt.
So richtet denn nun der Apostel Paulus an dich die Frage: Lebst du, wie es dein Gewissen dir gebietet? Lebst du, wie das Wort Gottes es verlangt? Lebst du also, dass GOtt dir gnädig sein kann? Wenn Gewissen und Gesetz dir sagen, du weißt wohl, was GOtt will, aber du tust nicht danach, dann bedenke: GOtt will das Verborgene an das Licht ziehen. So tue denn Buße und bekehre dich von ganzem Herzen, so wirst du Frieden finden für deine Seele. Amen. (Johannes Paulsen)