Römer 15,8
Andachten
Ich sage aber, dass Jesus Christus sei ein Diener der Beschneidung gewesen, um der Wahrheit willen Gottes, zu bestätigen die Verheißung, den Vätern geschehen, dass die Heiden aber Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden, und deinem Namen lobsingen.
Mit diesen Worten der Epistel fasst der Apostel noch einmal die Weissagungen zusammen, welche wir aus dem Alten Testamente gehört haben, von dem Heiland, der wieder nahe ist in dieser heiligen Zeit. Im Paradiese hatte Gott den Erlöser von der Sünde und allem Übel ganz allgemein bezeichnet als einen, der von einem Weibe sollte geboren werden. Dann erwählte Gott Abraham, und verhieß, dass aus seinen Nachkommen der Heiland kommen sollte. Danach wurde unter dem Volke Israel, das von Abraham stammte, der Stamm Juda bezeichnet, und endlich im Stamme Juda das Haus Davids oder seines Vaters Isai. So musste Jesus Christus „ein Diener sein der Beschneidung.“ Das will sagen, er musste in dem Volke Israel, als dem Volke der Beschneidung, geboren werden, und zwar aus dem königlichen Hause Davids, „zu bestätigen die Verheißung den Vätern geschehen“. Aber nicht bloß dem Volke Israel sollte er Erlösung, Heil und Seligkeit bringen. Auch die Heiden und alle Völker sollten teilhaben an dem Heil, wie Gott schon Abraham zugesagt; aber nicht weil Gott den andern Völkern eine Verheißung gegeben hätte, wie dem Volke Israel, sondern „um der Barmherzigkeit willen“. Davon spricht schon Christus im Psalm (Psalm 18, 50): „Ich will dich loben unter den Heiden und deinem Namen lobsingen“. Und abermals heißt es (5. Mose 32, 43): „Freut euch, ihr Heiden, mit seinem Volk“. So ist das Heil auch zu uns gekommen, deren Vorfahren Heiden gewesen sind, damit alle, die aus dem Volke der Beschneidung und die aus den Heidenvölkern, „einmütig und mit einem Munde loben Gott und den Vater unsers Herrn Jesu Christi“.
Lasst uns beten: Wir freuen uns von Herzen, Herr Jesu, mit allen Gläubigen, dass Du, den der Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes mannigfach im Alten Testament den Vätern verheißen, in der Fülle der Zeiten Fleisch und Blut angenommen hast, und bist zu uns gekommen, damit Du unser Heiland würdest und ein Erlöser von der Sünde und vom Fluch des Todes. Öffne Du unsere Augen, auf dass wir immer mehr erkennen Dich und Deine ewige Liebe, mit der Du Dich unseres Elends so freundlich angenommen hast. Lass Dein Wort schnelle laufen zu allen Völkern und allen Heiden, bis alle mit einem Munde mit uns Dich preisen, der Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebest und regierst in Ewigkeit. Amen. (Alfred Meyer)
Ich sage aber, dass JEsus Christus sei ein Diener gewesen der Beschneidung, um der Wahrheit willen GOttes, zu bestätigen die Verheißung den Vätern geschehen. Dass die Heiden aber GOtt loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen. Und abermals spricht er: Freuet euch ihr Heiden mit seinem Volk. Und abermals: Lobt den HErrn, alle Heiden, und preist ihn, alle Völker. Und abermals spricht Jesaias: Es wird sein die Wurzel Jesse, und der auferstehen wird, zu herrschen über die Heiden, auf den werden die Heiden hoffen. GOtt aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Friede im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habet, durch die Kraft des heil. Geistes.
Da nun St. Paulus davon geredet, dass ein Jeder sich des andern solle annehmen nach dem Beispiel Christi, und keinen Unterschied sein lässt im Volk, weder unter Heiligen noch Sündern, weder unter Starken noch Schwachen, unter Reichen noch Armen, weil sie alle einerlei Güter in Christo haben, der ein Herz, Sinn und Mut macht: so gründet er auch solches mit starken Sprüchen der Schrift, und hebt also durch die Schrift alle Ursachen der Uneinigkeit auf. Dieweil denn die Schrift Christum gemein macht, und beide Juden und Heiden unter ihm versammelt, und außer Christo niemand etwas hat, und in Christo jedermann alle Dinge hat, warum wollt ihr denn zanken, urteilen und euch spalten, und nicht vielmehr freundlich unter einander annehmen, wie euch Christus hat angenommen? Wie nun Christus allen gemein worden ist, den Juden und Heiden, also sollen auch sie wieder unter einander gemein werden, ein jeglicher sich des andern annehmen.
Darauf fängt er an zu erzählen, etliche Sprüche der Schrift, darinnen von den Heiden verkündigt ist, dass sie würden GOtt preisen um seiner Barmherzigkeit willen. Sollte nun diese Schrift wahr werden, so musste Christus auch unter den Heiden sein, nicht leiblich, sondern geistlich; sie mussten an ihn glauben und ihn haben, welches ist: die Barmherzigkeit GOttes haben. Nun ist Lob nichts anders denn Erkenntnis der empfangenen Güter, darum das apostolische Wort Confiteor, ich will dir bekennen, das ist danken, loben und sagen, dass ich solches alles von dir habe. Auch der 117. Psalm redet von dem rechten GOttesdienst. Darum weissagt er auch, dass die Heiden Gottes Volk sein sollten, denn niemand GOtt dient, lobt und ehrt, denn allein sein Volk. Und wenn Jesaias sagt: die Heiden werden auf ihn hoffen, so ist das nichts anders, denn dass die Heiden werden nach ihm fragen, werden auf ihn sehen, allein an ihm hangen, allen Trost und Hoffnung in ihn sehen, werden nichts begehren, denn nur ihn. Nun beschließt er die Epistel mit einem schönen Gebet, wünschet ihnen volle Freude und Friede und spricht: GOtt der Hoffnung, das ist, der sie allein gibt durch Christum. Wie geht aber das zu? Wenn wir GOttes Willen erkennen, in dem dass er hat Christum dargegeben, unsere Sünde zu tragen. Se tiefer nun solcher Wille erkannt wird, je stärker wird der Glaube, die Hoffnung, die Liebe. Darum muss man immer davon predigen, hören und denken, denn es geht durch kein ander Mittel, denn allein durchs Evangelium. (Martin Luther)