Römer 15,2
Andachten
Es stelle sich aber ein jeglicher unter uns also, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten, zur Besserung.
Es ist nicht genug, des Nächsten Schwachheit zu tragen und keinen Gefallen an sich selber zu haben, sondern die Liebe sucht auch dem Nächsten zu gefallen zum Guten, zur Besserung. Das ist nicht Menschengefälligkeit und Heuchelei, sondern das ist wahre Liebe, denn was kann man dem Nächsten Lieberes tun, als ihm zur Besserung zu helfen! Die Liebe wird seine Schwachheiten darum nicht verdecken, seine Gelüste nicht billigen, ihn auch auf seinen verkehrten Wegen nicht weiter ziehen lassen. Aber sie wird auch nicht mit hastigen Reden herausfahren und wird den Nächsten nicht erniedrigen. Sie wird es ertragen können, wenn ihr Zuspruch nicht gleich ein williges Gehör findet, und auch, wenn sie selbst verkannt wird, denn der Baum fällt nicht auf einen Streich. Noch viel mehr als im Tragen der Schwachen ist hier das Feld, die Stärke zu beweisen, denn es gehört göttliche Kraft dazu, nicht zu ermüden, wenn dieselben Anstöße immer wieder kehren, und hier wird es sich zeigen, ob wir wirklich die Adventsgestalt an uns tragen; denn es kann niemand der Zukunft des HErrn warten, der nicht Sein Kommen in der Gegenwart an sich erfahren hat. Ist Er aber bei uns eingezogen, so muss Er auch wieder aus uns herausleuchten, dass ein Geist der Liebe, der Kraft und der Zucht von uns ausgeht, der dem Nächsten gefalle zur Besserung. Ob es gelingt, das ist nicht unsere Sache, aber dass es geschieht, das ist unser Beruf und die ernste Forderung, die wir an uns selbst zu stellen haben. Ihr seid das Salz der Erde, spricht der HErr zu allen Seinen Jüngern.
Lieber HErr JEsu, ich danke Dir von Herzen für Deine große Gnade, dass Du Dich meiner angenommen und mich zu Deinem Eigentum gemacht hast, so dass ich nun mich Deiner freuen und Deiner herrlichen Zukunft warten kann. Erfülle mich mit Deinem Geiste, der allezeit sanftmütig und demütig ist, und lass mein Leben davon Zeugnis geben, dass ich wirklich der Deine bin; ich will mich üben, immer mehr mich selbst zu erniedrigen; stärke Du nur meinen Willen und gib mir das Vollbringen dazu. Amen. (Hermann Haccius)