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Römer 12,2

Römer 12,2

Andachten

“Stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Verneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswillen
Da wird unsern lieben Abreisenden doch noch etwas Ernsteres nachgerufen. Wollen sie jetzt wieder in die Welt hinein, und nach dem Lauf dieser Welt sich stellen? Das doch wohl nicht, wenn sie die Heiligen Gottes bleiben wollen. Setzten sie sich doch damit gleich wieder weit vom lieben Gott, so dass Sein Schutz sie, so zu sagen, nicht mehr erreichen könnte. Wer als ein Heiliger vom HErrn bewahrt sein will, - das versteht sich von selbst, - darf dieser Welt sich nicht mehr gleich stellen; und es darf bei ihm nicht mehr nach dem alten Wesen gehen, wie es der natürliche Mensch nach der in ihm wohnenden Sünde gewohnt ist. Vielmehr werden die Heiligen, die unter den Schutz Gottes sich stellen, immer und überall sich prüfen, wie weit in all ihrem Tun der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Wille Gottes mitlaufe. Wenn sie merken, dass es irgendwo fehlt, so machen sie's anders. Sie erneuern immer wieder ihren Sinn dem Willen Gottes nach, prüfen auch allezeit, mit was sie's gut, Gott wohlgefällig und ganz recht machten, und werden so erst die rechten Heiligen Gottes. Je weiter es darin Einer bringt, desto herrlicher wird auch die Bewahrung sein, die er von dem HErrn erfahren darf.

Sind wir in dem, was zur Erneuerung gehört, treu, so werden wir auch leicht über den Kleinmut und die Verzagtheit hinüberkommen, wie es uns oft befallen will, wenn das Gedränge groß wird. Treue erhält den Mut auch bei Schwachheiten, und lässt uns immer wieder mit Vertrauen seufzen: „HErr hilf mir!“ Solche Seufzer aber hört der HErr. Der bewahre unsere Seelen auch in dem, dass wir im Vertrauen nicht matt werden, in der Erneuerung unseres Sinnes nicht nachlassen, dem Treiben der Welt nicht zu nahe kommen, damit Ihm nie Ursache gegeben werde, uns Seinen helfenden Schirm und Schutz zu entziehen! Er gedenke derer, die jetzt abreisen, und gedenke derer, die bleiben, und wolle Seine Liebeshand nach allen ausstrecken und alles in allem zum Guten lenken nach Seiner Barmherzigkeit! (Christoph Blumhardt)


“Stellet euch nicht dieser Welt gleich“
Diese Welt! Wie hatte Paulus sie kennengelernt, als die Macht der Mode, als den Glanz des Diesseits, als die Lust des Augenblicks, aber vor allem in dem heißen Hass gegen Christum und seine Apostel und die Predigt vom Kreuz! Wie konnte es da überhaupt eine Möglichkeit für wirkliche Christen geben, diese Weltart anzunehmen? Die Gefahr bestand darin, dass die Welt gleichsam eine Schablone für den Einzelfall erfunden hatte und versprach, die Christen in Ruhe zu lassen, wenn sie sich mit dieser Schablone zeichnen ließen. Gebot nicht die Klugheit, dieses äußere Schema anzunehmen? Nein, die äußere Zustimmung zu der Weltschablone ist schon Abfall. Viele Christen behalten leider, um mit der Welt Frieden zu halten, der Welt Form bei und tun so, als wäre wirklich Religion „Privatsache“. Feigheit schafft Gefügigkeit gegen die Weltschablone, und daraus entsteht ein falsches Christentum, das sich nach der Mode richten muss, bis es seine Gotteskraft ganz verliert und vom Herrn verworfen und von der Welt verachtet wird. Darum, mein Herz, sei auf der Hut, dass du deine Selbständigkeit dieser Welt gegenüber und deine Gebundenheit an Jesum nicht preisgibst! Lieber Hass und Feindschaft, als Schablone dieser Welt!

Herr Jesu, ich spüre die Gefahr; ich erkenne meine schmiegsame, schwache Art. Bewahre du mich, dass ich im Zusammenhang mit dir bleibe, dass mich weder die gottlose noch die christliche Weltart gefangen nehme. Du bist mein Muster und mein Meister und meine Hilfe. Amen. (Samuel Keller)


Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille.
Die Welt kann ich nicht verändern; erneuern aber kann ich meine Gedanken, und wenn diese neu werden, dann wird auch mein Verhalten neu. Dann gibt es eine Umformung und Neubildung, durch die diejenige Gestalt, die diese Welt mir aufprägt, beseitigt wird. Unser Anteil an unserem Volkstum gibt uns allen eine große Ähnlichkeit und diese Gemeinsamkeit ist eine starke Hilfe dazu, dass wir zusammenleben. Der Klang unserer Sprache färbt sich gleichartig mit der der anderen. Mode, Sitte und Staatsgesetz ordnen unser Verhalten nach derselben Regel, und auch im inwendigen Leben werden wir alle von seelischen Wellen bewegt, die mit großer Macht durch uns alle durchfahren und unser Empfinden, Denken und Wollen gleichartig machen. Warum ist es nun nötig, dass ich mich dieser Gemeinsamkeit entziehe und mich dieser Welt nicht anpasse? Was will ich? Den Willen Gottes will ich tun, und dieses Ziel reißt mich aus der nachgiebigen Abhängigkeit von den anderen heraus. Ich kann nicht mehr fragen: was tut jedermann? was ist Brauch und Gewohnheit? was gefällt und trägt Beifall ein? Die Christenfrage ist: was ist Gottes Wille? und für diese Frage reichen die alten Gedanken, die von jeher in der Menschheit vorhanden waren, nicht aus. Dazu brauche ich einen neuen Verstand. Neu muss er werden auch im Vergleich mit dem, was ich selbst von jeher besaß und schon in der Kindheit lernte, weil es in der Kirche so üblich war. Denn jede neue Lage stellt an mich einen neuen Anspruch, dem ich mit meinen alten Gedanken nicht genugtun kann. Es gilt zu erfassen, wohin mich Gott jetzt führt und was er mir in dieser meiner Lage als meine Pflicht zuteilt. Ist es mir denn möglich, neue Gedanken zu bekommen? Vor seine Mahnung hat Paulus das Wort gesetzt: „Durch Gottes Barmherzigkeit ermahne ich euch.“ Wir starren, wenn wir nach Gottes Willen fragen, nicht in einen leeren, finsteren Raum hinein, sondern erheben unseren Blick zu dem, der das Licht der Welt ist. Er lässt keinen im Dunkeln wandern, der nach seinem Willen fragt.
Du hast, lieber Herr, deinen Jüngern gesagt: macht es wie der Haushalter: er braucht Altes und Neues je nach Bedarf. Dein altes, längst gesagtes Wort leitet mich und dein Geist gibt neue Weisung, wie ich sie für den neuen Tag bedarf. Altes und Neues, beides reicht uns die eine Hand dar, die gebende, die deine. Gib mir Einsicht und Verstand für das, was der neue Tag von mir verlangt. Amen. (Adolf Schlatter)


Stellt euch nicht dieser Welt gleich.
Eine schöne Erklärung dieses Spruchs sind die Worte des seligen Märtyrers Johannes Huß, die in des sel. Riegers alten und neuen böhmischen Brüdern, VII. Stück, § 187., S. 653. ff. angeführt sind. Huß schrieb nämlich in seinem Traktat von dem Gräuel der fleischlichen Priester und Mönche, K. 78.: „Ich habe zu Gott, dem Vater unsers HErrn Jesu Christi, treulich gebetet, meine Bibel habe ich über mich in den Händen gegen Ihn aufgehoben, mit Mund und Herzen habe ich gerufen: o Gott, mein HErr und Meister meines Lebens, verlass mich nicht! Übergib mich nicht in den Sinn und Rat dieser (weltlich gesinnten) Leute; behüte mich, dass ich mich nicht selber klug dünke, noch diesen Leuten heuchle, und in schwere Sünden falle; denn ich sage es frei vor Gott und Seinem Gesalbten, - dass ich von meiner Kindheit an bis auf diesen Tag gleichsam zwischen Tür und Angel gestanden bin, und gezweifelt habe, was ich erwählen solle oder nicht, ob ich begierig und unbescheiden nach Ehren und Pfründen (großen Einkünften) streben solle -, oder ob ich vielmehr außer das Lager hinaus gehen, und die Armut und Schmach Jesu Christi tragen solle? ob ich ein ruhiges und gemächliches Leben mit dem größten Haufen erwählen, oder der lauteren und heiligen evangelischen Wahrheit anhangen solle? ob ich preisen solle, was Alle preisen? raten, was Alle raten? entschuldigen, was Alle entschuldigen? die Schrift glossieren, wie dermalen fast alle große, berühmte, gelehrte, und mit dem Schein der Heiligkeit und Weisheit angezogene Männer sie glossieren? oder ob ich vielmehr jene unfruchtbaren Werke der Finsternis männlich anklagen, bestrafen, und mich einfältiglich an die lautere Wahrheit des göttlichen Wortes halten solle, welches öffentlich den Sitten jetziger Leute widerspricht, und dass sie falsche Christen und Brüder seien, beweiset? – ich bekenne noch einmal, dass ich bisher also auf beiden Seiten gehinkt habe, dass ich in einer Stunde, wenn ich die Artigkeit der Weltliebhaber gesehen, derselben Fleiß und Bemühung gelobt, und mich selber gestraft habe, dass ich ihnen noch nicht nachgefolgt sei. – Es geschah aber, dass ich in einer Stunde wieder verwirrt hinwegging, und bereute, dass ich sie gelobt hätte, wenn ich nämlich sah, wie sie ihre Eitelkeit fortsetzten, und der Tugend und Wahrheit Jesu Christi mit Werken widersprachen, die sie erst mit Worten gelobt hatten.“

In diesem Kampf stand der sel. Johannes Huß, und überwand darin durch die Kraft Jesu Christi unter großen Leiden: wer ist aber, der jetzt die Gleichförmigkeit mit der gegenwärtigen Welt so lauterlich verabscheue und so ernstlich fliehe? Welt ist nicht nur der grobe und ungeschliffene Haufe, welcher sich in schändlichen Lastern herum wälzt, sondern auch die ganze Menge derjenigen, welche gerecht sein wollen ohne Christum, und weise und tugendhaft ohne Seinen Geist, und nach der feinen Weise ihrer Zeit der Augenlust, Fleischeslust, und dem hoffärtigen Leben nachhängen. Kurz zu sagen, Welt sind alle diejenigen, die da halten über dem Nichtigen, und ihre Gnade, das ist die Gnade, welche sie bei Jesu Christo zum Seligwerden finden könnten, verlassen. Jon. 2,9. Dieser Welt soll ich mich nicht gleich stellen, sondern mich verändern und einen neuen der Welt entgegengesetzten Sinn zeigen und behaupten, so lieb mir das Wohlgefallen Gottes ist. (Magnus Friedrich Roos)


„Und stellet euch nicht dieser Welt gleich.“
Wenn es möglich ist, dass ein Christ selig werden kann, obgleich er sich dieser Welt gleichstellt, so ist es jedenfalls so, dass er wie ein Brand aus dem Feuer gerettet wird. Eine solche nackte Errettung ist fast eher zu fürchten, als zu wünschen. Lieber Freund, möchtest du wohl wünschen, aus dieser Welt zu scheiden in der dunkeln Nacht eines verzweiflungsvollen Sterbebettes, um zum Himmel einzugehen als ein schiffbrüchiger Seefahrer, der sich über die Felsen der heimatlichen Küste hinaufrettet? Dann bleibe weltlich; halte dich zu den Mammonsdienern, und weigere dich, mit Christo außer dem Lager zu gehen und seine Schmach zu tragen. Aber du möchtest gern hienieden schon den Himmel haben, und den Himmel droben nicht missen; du möchtest mit allen Heiligen begreifen, welches da ist die Höhe und die Tiefe, die Länge und die Breite der Liebe Christi, die alle Erkenntnis übersteigt; du möchtest einen überschwänglichen Eingang erhalten zu deines Herrn Freude, - dann gehe aus von dieser Welt und sondere dich von ihr aus, und habe nichts gemein mit dem, was unheilig ist. Möchtest du gern völlige Versicherung deines Glaubens erlangen? Du gewinnst sie nicht, solange du der Sündenfreunde Freund bist. Möchtest du mit inbrünstiger Liebe brennen?

Deine Liebe wird von der Schwemme leichtsinniger Gesellschaft ertränkt. Du kannst vielleicht ein Säugling der Gnade sein, aber du kannst nicht zum vollkommenen Mannesalter Christi gelangen, wenn du dich den Sitten und Grundsätzen der Menschen dieser Welt anschmiegst. Es steht einem Erben des Himmels übel an, mit den Erben der Verdammnis auf vertrautem Fuße zu leben. Es geht nicht, dass ein königlicher Kammerherr mit den Feinden seines Fürsten innig befreundet sei. Selbst kleine Gefügigkeiten sind gefährlich. Kleine Dornen machen große Schmerzen, kleine Motten zerstören kostbare Gewänder, und kleine Leichtfertigkeiten und kleine Schelmereien rauben unsrem inwendigen Leben tausend Freuden. O Christ, der du dich von den Sünden zu wenig fern hältst, du weißt nicht, was du durch dein Benehmen verlierst. Es zerschneidet die Sehnen deiner Kraft, und du kannst nur kriechen, wo du solltest nachjagen. Wenn du also ein Christ bist, so beschwöre ich dich um deinetwillen, sei ein ganzer und entschiedener Christ. (Charles Haddon Spurgeon)


Stellt euch nicht dieser Welt gleich.
Wie mancher steht in dem elenden Wahn, er erfülle dies Gebot Gottes, weil er sich zu denen halte, von welchen er glaubt, dass sie wahre Glieder Christi seien, weil er mit dem törichten, unsinnigen Wesen dieser Welt nicht mehr fortlaufe, sondern mitsinge, mitbete. Aber das machts noch nicht. Da könnte er lange dahin oder dorthin laufen und Christum da oder dort suchen. Wenn das sein ganzes Christentum ist, so wirds ihn nichts nügen. Auf die Grundgedanken kommt es an. Seht, in jedem weltlich gesinnten Menschen steht sein Ich oben an; um dieses sein Ich dreht sich ihm Alles herum, es ist gleichsam der Mittelpunkt der ganzen Welt, und daraus entspringt dann die Eigenliebe, der Eigensinn und Anderes mehr. Und dergleichen Dinge können oft solche noch an sich haben und in sich tragen, die schon zu einigem Leben aus Gott gekommen sind. Darüber also untersuche dich, ob du nicht darin auch noch der Welt gleich stehst. Bist du nicht auch noch verliebt in dich selbst? in deine Sachen und Anschläge, und sehr schwer davon abzubringen? Ich will ein Beispiel anführen. Du bist ein Dienstbote, ein Untergebener. Ich weiß, wenn man dient, muss man häufig seinen Willen brechen, es gibt allerhand Übungen, nun sieh zu, wie du darin bestehst? Wie wenn du etwas getan hast nach deiner Art und hast es nach bestem Wissen und Gewissen getan, und es ist denen, welchen du dienst, erst nicht recht, sie setzen dies und das daran aus, sie verwerfen es, was regt sich da in dir? Sieh, was sich da in dir regt, das ist nicht von Gott, sondern von der Welt. Oder du hast eine gläubige Herrschaft, nun bist du nachlässiger als gegen eine rohe, unchristliche Herrschaft, du meinst sogar, du dürfest der Herrschaft den Gehorsam, die Achtung nicht beweisen, weil sie ja mit dir denselben Weg gehen, weil der Herr oder die Frau ein Bruder oder eine Schwester ist, du willst also aus dem Umstand, dass dir der HErr einen christlichen Vorgesetzten geschenkt hat, Vorteil für den alten Menschen ziehen. Sieh, das heißt sich der Welt gleichstellen. 1 Tim. 6, 1. 2. Und wie viel Beispiele könnten noch von Dingen angeführt werden, in denen es Kinder Gottes wohl feiner, aber in Wahrheit nicht anders machen, als die Welt. (Ludwig Hofacker)


Stellt euch nicht dieser Welt gleich.
Es ist eine traurige Wahrheit, dass wir uns so oft, so unzählig oft, dieser Welt gleichstellen. Der Christ ist für die Welt des Himmels bestimmt, dass sich danach die Gestalt der Seele richten solle, und er stellt sich dieser Welt gleich; er ist zum Bilde Gottes geschaffen, zu Weisheit und Heiligkeit und Gerechtigkeit und er sucht nach dieser Welt und ihrem Bilde; er ist für eine Ewigkeitswelt berufen, da er in seligem Anschauen des Herrn ewig fröhlich sei und er lässt sich von dieser Welt das Bild in die Seele prägen. Ach, es ist ein solch trauriger Widerspruch, in dem sich der Christenmensch oft so unglücklich fühlen muss. Und es ist auch eine große Torheit, wenn man sich dieser Welt gleichstellt, in dieser Welt sucht, was die Seele glücklich macht. Schon deshalb ist es eine Torheit, weil die Welt mit all ihrer Lust, mit all ihrem Glanz, mit all ihrer Augenverblendung niemals, auch niemals ein einziges Herz füllen und stillen kann. Ja, sie verspricht's, aber sie lügt. Wenn wir uns müde gearbeitet und gesucht haben, ob die Gestalt dieser Welt uns ganz zufrieden stellen kann, wenn sie unsre Kraft geraubt und unsre Zeit hingenommen hat - was bleibt? Was bleibt dir, armes Herz, als ein leeres, unruhiges, klagendes Leben? Jeder, der es versucht, muss das erfahren. Denn es fehlt der Welt das Eine, was unsre Seele haben muss, sie kann die Vergebung der Schuld nicht schenken, und damit fehlt ihr der Friede. Und ohne Vergebung und ohne Friede ist das Herz elend und verlassen. Und doch wollen wir dieser Welt uns gleichstellen? Tu es nicht!

Neben der Weltgestalt steht vor uns die Gestalt des gekreuzigten Herrn Jesu Christi. Da ist das Bild, das uns nicht belügt und nicht betrügt. Er allein kann das Herz ganz zur Ruhe führen. Ein Herrlichkeitsgruß Jesu Christi ruft uns zu: „Ich, ich tilge deine Übertretung.“ Nimm dieses Bild ins Herz auf, drück es fest in die Seele, denn vor ihm nichts gilt, als sein eigen Bild. Dann wirst du still und froh und wirst immer mehr erneuert nach seinem Ebenbilde. Das ist selige Christenarbeit, die dauert bis zum Tode; dann aber sollen wir ihm auch ähnlich sein in Ewigkeit.

Lasst uns beten: Ach Herr, barmherziger Gott, wir sind nicht wert, dass wir die Augen vor Dir ausschlagen! Du hast uns nach Deinem Bild geschaffen, und wir haben das Bild geschändet und sind der Welt nachgelaufen und tragen ihre Art an uns. So nehmen wir uns selber den Himmel weg und lassen uns um die Ewigkeit betrügen. Und unser Herz kann doch nicht Ruhe finden in den Dingen dieser Welt und klagt nach dem Frieden, der höher ist, als die Welt mit all ihrer buntfarbigen Herrlichkeit. O, bringe selbst den Frieden zu uns, Du hohes, heiliges Marterbild, Herr Jesu Christe! Lass uns Dein Bild von Tag zu Tage tiefer ins Leben dringen. Schenke uns den Segen Deiner Kreuzesgestalt heute und immerdar, bis wir einst nach unserm Sterben erwachen und uns satt sehen dürfen an Deinem Bilde. Amen. (Wilhelm Hunzinger)


Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes.
Im Alten Testamente waren der Priester und das Opfer verschieden, und es kam nicht auf den Priester an, sondern allein auf das Opfer. Des Christen Opfer aber kann nicht von ihm selber geschieden werden, denn er selbst ist beides, der Priester und das Opfer. Und hat der Apostel zuerst von dem Opfer geredet, so spricht er nun von dem priesterlichen Wesen des Christen. Da ist das erste, dass wir uns nicht dieser Welt gleich stellen, sondern wohl zu scheiden wissen, was von Gott und was von der Welt ist, denn ein Christentum, welches der Welt gefällt, hat das Zeugnis von Gott, dass es Ihm missfällt, weil der Welt Freundschaft Gottes Feindschaft ist. Die Welt fragt nicht nach dem, was der Wille Gottes ist, und wenn sie allenfalls einen Gottesdienst in der Kirche noch gestatten will, so ist es ihr doch ärgerlich, wenn jemand sich auch im gewöhnlichen Leben als Christ und Diener Gottes beweisen will. Je mehr Neigung wir also haben, es der Welt in allen Dingen recht zu machen, desto mehr ist unser Sinn noch in der Welt gefangen. Die Frage, wie weit sich ein Christ dem weltlichen Wesen anbequemen und mit der Welt gehen dürfe, lässt sich mit einzelnen Bestimmungen gar nicht beantworten, sie findet aber ihre völlige Erledigung in der folgenden Mahnung des Apostels: verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes. Sollen wir aufhören, der Welt uns gleichzustellen, so müssen wir aufhören, weltlich gesinnt zu sein. Je mehr es uns durch die Kraft und Gnade des Heiligen Geistes gelingt, uns innerlich zu verändern und einen neuen, gottgeneigten Sinn zu haben, einen Sinn, der alle seine Begriffe, Meinungen und Urteile nach Gottes Worte bildet, desto sicherer werden wir durch die Welt gehen und uns von ihr unbefleckt erhalten.

HErr, schaffe in uns ein reines Herz und gib uns einen neuen gewissen Geist, damit wir Dir den rechten, Dir wohlgefälligen Gottesdienst leisten können, denn alle unsere Werke können ja nur dann Dir gefallen, wenn sie aus einem rechtschaffenen Herzen kommen. Wir bekennen, dass es anders mit uns werden muss, wenn wir Dir gefallen sollen, und wir bitten Dich, habe Geduld mit unserer Schwachheit und hilf uns unsern Sinn zu erneuern, dass wir in Wahrheit sagen können: wir haben Christi Sinn. Amen. (Hermann Haccius)


Verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, aus dass ihr prüfen mögt, welches da sei der gute, der wohlgefällige und der vollkommene Gotteswille.
Wer nicht mit einem erneuerten Sinn an die Prüfung des göttlichen Willens geht, der wird zu keiner klaren und sicheren Erkenntnis kommen, denn auch unsere Erkenntnis ist geschwächt und getrübt durch die Sünde und dadurch unfähig geworden, den göttlichen Willen zu verstehen. Was uns an der Erkenntnis des göttlichen Willens noch fehlt, das fehlt uns an dem neuen Sinn; je mehr aber der innere Mensch wahrhaft geändert, gereinigt und geheiligt wird, desto tüchtiger wird auch der Sinn, den Willen Gottes zu erkennen; und wiederum, je treuer wir den erkannten Willen Gottes tun, desto mehr wird auch der Sinn klar und scharf werden, denn die Gewohnheit macht geübte Sinne. Darum müssen wir an all unser Tun den Maßstab des göttlichen Willens legen, und zwar müssen wir den vollkommenen Willen Gottes zu erkennen suchen, denn das Ziel, nach dem wir streben sollen, ist der vollkommene christliche Wandel. Zwar werden wir mit der Prüfung niemals fertig, wir werden niemals soweit gelangen, dass wir den Willen Gottes vollkommen inne haben, denn alles Christentum hienieden ist nicht ein Heiligsein, sondern ein Heiligwerden; aber dem Aufrichtigen lässt der HErr es gelingen, und auch sein Irren und Fehlen ist ihm nicht verderblich, denn er irrt wohl in der Einsicht und fehlt mit dem Verstande, aber sein Wille ist auf den Willen Gottes gerichtet, und Gottes Treue bewahrt ihn.

HErr, Du weißt dass wir ein herzliches Verlangen haben, in Deinen Wegen zu gehen und so zu wandeln, wie Du es Deinen Kindern geboten hast; aber Du weißt auch, wie schwach wir sind, und wie leicht wir uns verführen lassen. Darum bitten wir Dich, Du wollest uns Deinen guten, wohlgefälligen und vollkommenen Gotteswillen immer völliger erkennen lassen, dass wir allezeit wissen, was wir zu tun und zu lassen haben, und gewisse Tritte tun können auf dem Wege des Lebens. Dein Wort sei unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unsern Wegen; denn in Deinem Lichte allein sehen wir das Licht, und wo Dein Wort uns lehrt, da können wir nicht irre gehen. Amen. (Hermann Haccius)


Stellt euch nicht dieser Welt gleich.
So lange ein Christ mit seiner Bekehrung noch nicht vollen Ernst gemacht hat, ist ihm das Auge für sein rechtes Verhältnis zur Welt und sein gottgefälliges Verhalten in der Welt getrübt; er kann sich nicht in die Regel finden: „Der Welt rein ab und Christo ganz an.“ Man will zwar ein Christ sein, man bewegt sich in christlichen Formen und Sitten, steckt aber daneben noch im Wesen der Welt. Man will doch auch die Weltformen, die Weltart in der Gesinnung, im Reden, im Tun und Lassen, in diesen und jenen Vergnügungen, Gesellschaften u. dergl. nicht drangeben, man glaubt, es nicht drangeben zu dürfen, weil man sonst gleich den Verdacht erwecken könnte, dass man ein wahrer Jünger, eine wahre Jüngerin Jesu sei. So steckt man im halben Wesen, man will es mit der Welt und mit seinem Herrn Christus nicht verderben. Aber Halbheit ist überall vom Übel, am meisten im Christenstande. Da dringt uns nun St. Paulus, dass wir die Weltförmigkeit ganz abtun sollen, sowohl in unseren Herzen und Gesinnungen als auch in unserm Wandel. In der Welt haben wir zwar zu leben und kommen mit ihr in tausendfache Berührung durch unseren Beruf, durch Freundschaft und andere Veranlassungen. Aber da gilt's, dass wir nichts von ihr annehmen, dass wir überall entschieden und bestimmt unsere innere und äußere Christenart bewahren und damit nicht hinterm Berge halten. Christen müssen mit einem so reinen Herzen durch die Welt gehen, dass sie nicht davon befleckt werden. Es ist schwer, sich von der Welt unbefleckt erhalten. Da heißt's: wachen, beten, vorsichtig wandeln, dass man nicht verlockt und verleitet werde. Denn halten wir's mit der Welt, so fallen wir von Gott ab. Diese Welt vergeht, und wer es mit ihr hält, vergeht auch. Wer aber den Willen Gottes tut ganz und unverkürzt, der bleibt in Ewigkeit. (unbekannt)


Verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes.
Zur Arbeit an uns selbst ruft uns St. Paulus auf. Denn ein müßiges, träges Christentum, bei welchem man die Hände in den Schoß legt, ist keinen Deut wert. Verändert euch, lautet seine Aufforderung. Es gibt an uns und in uns so viel, was anders werden muss, es steckt noch so viel Sauerteig des alten natürlichen und sündlichen Wesens in uns, der ausgefegt werden muss, bis es dahin kommt, dass es heißt: „Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden“. Wir werden damit nicht fertig. Denn das alte Wesen sitzt tief in uns fest, und je länger man diese Veränderungsarbeit an sich treibt und je gewissenhafter man darin ist, um so scharfsichtiger wird man, und umso mehr dessen, was geändert werden muss im äußeren und inneren Leben gewahrt man. Es hat uns nun freilich Christus in der heiligen Taufe eine neue Gestalt geschenkt. Wenn Christus durch den Glauben mit uns vereinigt ist, so leuchtet Gottes Bild in uns und aus uns, und wir sind neu. Aber die alte Natur ist durch die Taufe nicht ganz zerstört. Darum muss sich ein Christ immerdar verändern, dass er von Tag zu Tag immer mehr aufhöre zu sein, was er von Natur ist, und anfange zu sein, was er nach der Gnade noch nicht ist. Ein Christ ändert und bessert sich täglich. Der Anfang solcher Veränderung geschieht im Sinne, d. h. im innersten Grunde des Herzens. In der Tiefe ist der Quell zu suchen, aus welchem der befruchtende Strom sich ergießt, und der Quell muss ihn speisen und verjüngen. So ist's mit dem Christen auch. Der Sinn muss erneuert werden, wenn die Veränderung sichtbar sein und Fortgang haben soll. Gott der Herr aber will uns selbst einen neuen Sinn, einen neuen Geist und ein neues Herz geben. Das ist die Erneuerung, auf welche es Gottes Heiliger Geist in uns abgesehen hat. Aber Gottes Geist findest du nicht da und dort. Gott gibt ihn durchs Wort und die Predigt, durch die heiligen Sakramente und auf unser Gebet. Wo man diese Mittel verachtet, da kann's nimmermehr zur Erneuerung des Sinnes und zur Veränderung kommen. So lass dir geben, was Gott fordert, dass du ihm wiederum geben könnest, was er von dir will. (unbekannt)

Predigten

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