Römer 10,4
Andachten
Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.
Unzählige Menschen verstehen noch heute, da doch Christus bereits gekommen ist, das Gesetz auf die Weise, dass sie meinen, Gott habe es dazu gegeben, dass man dessen Werke tue, dadurch vor Gott gerecht werde und lebe. Aber diese Meinung erzeugt nur entweder harte, stolze Selbstgerechte, oder ängstliche, unruhige Gewissen. Und das kommt daher, dass Christus eben für sie noch nicht da ist; wiewohl sie seinen Namen gehört haben, so kennen sie Ihn doch nicht, denn in ihrer eingebildeten Gerechtigkeit sind die Einen stolz bei dem armen Nazarener vorübergegangen und haben gemeint, dass sie dessen nicht bedürfen, sie wollten bei ihrer Tugendhaftigkeit wohl ohne Ihn auskommen, und haben Ihn also nicht beachtet. Und die andern wagen es nicht bei der Menge ihrer Sünden zu dem großen Gottessohn zu kommen, sie fühlen ihre Verwerflichkeit und meinen, sie müssten sich erst bessern, müssten wenigstens erst ein Stückchen gerechten Lebens aufzuweisen haben, ehe sie Ihm nahen dürfen. Jenen ist er zu gering, und diesen zu groß, beide sind ferne von Ihm und deshalb meinen sie, das Gesetz sei ihr Heiland und durch seine Werke müssten sie sich helfen. Aber wenn nun Christus zu ihnen kommt, und wird ihnen aus dem Evangelio zu mächtig und wirst sich ihnen gleichsam wie ein großer Stein in den Weg, dass sie nicht mehr um Ihn herum können und bricht die stolzen Herzen durch seine Gnade und Wahrheit und gewinnt die blöden Herzen durch seine Sanftmut und Demut, dann geht ihnen das Licht auf, dass das Gesetz ganz andere Leute fordert als sie waren, dass das Gesetz einen Menschen fordert wie Christus war, und dass sie aus eignen Kräften nimmer dahin hätten kommen können. Und wenn nun ihr Glaube Christum ergreift, wenn sie Ihn als ihren Heiland erkennen und ins Herz fassen, als der ihre Ungerechtigkeiten gebüßt und ihre Missetaten gesühnt hat, wenn Er ihnen Gottes Lamm wird, das der Welt Sünden trägt, nun wirkt der Glaube und die Liebe zu ihrem Heilande Werke, die ihnen vorher unmöglich waren, und ist nun nicht mehr eine saure, mühsame Arbeit für sie, dass sie sich in die Schranken des Gesetzes zwingen müssen, ohne Friede, ohne Freude, voller Trotz und voller Verzagtheit, sondern es geht ihnen nun leicht, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden, und trachten nun nicht mehr danach, wie sie des Gesetzes Spitzen abbrechen und stumpf machen, dass es sie nicht steche, und wie sie seine Strenge mildern, dass es sie nicht verdamme, sondern sie haben ihre Lust an seiner Heiligkeit, es schmeckt ihnen wohl, dass es so hoch und tief, so recht und gut ist und sie lieben und loben es darum, dass es so viel und große Dinge fordert. Das macht, ein solches Herz hat nun das Alles in Christo, das vom Gesetz gefordert wird, und es wäre ihm auf das höchste Leid, wenn das Gesetz weniger forderte. Siehe, so ist nun das Gesetz lieb und leicht, das doch zuvor hart, schwer, ja unmöglich war. So bist du nun gerecht, wenn du an Christum glaubst, denn du glaubst es nun, dass Christus für dich das Gesetz erfüllt und die Strafe für deine Übertretungen getragen habe. Und so ist Christus des Gesetzes Ende. Denn in Ihm ist der Mann erschienen, welchen das Gesetz meinte, Er ist der Gerechte, auf welchen es eine Weissagung war, die erst in Ihm ihre Erfüllung fand, in Ihm hört das Gesetz auf, dir ein Fluch, eine äußerliche Satzung, ein Zwang zu sein und wird dir durch den Glauben mit lebendigen Buchstaben ins Herz hineingeschrieben, dass du ein solcher Mensch wirst, welcher in Gottes Geboten wandelt, und seine Rechte hält und danach tut. (Anton Camillo Bertoldy)
Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.
Lest die zehn Gebote und zittert! Wer kann sein Inneres neben die zwei Tafeln mit den göttlichen Geboten halten, ohne sich zu überzeugen, dass er das Ideal nicht erreicht hat? Wenn das Gesetz der Seele wirklich nahe kommt, so ist es wie ein Licht in einem dunklen Raum, das den vorher nicht bemerkten Staub und Schmutz zeigt. Es ist der Prüfstein, der das Sündengift in der Seele offenbart. Unsre Schönheit verschwindet ganz, wenn das Gesetz darüber hinweht. Betrachte die Gebote und sich, wie umfassend, wie geistlich, wie tiefgreifend sie sind. Sie gelten nicht nur der äußerlichen Handlung, sondern sie sind auch das Gesetz für die innersten Triebe; sie haben es mit dem Herzen, dem Geist und der Seele zu tun. Blicke hinab in die Tiefen der göttlichen Gebote und sieh, welch vollkommene Heiligung sie verlangen. In dem Maß, als du verstehst, was das Gesetz fordert, merkst du auch, wie weit du von der vollkommenen Erfüllung entfernt bist und dass die Sünde wuchert an Orten, wo du glaubtest, es sei keine oder nur wenig vorhanden. Du meinst, du seiest reich und gar satt, aber wenn das Gefühl der Gesetzesübertretung über dich kommt, so siehst du, dass du arm, ja vollständig bankrott bist. Christus aber ist des Gesetzes Erfüllung. Keins von uns kann selig werden ohne gerecht zu sein. Der Gott des Himmels und der Erde fordert nach einem unwandelbaren Gesetz von allen seinen Geschöpfen Gerechtigkeit. Und Christus ist gekommen, uns diese Gerechtigkeit zu geben, die das Gesetz wohl fordert, aber niemals geben kann. (Charles Haddon Spurgeon)
Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.
Gewiss wird Niemand zu fest und zu bald gläubig an den Herrn Jesum; ja es wäre sehr weise, mit dem fröhlichsten und zuversichtlichsten Vertrauen zu ihm sofort den Anfang zu machen, wiewohl mir kein Exempel der Art bekannt ist. Es heißt: Glaube an den Herrn Jesum, so wirst du selig. Was sollen aber die Umstände und Weitläufigkeiten bedeuten, die man macht, dies Gebot in wirkliche und tätige Ausübung zu bringen? Was denken wir ohne Jesum auszurichten, und wie viel meinen wir ohne ihn zu können? Was sind alle die Bedenklichkeiten und Zweifel, die du dir machst, anders, als Spinngewebe, hinter welchen du deinen Unglauben zu verbergen suchst? Du gibst vor, du wolltest wohl glauben, wenn nur dies nicht und das nicht wäre. Ach, wenn es bloß daran liegt, dass du nicht glaubest, so lass dich doch das nicht hindern, sondern fahre zu und besprich dich nicht weiter mit Fleisch und Blut; Lazarus mag schlafen oder tot sein, oder schon vier Tage liegen. So du nur glauben könntest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen. Glaube nur, alles Übrige wird Jesus tun. Ob's denn die Versetzung eines Maulbeerbaums oder eines Berges betrifft, das macht keinen Unterschied. So redet das Evangelium. Gesetzlich aber ist es, wenn man denkt: wärest du frommer, wärest du demütiger, hättest du mehr Liebe, mehr Ernst, mehr Eifer und dergleichen, dann wolltest du glauben; das hieße die Ordnung der Dinge umkehren. Glaube! so wirst du dies alles, und noch mehr werden. (Gottfried Daniel Krummacher)