Apostelgeschichte 2,1

Andachten

Komm, Heiliger Geist, der Du einst am Pfingstfest dreitausend unsterbliche Seelen ergriffen und zum Leben in Christo erweckt hast, erfülle auch an diesem Pfingstfeste die Herzen Deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer Deiner himmlischen Liebe. Sind wir’s gleich nicht wert, dass Du kommst und uns erhörst, wir sind’s doch alle bedürftig, und Du willst ja nicht ansehen unsere Würdigkeit, sondern allein unsere Not und Bedürftigkeit. Komm denn, und stille unsere Sehnsucht, taufe die Menschheit mit Deiner Alles durchdringenden Feuertaufe und erfülle mit Deinen himmlischen und unvergänglichen Gaben die ganze Christenheit. Komm zu den Millionen, die noch kein Pfingstfest feiern können, weil sie den süßesten aller Namen nicht auszusprechen wissen, und geleite zu ihnen die Füße der Boten, welche Frieden verkündigen. Komm zu den Millionen, die noch kein Pfingstfest feiern wollen, weil die Sünde sie abhält und die Lustgelage der Welt ihnen lieber sind als die Festtage in den Vorhöfen Deiner Tempel. Komm, Geist des Vaters und des Sohnes, und erwecke die Leichtsinnigen, dass sie sich besinnen und ihre unsterbliche Seele retten, begeistere die Trägen, befestige die Wankelmütigen, erfreue mit Pfingsttrost die Traurigen und erquicke mit den Hoffnungen der ewigen Pfingsten alle, die im Sterben liegen und vielleicht heute noch davon müssen. Komm hernieder und segne uns Alle, und gehe Keinem mit Deinem Segen vorüber; rette, was sich retten lässt, und vollende das Werk Deiner Erbarmungen, das Du in uns angefangen hast, bis auf den Tag Deiner Zukunft. Erhöre unser Gebet und siehe nicht an den Tod unserer Herzen, sondern das Ja und Amen Deiner Verheißung; erneure unsere Wünsche, unsere Neigungen, unsere Gefühle, unsere Gedanken. Und einst, wenn die Tage des Wartens und Betens vorüber sind, dann sende Deine Schnitter, die heiligen Engel, und hole uns heim zu den ewigen Pfingsten, die nimmer wieder untergehen. Amen. (Friedrich Arndt)


Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit anderen Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen.

Auch an uns soll sich heute die Verheißung erfüllen: „Ich will von meinem Geiste ausgießen über alles Fleisch.“ Sind aber auch unsere Herzen für das Kommen des Geistes offen und bereit? Haben auch wir schon inbrünstig gebetet: heil'ger Geist, kehr' bei uns ein, und lass uns deine Wohnung sein? Haben auch wir schon mit geängstetem Gewissen gebetet: Schaff in mir, o Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist? Ehe die Jünger den Geist empfingen, hatten sie unter dem Kreuze des Herrn gestanden in Buße, und an seinem leeren Grab unter den Schauern der Ewigkeit, und auf dem Berg der Himmelfahrt mit himmlischem Sinn. Dadurch waren ihre Herzen bereitet bis dahin, dass der Tag der Pfingsten erfüllt war. Unsre Herzen auch? Dann werden auch wir den heiligen Geist empfangen. Dann werden wir an unsern Herzen erfahren, dass ein heiliger Geist ist, und was er ist. Er kommt in Windesbrausen, denn man sieht ihn nicht, aber man spürt ihn an seinem Wehen. Er kommt in Feuerflammen, denn er erleuchtet uns, dass wir nun erst Jesum sehen und glauben. Er verklärt Christum in uns und verklärt uns in Christi Bild. Denn die Erlösung ist wohl in Christo vollbracht, aber wer eignet sie uns an; wer schafft in uns den Glauben, der Christum ergreift? Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten. (Adolf Clemen)


Als nun der Pfingsttag eintrat, waren alle einmütig versammelt. Da entstand plötzlich ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen; und man sah an ihnen Zungen zerteilt, als wären sie feurig - und wurden alle voll heiligen Geistes.usw.
Was wirkte hier das einmütige Gebet der Gläubigen! Muss es nicht allemal dieselbe Wirkung haben, wenn es mit derselben Zuversicht auf die göttliche Verheißung, die für alle Beter gegeben ist, geschieht? O gewiss. Kein Gebet des Herzens bleibt ohne Pfingst-Segen. Kein Beter betet im Geiste und im Glauben, ohne mit dem heiligen Geiste und mit dem Feuer der Liebe Gottes erfüllt zu werden. Man kommt nie leer aus dem Gebete zurück, wenn anders das Gebet diesen Namen verdient. Es ist alle Tage ein Pfingsttag für dich möglich, wenn du alle Tage brünstig und innig betest um den heiligen Geist. Bist du nicht voll von dir, bist du leer von deinem eignen Geiste, und schreiet dein Herz, wie ein dürres Land um Regen, zum Himmel im Geist, so wird der heilige Geist dein Herz gewiss nicht leer lassen. Aber wo das Herz des eigenen Geistes voll ist, da kann der heilige Geist nicht hineingehen; denn der eigne Geist ist ein unreiner Geist, und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? (Johannes Evangelista Gossner)


Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt; als wären sie feurig. Und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes.
Es sind nun mehr als achtzehnhundert Jahre, seitdem jener erste Pfingsttag gefeiert wurde, als das Feuer Gottes zuerst zu brennen anfing auf dieser kalten Erde. Aber ist denn jetzt das Feuer erloschen, brennt es nimmer fort? Ja, ja, es brennt noch fort, denn: „Ich bin gekommen“, spricht der Herr, „dass ich ein Feuer anzünde auf Erden“, und Petrus sagt: „Euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und Aller, die ferne sind, die Gott, unser Herr, herzuführen wird“. Unter denen, die ferne sind, sind wir ja auch verstanden. Ach, dieses göttlich große Wort: „Alle, die ferne sind“, reicht ja auch auf uns herab, reicht hinaus auf unsere Kinder und Nachkommen, reicht hinein in die fernsten Zeiten, die etwa noch kommen möchten, auf die letzten Tage, wo der Herr ausgießen wird seinen Geist über alles Fleisch, und Alle von Gott gelehrt sein werden.

Zwar würden wir allerdings uns irren, wenn wir die nämlichen Wirkungen des heiligen Geistes erwarteten wie am ersten Pfingstfeste; es waren dies außerordentliche Wirkungen und notwendig zum Beruf der Apostel und für die erste Zeit. Solches also wird wohl der Geist schwerlich bei uns wirken, wiewohl - wer kann ihm wehren, wer kann ihm Maß und Ziel setzen? er tut, was er will; er rüstet uns, mit was er will, und was er schenkt, ist lauter Güte Gottes, lauter Lohn der sauren Arbeit Jesu Christi. Aber bis jetzt hat er seit der apostolischen und der gleich darauf folgenden Zeit nicht mehr durch solche außerordentliche Gaben gewirkt. Ach, wenn es ihm nur gefiele - und das wäre etwas viel Größeres und Köstlicheres uns, die wir morgen das Pfingstfest feiern wollen, den Geist der Gnade und des Gebets aufs neue mitzuteilen und uns aus unsern eigenliebigen Verschanzungen heraus in das Licht der Wahrheit hinein zu versehen; wenn es ihm nur gefiele, die Liebe Gottes auszugießen in unser armes, leeres Herz; wenn es ihm nur gefiele, uns aus unserer Blindheit und unserem Unglauben heraus und in die Fülle Christi hinein zu führen; wenn es ihm nur gefiele, das steinerne Herz aus unserer Brust hinwegzunehmen und ein fleischernes Herz uns zu schenken, das Christum liebt und Christo dient! Was wollen wir uns wünschen für das morgende Pfingstfest? Ein von Christi Tod und Leiden durchdrungenes Herz, das nichts anders weiß als Jesum Christum, den Gekreuzigten, das ihn über alles liebt, das sagen kann: Ich habe nur eine Passion, nur eine Leidenschaft, nur Ihn, nur Ihn! Ein solches Herz aber kann nur der Geist der Wahrheit geben. (Ludwig Hofacker)


Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig bei einander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel, als eines gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen die Zungen zerteilt, als wären sie feurig; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen. Und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an zu predigen mit andern Zungen, nachdem der Geist ihnen gab auszusprechen.
Das Pfingstfest ist das Gründungsfest der Kirche Christi. Wie bei dem jüdischen Pfingstfest dem Herrn der Ernte die Erstlinge der eingesammelten Feldfrüchte dargebracht wurden, so erhielt der Vater unsers Herrn Jesu Christi an dem ersten apostolischen Pfingstfest die Erstlinge der neuen Ernte, die seitdem immer weiter und weiter auf der Erde reif wird. Es sind lebendige Garben, die an jenem großen Tage Gott dargebracht und zubereitet wurden durch seinen heil. Geist. Die so oft wiederholte Ver heißung Christi geht endlich in Erfüllung; der Geist der Wahrheit, welchen die Welt nicht kann empfangen, wird ausgegoffen über die versammelten Jünger, und in demselben kommt Jesus selber wieder, in unvergänglicher Kraft, um zu wohnen in den Herzen seiner Apostel und aller Derer, die durch ihr Wort an ihn glaus ben werden. Die Zeichen, welche die Herabkunft des Geistes auf die Jünger begleiteten, jenes Brausen, jene zerteilten Feuerzungen, ja selbst jene plötzlichen Sprachengaben waren nicht der heilige Geist selber, sondern nur die Glocken, womit zum erstenmal zur Kirche Christi geläutet wurde. Der Geist selber sollte etwas Bleibenderes sein, als jene Wunderzeichen; das wahre Pfingstfest muss in der innern Erneuerung der Apostel und jener Dreitausend, denen Petrus predigte, gesucht werden. Es war jenen ersten Zeugen Christi eine wiedergebärende Kraft mitgeteilt worden, die das steinerne Herz aus ihnen wegnahm und ein neues in ihnen schuf, aus welchem dann auch ein neues Leben hervorströmen sollte. Nun erst konnten sie, nach eigener Erfahrung, das Wort ihres Meisters verstehen: Wahrlich, wahrlich, es sei denn, dass Jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Das Kennzeichen des Glaubens an Christum ist: durch den Geist Gottes eine neue Kreatur geworden zu sein. Kann ich sagen: Nicht ich mehr lebe, sondern Christus lebt in mir? (Friedrich Lobstein)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/44/apostelgeschichte_2_1.txt · Zuletzt geändert: von aj
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain