Apostelgeschichte 16,30
Andachten
Und führte sie heraus und sprach: Lieben Herren, was soll ich tun, dass ich selig werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig.
Der Kerkermeister zu Philippi, unter den nächtlichen Stürmen der Natur, wird plötzlich in seinem Gewissen aufgeschreckt, und erstaunt über die heilige Ruhe der beiden Apostel, die, blutend am ganzen Leib, im tiefen Kerker dennoch Loblieder sangen, fällt er vor ihnen nieder mit der Lebensfrage: Liebe Herren, was soll ich tun, dass ich selig werde? Für solch ein geschlagenes Gewissen wird dann auch zu einer Gotteskraft die Antwort: Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig. Diese Bedingung ist vielen Menschen zu leicht, und vielen andern zu schwer. Die Einen bilden sich ein, es sei nichts leichter als zu glauben; aber man versuche es im irdischen Sinn, und es wird so leicht nicht sein. Der Glaube an Jesum Christum ist nicht ein Überzeugtsein des Verstandes, sondern eine Überwundenheit des Herzens, und diesen Sieg des Sünderheilands erfährt nur, wer am Untersinken ist, wie der Kerkermeister zu Philippi. Andern ist der Glaube an Jesum Christum zu schwer; sie kommen nicht zum freien Ergreifen ihrer Seligkeit, weil sie sie nicht als eine geschenkte annehmen können. Es scheint ihnen zu unglaublich, nur glauben zu müssen; sie meinen, sie müssen, um selig zu werden, zuerst viel höher stehen. Aber je mehr sie sich zerarbeiten in ihren eignen Heiligungswegen, je mehr weicht der Glaube von ihnen; Christus muss auf Gnade und Ungnade ergriffen sein. Er will nichts von uns als unser böses Gewissen, etwas Anderes können wir ihm ja doch nicht bringen. Glauben wir, und wenn wir glauben, was haben wir? Wenn wir an Christum glauben, so haben wir ihn auch; wer ihn noch nicht hat, noch nicht aus seiner Fülle lebt, mit dessen Glauben hat es noch nicht seine Richtigkeit. (Friedrich Lobstein)
Und er sprach: lieber Herr, was soll ich tun, dass ich selig werde?
Der Anfang des Glaubens ist das, wenn ein Mensch über seinen Herzenszustand verlegen wird, und sich in seiner Verlegenheit an den Heiland wendet. Sind wir denn von Natur in Verlegenheit über unsern Herzenszustand? Nein! Von Natur sind wir tote Klöße, welche nichts von Gott wissen, und zufrieden sind, wenn sie ihren Bauch füllen oder ihre sonstigen Bedürfnisse, Lüste und Begierden befriedigen können. Dies ist der Zustand aller Heiden; ohne Hoffnung, ohne Trost, ohne einen rechten Begriff von Gott und unserem Verhältnisse zu ihm, in dumpfer Finsternis ihres Herzens gehen sie das hin, jämmerliche Knechte der Begierden und Gelüste ihres Herzens. Schon darin ist uns Jesus zu Hilfe gekommen, dass er uns hat in der christlichen Kirche geboren werden lassen, wo wir doch von Jugend auf etwas von Gott, vom Heiland, von unserer Bestimmung, von Himmel und Hölle und vom Willen Gottes an uns gehört haben. Aber damit ist es noch nicht ausgerichtet. Wenn nicht Jesus ferner Barmherzigkeit an uns tut, so können wir vielleicht die ganze Bibel in unserem Kopf haben, und sind und bleiben doch geistlich tote Leute, sicher, faul und kalt. Es fällt uns wohl hin und wieder etwas ein von Gott, aber wir meinen, wir stehen gut mit ihm, oder wir wollen uns schon mit ihm zufrieden stellen; es fällt uns wohl etwas ein von der Ewigkeit, aber wir erschrecken nicht davor; es fällt uns wohl ein, dass wir Sünder sind, aber wir denken: alle Menschen sind Sünder, und dafür ist ja das Verdienst Christi da; es fällt uns wohl hin und wieder ein Spruch ein, aber er hat keine Kraft an unsern Herzen; dabei gehen wir eben dahin nach unsers Herzens Gutdünken oder nach den Gewohnheiten der Welt; kurz wir sind und bleiben ohne Leben aus Gott, wenn nicht Jesus selbst eine Verlegenheit über unsern Zustand in uns erweckt. (Ludwig Hofacker)