Apostelgeschichte 11,26
Andachten
Es begab sich, dass zuerst m Antiochien Jünger Christen genannt wurden.
Es mussten die in Antiochia wohnenden Weltleute den Eindruck empfangen haben: Die Jünger sind gesinnt, wie Jesus Christus gesinnt war, sie denken ganz wie Er, und es spricht aus ihnen Sein Geist. Erstaunt und ergrimmt sagten sich die Juden: Den Einen haben wir aus der Welt geschafft, jetzt ist es schlimmer denn zuvor, in Hunderten, in Tausenden steht Er jetzt wieder unter uns. Ein besseres Zeugnis hätte wohl den arbeitenden Brüdern nicht ausgestellt werden können. Für Christus allein, in Seinem Namen und in Seiner Kraft und zu Seiner Ehre wirkten sie, und der Erfolg steht da: das sind die Christen! Seit jenen Tagen hat man allerlei Volk mit diesem schönen Namen bezeichnet. Auf die Frage: Welches Glaubens bist du? antworteten Millionen: Ich bin ein Christ! Die Mehrzahl hat diesen Namen ererbt, wie sie den Familiennamen ererbt haben. Christi Geist und Sinn, Christi Charakter und Wesen geht ihnen völlig ab; sie tragen Seinen Namen eigentlich unrechtmäßigerweise. Sind wir noch Christen? Der schöne Name, den wir tragen, sollte uns beständig eine ernste Mahnung, ja, ein Ruf zu Christo hin sein. Die Jünger des Herrn wurden Christen genannt. Willst du ein Jünger Jesu sein? Wenn nicht, so bist du nicht auf dem Wege, ein Christ zu werden; wenn aber ja, so stehst du vor einer wichtigen Aufgabe; der Name, den du trägst, muss Realität werden; du darfst nicht ruhen, bis du in Wahrheit ein Christ, ein Gesalbter Gottes bist. Täglich sei es dein süßes Vorrecht, tief in die Gnade einzudringen und also herzlich zu beten, dass der Herr sich dir mitteilen kann. (Markus Hauser)
Und sie blieben bei der Gemeine ein ganzes Jahr, und lehrten viel Volks; daher die Jünger am ersten zu Antiochien Christen genannt wurden.
Wenn wir Christi Namen tragen, wenn wir mit Wahrheit sagen: ich bin ein Christ, so heißt das nichts anderes als: ich gehöre ihm an mit Leib und Seele, in Zeit und Ewigkeit, ohne ihn will ich nicht leben, ohne ihn kann ich nicht sterben, er ist der Prophet Gottes, ihm glaube ich mehr als der ganzen Welt, mehr als allen Menschen; sein Wort ist mir das Liebste und Teuerste, das Festeste und Gewisseste, worauf ich leben und sterben kann. Ihm glaube ich, wie ein Kind seiner Mutter glaubt. Sein Wort ist das Licht meiner Seele. und die Leuchte auf meinem Wege, wenn alles von ihm wiche, ich ginge nicht mit. Er allein hat Worte des ewigen Lebens.
Ich bin ein Christ, das heißt: mein Herr Christus ist der gesalbte, barmherzige, ewige Hohepriester, sein ganzes Wesen und Leben ist ein Lieben und ein Dienen in der Liebe, er ist für mich gestorben und lebt für mich, er hat das Opfer gebracht für meine und der ganzen Welt Sünde, das ewiglich gilt; er ist mit seinem Blute in das Allerheiligste gegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden, er ist der barmherzige Mittler und Heiland, der Mitleiden mit mir hat, sein Werk ist heilen, stillen, trösten, vergeben, helfen, segnen; zu ihm fliehe ich, ihn rufe ich an, auf ihn hoffe ich, von seiner Barmherzigkeit lebe ich, er ist mein, und ich will keines andern sein.
Ich bin ein Christ, das heißt: ich freue und tröste mich des, dass er der König, und dass alles in seiner Hand ist; er ist auch mein König, und ich bin auch sein Untertan und ein seliger Bürger seines himmlischen Reichs. Ich will nicht der Sünde und nicht der Welt, ich will diesem Könige und in seinem Dienste den Menschen dienen. Er soll regieren in meinem Herzen und regieren in meinem Hause, er soll mein ganzes Herz einnehmen, so weit es ist, und jede fremde Gewalt und Macht daraus verdrängen, bis es ganz sein ist und mein ganzes Leben davon Zeugnis gibt, dass ich von aller fremden Herrschaft erlöst und er allein mein Herr ist, und dass ich also aus der Knechtschaft in die Freiheit gekommen bin und hoffen darf, mit Freudigkeit vor seinem Thron zu stehen, wenn er kommt, um seinen hohen heiligen Namen in und an der ganzen Welt zu offenbaren.
Wer daher in Wahrheit sagt: ich bin ein Christ, der wird es mit unaussprechlicher Freude tun, denn er spricht eben damit aus, dass ein neues und seliges Leben in ihm angefangen und dass die ganze göttliche Liebe und Macht ihn umfangen und zu sich gezogen hat. Und doch wird er's nicht ohne Schmerz sagen, wenn er sich gestehen muss, wie wenig er noch dieses Namens wert und wie viel noch in ihm ist, was diesem heiligen Namen widerspricht. Aber eben das soll in uns einen heiligen Ernst wirken, der Heiligkeit und Herrlichkeit dieses Namens nachzusagen und nicht zu ruhen bis er ganz unser Eigentum geworden ist. Wir sollen diesen unsern Namen über alles hoch und groß achten und uns ja nicht verführen lassen, ihn darum gering zu achten, weil wir sehen, wie viele ihn tragen, die das Gegenteil dieses Namens sind, und die dieses Kleinod mit lauter Schmutz und Unrat besudelt haben, so dass man von seiner Schönheit nichts sehen kann. Wir können es nicht hindern, dass es so ist, und wir sollen niemand diesen heiligen Namen nehmen, der ihn durch die Taufe empfangen hat. Es wird der Tag schon kommen, wo er allen denen genommen wird, die ihn nicht geachtet und besudelt haben, wo der Herr zu ihnen sagen wird: ich kenne euch nicht, und eben damit ausspricht, sie hätten nie seinen Namen gehabt.
Lasst uns nur umso mehr dafür sorgen, dass wir diesen Namen nicht verleugnen und nicht verlieren, dass wir ihn als das höchste Kleinod bewahren und behandeln, das in unserm Besitze ist, dass das Leben des Herrn selbst in uns offenbar werde, so offenbar werde, dass die Schmach seines Namens auf uns fällt und wir es erfahren, dass, wo die ist, auch der Geist der Herrlichkeit auf uns ruht. Mag dann die Stunde schlagen, wo wir alles, was wir auf Erden durch unsere Namen besaßen, zurücklassen müssen, so werden wir diesen Namen mitnehmen und mit ewiger und unaussprechlicher Freude erfahren, dass vor ihm alle Pforten des ewigen Lebens sich auftun und an ihn alle himmlischen Erben und Güter gebunden sind. (Friedrich Mallet.)