Johannes 4,43
Andachten
Herr Jesu, Du lebest und regierest in Ewigkeit, so lass denn Deine Herrlichkeit uns offenbar werden, nicht eine vergangene, sondern eine gegenwärtige Herrlichkeit. Segne jede Not, die uns widerfährt, dass sie uns aus der Welt, aus uns selber heraus und zu Dir hin treibe. Erhöre unser Gebet, auch unser unvollkommenes Notgebet und lehre uns hinansteigen auf den Gebetsstufen bis zu der höchsten und letzten, da wir Dich anbeten werden in ganz lauterer und heiliger Liebe, in vollkommener Freude an Deiner Schöne! Aber auch ehe wir angelangen, o Herr, an das Ufer der seligen Ewigkeit, da man Dich im Schauen preist, müsse der Anker unseres Lebens fest in Dich eingeschlagen sein, auf dass wir im Frieden dahingleiten mitten über die tobenden Wellen der Welt. Behalte uns im Glauben, im Glauben an Dein Wort, und was Du uns hier schon bescherst an Vorgeschmack der himmlischen Freude vor Deinem Angesicht, das lass uns gereichen zur Stärkung im Glauben, damit wir in dem wahrhaft seligen, friedensvollen Stande erfunden werden: doch zu glauben, auch wo wir nicht sehen! – Und noch Eins, lieber Herr Jesu: ist’s möglich, so gönne uns das glückliche Loos des Königischen von Kapernaum, zu glauben mit unserm ganzen Hause und in Wahrheit zu sprechen: „Ich und mein Haus wir wollen dem Herrn dienen.“ Ja, lass uns alle zusammen Dein Eigentum und Deine Gesegneten sein in Ewigkeit. Willst Du uns gebrauchen zu Werkzeugen der Bekehrung der Unsrigen, so gib uns dazu die Kraft, welche uns mangelt, Ernst, Liebe, Weisheit, Treue, - Alles, Herr, was nur Du kannst geben. Ach, dass wir Dich nur nicht hindern mögen durch unser Tun! Dass doch keiner von den Unsrigen zurückbleibe, keiner durch seinen Unglauben verloren gehe, sondern alle, alle bekehrt und selig werden, dass wir auch einmal dort sagen können: Hier bin ich und die Kinder, die mir der Herr gegeben hat. Wenn einst Dein Haus wird voll sein, voll von Gerechten durch Einen Glauben, dann müsse Niemand fehlen von Allen, für welche und mit welchen zu beten Dein Geist uns hier getrieben hat. Das hilf, Herr Jesu, Amen. (Friedrich Arndt)
Aber nach zwei Tagen ging er aus von dannen, und zog nach Galiläa. Denn er selbst, Jesus, zeugte, dass ein Prophet daheim nichts gilt.
Wenn einem der roheren Völker aus einem Buche vorgelesen wird, dessen Sprache es versteht, so ist ein solches Buch in seinen Augen kein heiliges Buch; ein solches muss sich von dem Gewöhnlichen und Gemeinen, was es täglich hört, unterscheiden, und darf seinem Verständnisse nicht zugänglich sein, da es sonst die Schauer des Geheimnisses verliert. Die Sprache des Kultus, welche die römische Kirche eingeführt hat, die lateinische, ist eine tote, dem Volke unbekannte, und nur höchst ungern gestattet diese Kirche den Laien das Lesen der Heilige Schrift in ihrer Muttersprache. Es liegt ihr sehr viel daran, dass die Scheu vor dem Mysteriösen bewahrt werde. Auch die evangelische Kirche, wiewohl ferne davon, das Heilige durch solche Schranken zu schützen, mutet uns doch zu, Dinge zu glauben, welche jenseits der Grenze unsres Erkenntnisvermögens liegen. Und eben diese Mysterien unsres Glaubens sind uns ganz besonders heilig und wert. Wir erkennen in ihnen das Göttliche und Erhabene, welches aufhören würde, uns ehrfurchtgebietend in den Staub zu ziehen, wenn wir es mit unserem Verstande übersehen und beherrschen könnten. Denn es ist wahr, dass das seine Hoheit in unsern Augen verliert, was wir völlig erkennen und durchschauen, und dass wir zu dem also Erkannten nicht mehr hinauf, sondern dann auf dasselbe herabschauen. So geht es auch mit dem Propheten und seinem Vaterlande. Man hat ihn wachsen und werden sehen, er ist eine gewohnte alltägliche Erscheinung gewesen, und weil man ihn auch jünger und schwächer und vor seiner völligen Reise gekannt hat, so fehlt die innere Beugung vor ihm und man sträubt sich, ihn in seiner Hoheit und Würde anzuerkennen. Selbst der Herr hat die Erfahrung machen müssen, dass Er in Seiner eigenen Familie und in Seiner Vaterstadt am wenigsten Glauben fand. „Woher kommt dem solche Weisheit und Taten? Ist er nicht eines Zimmermanns Sohn? heißt nicht seine Mutter Maria, und seine Brüder Jakob und Josef und Simon und Judas? und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher kommt ihm denn das alles?“ So sprach man von Ihm daheim. Und Er konnte daselbst um des wenigen Glaubens willen, den Er fand, auch die wenigsten Zeichen tun. Und eben deswegen, weil die innere Beugung, das Hinaufschauen zu Ihm, dem göttlich Erhabenen, dem über alle Himmel Erhöhten, fehlt, kann der Herr auch bei denen so wenig wirken, welche, allzu stolz auf ihre Vernunft, nur so viel glauben wollen, als sie verstehen, d. h. welche nichts Höheres dulden wollen, als ihre eigene Vernunft, und alles, was darüber hinaus liegt, für unvernünftig erklären, ein Über vernünftiges aber nicht anerkennen. Vor was sollte sich ein solch stolzer Vernunftmensch noch beugen, da er nichts anerkennen will, als was er versteht, das Erkannte aber schon nicht mehr über ihm, sondern, eben weil es von ihm erkannt ist, unter ihm steht! Hüten wir uns vor unsrer stolzen Vernunft, dass sie uns den Glauben nicht antaste und uns unsere Heiligtümer nicht raube. (Anton Camillo Bertoldy)