Johannes 4,10
Andachten
“Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer mit dir redet“
Ach, was sind uns doch so oft die Augen so gehalten, dass wir den Tag und seine Gelegenheit nicht richtig erkennen! War es Nachwirkung einer Schuld oder natürliche Stumpfheit - aber wir waren nicht am Ausfallstor unseres Interesses, als Jesus oder seine Gabe oder seine Aufgabe und die betreffende Gelegenheit vorüberzog. Bisweilen saß er sogar auf dem Brunnenrand, wie in unserem Text, und wartete auf uns, dass wir ihm zu trinken geben sollten, d. h. in einem dieser Geringsten unter seinen Brüdern. Nie grolle ich mehr mit mir, als wenn ich zu spät erkannte: Das war eine Gelegenheit vom Herrn, und du hast sie verträumt! Wenn wir sie aber zur rechten Zeit erkannt haben, dann müssen wir auch im selben Augenblick zugreifen; so kommt sie nicht wieder. Ein Spaziergang mit einem angefochtenen Menschenkind, ein Briefwechsel, eine Aussprache, eine erwiesene Gefälligkeit - worin kann Jesus nicht gerade seine Hand nach einem Herzen ausstrecken, an das er nur durch uns, nur jetzt und nur durch unsere selbstverleugnende Liebe herankommen kann! Solche Vollmacht, solche Ehrung, solches Vertrauen von oben - soll es uns bereit finden zum Nehmen, Geben, Heilen, Segnen und Helfen?
Vergib, Herr, alle versäumten Gelegenheiten. Gib uns zum Unterpfand der Vergebung neue Winke und neue Gaben, dass wir's besser machen können, und segne uns, wenn wir mit den anderen Seelen reden von dir. Amen. (Samuel Keller)
„Wenn du erkennst die Gabe Gottes, und wer Der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken; du bätest Ihn, und Er gäbe dir lebendiges Wasser.“
Die Samariterin kommt so von ungefähr an den Brunnen. Sie ist schon oft an dem Brunnen gewesen; das hat sie aber noch nie dort gefunden, was sie jetzt findet. So flicht sich ins tägliche Leben des Menschen oft viel Gutes. Sonst findet man außer dem Wasser nicht viel Gutes am Brunnen; das gewöhnliche Brunnengeschwätz ist nicht immer das Beste. Hier aber findet die Samariterin den Heiland, der obiges Wort zu ihr spricht. Unter lebendigem Wasser versteht er nicht, wie's die Samariterin zuerst auffasst, sprudelndes Quellwasser im Gegensatz zu dem im Morgenland gewöhnlichen Zisternenwasser, sondern Wasser, das Leben bringt, und nicht wieder durstig macht, wenn man getrunken hat. Wir haben, um es zu bekommen, auf das zu sehen, dass wir erkennen, wer JEsus ist, und erkennen, dass Er uns eine Gabe Gottes ist. Zu all den vielen Gaben, die wir vom lieben. Gott haben, kommt als größte Gabe die, dass Er uns Seinen Sohn geschenkt hat. Ihn als eine ausdrückliche Gottesgabe, vom Himmel uns gesandt, nehmen, das macht mutig und fröhlich. Denn ich muss zuerst den Mann haben, bei dem das Lebenswasser zu finden ist, wenn ich es bekommen will. Nun, den Mann haben wir als eine Gabe Gottes, um sagen zu können zu Ihm: „Gib mir zu trinken!“ und Er gibt's uns, wenn wir Ihn bitten. (Christoph Blumhardt)