Johannes 21,7
Andachten
“Es ist der HErr.“
„Es ist der HErr!“ Dieses Wort kommt insbesondere zweimal, aber mit verschiedener Bedeutung, vor. Einmal in den Büchern Samuels (1 Sam. 3, 18), da der HErr zum ersten Male dem Samuel erschien, Eli’s wegen, dem ein Gericht anzukündigen war. Eli merkt es und fragt am andern Morgen: „Was hat der HErr mit dir gesprochen?“ Samuel musste sagen: „Er hat ein schweres Gericht angekündigt über dich, deine Kinder und dein ganzes Haus.“ Dann sagt Eli: „Es ist der HErr, Er tue, was Ihm wohlgefällt.“ Da sollte Eli die strafende Hand Gottes sehen, und an dem Gericht, das über ihn kam, es merken, dass es der HErr war. Seine Ergebung kann uns wieder freuen, wiewohl er, statt sich, so zu sagen, aufzugeben, mehr auf eine Besserung der Sachen und auf ein Aufheben des Gerichts durch Besserung, wie’s mit der Vorausverkündigung gemeint war, hätte hinarbeiten sollen. - In unsrer Stelle aber fischt Petrus mit Johannes und andern Jüngern nach der Auferstehung des HErrn. Plötzlich steht der Auferstandene am Ufer und heißt sie anders das Netz auswerfen. Sie tun’s, und mit welchem Segen! Dann sagt Einer zum Andern: „Es ist der HErr!“ Denn sie hatten Ihn vorher nicht erkannt. Da war’s eine Freude, eine Erquickung, die ihnen durch alle Adern floss! Wie Petrus es hört, wirft er sich ins Wasser und eilt ans Ufer. Aller Jammer ist vergessen; denn es ist der HErr, den sie jetzt sehen dürfen.
In Beidem kommt der HErr oft zu uns, wenigstens im Geiste oder unsichtbar: in der Züchtigung und Strafe, wie bei Eli, und in der Gnade und Freundlichkeit, wie bei den Jüngern. Auf vielfältige Weise gibt sich der HErr zu erkennen. Lernen wir’s nur merken, wo Er ist, und dass Er es ist, in allem, was uns widerfährt. Sagen lernen: „Es ist der HErr!“ ist eine wichtige Sache. Wir würden weniger murren, wenn’s traurig hergeht, und weniger übermütig werden, wenn uns etwas gelingt, auch weniger im Zweifel sein, wenn uns eine Weisung gegeben wird, sobald wir nüchternen Geistes sagen lernten: „Es ist der HErr!“ Erinnern wir uns auch an das, wie Laban beim Besuch Eliesers zu sagen sich gedrungen fühlte: „Das kommt vom HErrn“ (1. Mos. 24, 50.)!
Möchten wir diese Lektion auf heute nicht so bald vergessen! Wir können alle Tage Veranlassung bekommen, zu sagen: „Es ist der HErr!“ indem Er straft, oder tröstet, oder hilft, oder innerlich anregt, oder durch äußere Umstände warnt und den Weg zeigt. Wenn wir nur es immer zu merken Sinn und Verstand hätten, wann es der HErr ist, der mit uns redet, und wann der eigene Geist oder gar der Feind uns irre führen will! (Christoph Blumhardt)
Da spricht der Jünger, welchen Jesus lieb hatte, zu Petro: Es ist der Herr! Da Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er das Hemd um sich (denn er war nackend) und warf sich in das Meer.
Da haben wir die Jesus-Liebe in zwiefacher Erscheinung: Johannes erkennt zuerst den Herrn, so hat ihm die Jesus-Liebe seine Augen klar und scharf gemacht. Petrus wirft sich ins Meer, dass er ein wenig eher zu Jesu komme, so hat die Liebe seinen Eifer glühend gemacht. Des Herrn Jünger aber sind sie Beide, und Er erkennt in Beiden ihrer Liebe Art und Wesen. Wie steht's denn mit unserer Liebe? O, es ist viel wert, wenn man gute Augen hat, Jesum zu sehen und klar zu erkennen schon von Weitem, auch da, wo Andere Ihn noch nicht sehen! Siehst Du Ihn ebenso wohl, wenn Er nimmt, als wenn Er gibt, wenn Er Wunden schlägt, als wenn Er sie heilt? hast Du gesprochen: es ist der Herr! eben sowohl an den Särgen, als an den Wiegen Deiner Kinder? und merke wohl auf! wenn Du zuletzt mit Deinem Schifflein dem Ewigkeits-Ufer zusteuerst, wirst Du Ihn alsdann auch klar und hell drüben am andern Ufer stehen sehen und rufen: Es ist der Herr! Und wir fragen noch einmal: wie steht's mit unserer Liebe? hat sie denn gar nichts von der warmen Petrus-Art an sich? wagst Du denn gar keinen Sprung in die Tiefe um Seinetwillen? lässt Du Dich niemals fortreißen, nie aus der Ruhe bringen, wenn Du Ihn siehst und spürst, und die Andern sagen: es ist der Herr! Ein bedenkliches Ding ist es um solch' kühles, laues Christentum; es möchte wohl darüber heißen: o, dass Du kalt oder warm wärest! Weshalb geriet Petrus in solchen Eifer? weil ihm so viel Sünde und dreimalige Verleugnung vergeben war. Ist Dir vielleicht weniger vergeben? - und weshalb erkennt Johannes sofort und zuerst den Herrn? weil er an der Brust des Meisters gelegen. Könntest Du nicht auch Deinen Platz da haben? (Nikolaus Fries)
Da Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er das Hemde um sich und warf sich ins Meer.
Wir sehen in Lukas 5 und in unserem Textkapitel die Jünger des Herrn einen zweimaligen reichen Fischfang, tun auf das Wort ihres Meisters hin. Beide Male ist Petrus gegenwärtig. Wie mit dem Herrn selber, so war auch mit Petrus seit dem ersten Fischfang eine große Veränderung vorgegangen. Das erste Mal fällt Petrus nieder vor seinem Meister mit den Worten: Herr, gehe von mir hinaus, denn ich bin ein sündiger Mensch. Aber wie wenig kannte er damals sein sündiges Herz! Wie wenig hatte er damals eine Ahnung, dass er seinen Herrn verleugnen werde und doch kam es so weit. Einige Jahre waren seit dem ersten Fischfang verflossen, und wieder finden wir den Herrn am Galiläischen Meer, aber als den Auferstandenen. Er befiehlt als Unbekannter den hungrigen Jüngern, das Netz auszuwerfen und wieder tun sie einen großen Fang. Das öffnet dem Johannes die Augen, und er erkennt den Herrn und sagt es Petrus. Petrus ist im Boot und der Herr steht am Ufer. Rasch wirft er sich in das Meer und schwimmt dem Herrn entgegen; er kann nicht warten, bis das Boot das Ufer erreicht, so stark ist der Drang seines Herzens bei Jesu zu sein. Keine Worte könnten uns die Veränderung, die mit Petrus vorgegangen war, besser beschreiben, als dieses sein Schwimmen. Der gefallene Petrus schwimmt dem Heiland entgegen, aber er fühlt trotz seines tiefen Falles nicht mehr wie früher, dass er der Nähe des Herrn unwürdig ist, es zieht ihn mit unwiderstehlicher Macht zu Jesu hin. Warum? Der, der einst im Selbstvertrauen auf dem Wasser wandeln wollte, ist nicht nur ein demütiger, sondern ein völlig begnadigter Mensch geworden. Sein begnadigtes Herz hängt mit Liebe und Dankbarkeit am Herrn, es ist nichts mehr zwischen ihm und seinem Meister. Welch reichen Segen bekommen wir, wenn wir Petri Entwicklung verfolgen. Sind wir uns klar über Petrus vor Jesu Tod, über Petrus nach Jesu Auferstehung vor Pfingsten und über Petrus nach Pfingsten, so wissen wir, was der heutigen Kirche fehlt. Ach, dass Viele klar wären!
Herr! bewahre mich vor der Verschwommenheit, die wie ein Bann auf Deiner Gemeinde liegt. Amen. (Elias Schrenk)