Johannes 20,28
Andachten
Thomas antwortete: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Dieweil du mich gesehen hast, Thomas, so glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.
Thomas machte nicht viele Worte; im Innersten erfasst, spricht er gleich den Kern des ganzen christlichen Bekenntnisses aus: „Mein Herr und mein Gott“. Das war aber kein Ausruf der Verwunderung, wozu jetzt so viele das „mein Gott“ verwenden. Solches wär für jeden Hebräer und für jeden Christen der alten Kirche ein unerhörter Missbrauch des heiligen Namens gewesen. Erst eine neuere Zeit hat Zeit hat den Namen Gottes zu einem Flick- und Ausrufungswort gemacht. Thomas will mit diesem Worte das feste Bekenntnis zu Christo, dem Sohne Gottes, ablegen. Dieses Bekenntnis nimmt Jesus an. Er sagt nicht: „Es ist zu viel. Du gibst mir eine Ehre, die mir nicht gebührt.“ Er nennt dies Bekenntnis Glauben. „Nachdem du mich gesehen hast, glaubst du.“ Ja das ist und bleibt der rechte mächtige und seligmachende Glaube, dass Jesus Christus, Gottes Sohn und unser Bruder, um unserer Sünde willen dahingegeben und um unserer Gerechtigkeit willen auferweckt ist. Wer diesen Glauben hat, den hat der Herr gefunden, und er hat ihn gefunden. Thomas hatte sich finden lassen. Hast du dich denn auch finden lassen? Bist du im Glauben Herr geworden über deinen stolzen Verstand, der nicht gestatten will, dass Gott von Ewigkeit her einen Sohn seines Wesens habe? der nicht gestatten will, dass er von den Toten ausgeführt habe den großen Hirten der Schafe?
Herr Jesu, lehre uns bedenken, dass aller Widerspruch und alles Auflehnen gegen deine Strafen noch zeugt von einem unbußfertigen, ungläubigen Herzen. Wie oft versündigen wir uns da noch und möchten uns selbst rechtfertigen mit eigener Gerechtigkeit. O gib uns den rechten stillen Glauben an dich, unser einiges Heil. Wer dich hat im Glauben, dem mag jeder Tag neue Last und neue Sorgen bringen, der mag aus einer Not in die andere müssen, des Lebens tiefstes Glück und schönste Hoffnung kann ihm trotz tausend Enttäuschungen doch Niemand nehmen. Solches Glück und solche Hoffnung lass auch heute uns von früh bis Abend begleiten. Amen. (Friedrich Ahlfeld)