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Johannes 1,35

Johannes 1,35

Andachten

Des andern Tages stand abermal Johannes und zwei seiner Jünger. Und als er sah Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm.
An Allen, die es redlich meinten, die ihrer Sünde ledig sein wollten, übte Johannes den Liebesdienst, sie zu Christo zu führen. Wie oft er auch schon die suchenden Seelen auf Christum hingewiesen hatte, er ließ sich die Mühe nicht verdrießen, er tat es immer aufs Neue, er sprach auch zu Johannes und Andreas: „Siehe, das ist Gottes Lamm.“ Seht, ihr Mühseligen und Beladenen, dort ist die Erquickung. Seht, ihr Durstigen, dort ist der Brunnen. Seht, ihr vom Gesetz Verdammten, dort ist die Gnade. O welche Erquickung liegt in dem Wort: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Was kein Mensch abnehmen kann, das nimmt uns die Liebe ab. Sie ist lebendig, stark und innig genug, auch an das Herz zu dringen und es uns innerlich erfahren zu lassen. Und du, der du durch das Gesetz, durch rechtschaffenen Wandel, vor Gott gerecht und selig werden willst, fandest du denn Frieden? Je treuer du das Gesetz halten willst, um so mehr erkennst du, dass du es nicht erfüllst. Du lernst dein Herz dabei kennen. Du gestehst mit Paulo ein: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; aber das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Du erfährst, dass du dir doch nimmer Frieden erwerben kannst. In solche Angststunden hinein antwortet Johannes: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Ja „trägt“, nicht getragen hat.“ Er trägt sie auch heute noch. Er hat eine ewige Erlösung erfunden.

Herr Jesu Christe, lass uns doch die Last und das Elend unserer Sünden recht fühlen. Durchbrich du den Leichtsinn unseres Geschlechts, damit wir erkennen, wie wir mit unseren Sünden Gottes Zorn und Strafe wohlverdient haben, wie Moses über uns alle den Stab gebrochen hat, und wie wir uns allzumal selbst nicht helfen können. Sind wir dann hinuntergegangen in die Tiefe, dann sende uns aus Gnaden einen Johannes, der da zeuge und rufe: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“ Und dann gib dem armen Herzen Glauben, dass es nicht verdurste vor den offenen Brunnen. Gib uns einen neuen Willen, in welchem wir zu dir eilen, dich suchen, dich sehen und finden, und bei dir bleiben. Amen. (Fr. Ahlfeld)


Des andern Tages stand abermals Johannes und zwei seiner Jünger. Und als er sah Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! Und zwei seiner Jünger hörten ihn reden und folgten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi (das ist verdolmetschet, Meister), wo bist Du zur Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht es. Sie kamen und sahen es und blieben denselbigen Tag bei ihm; es war aber um die zehnte Stunde.
Das ist eine gar große und heilige Morgenstunde im Reiche Gottes! eine herrliche Adventszeit! Jesus wandelt vorüber und sein Adventsprediger verkündigt Ihn als das Lamm Gottes! Das zündet in zwei edlen Jüngerherzen. Die Erscheinung des Wandelnden und das Wort der Verkündigung haben's ihnen angetan! es zieht sie zu Ihm hin mit überirdischer Macht; sie folgen Seinen Fußspuren. Da kehrt Er sich zu ihnen mit der Frage: Was sucht ihr? sie hätten nun eigentlich antworten müssen: wir suchen Frieden! Ruhe für die Seelen! sie sagen aber: Wo bist Du zur Herberge? und ohne es selber zu wissen, haben sie's getroffen, denn wo Er zur Herberge ist, da ist der Friede; wie Er's hernach gesagt hat: Kommet her zu mir so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Desgleichen auch hier: Kommet und seht es! und da sie kamen, fanden sie bei Ihm die Heimat der Seelen, die Ruh'! konnten sich darum auch nicht trennen, denn sie blieben denselbigen ganzen Tag bei Ihm. So gewiss nun, als Dieses sich begeben hat in der Jordans-Aue, so gewiss wird und muss es sich auch begeben bei uns noch immerdar; nur dass Deine Seele aufrichtig nach Frieden verlange. Unruhig genug ist Dein Herz ganz gewiss! denn die Welt-Unruh' ist sehr groß, nicht bloß die äußerliche, vielmehr noch die innerliche! jedes Bild des Gekreuzigten ruft es Dir neu zu siehe! Gottes Lamm! jedes einfältige Kindersprüchlein, das Deine Mutter Dich gelehrt vom Blute Christi und von Seiner Gerechtigkeit, damit Du kannst vor Gott bestehen, verkündigt es Dir, wie Johannes es verkündigte! jeder aufrichtige Christ, der Dir auf Deinem Wege begegnet und Dich mit seinen ernsten Augen ansieht, fragt Dich ohne Worte: Was suchst Du? soll's denn nicht endlich Adventszeit werden auch für Dich mit dem Seufzen: Meister, wo bist Du zur Herberge! Sobald aber damit der Bann gebrochen, unter dem Du gelegen, ist Dir geholfen. Da heißt es: Komm und siehe es! und Du siehst es mit gebogenen Knien, und die Augen gehen Dir über und der Atem steht still, und Du vergisst Zeit und Stunde, Abend und Morgen, Tag und Nacht, denn Jesus ist Dein Friede, Deine Seele ruht in Gott! (Nikolaus Fries)


Des andern Tages stand abermal Johannes und zwei seiner Jünger. Und als er sah Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! Und zwei seiner Jünger hörten ihn reden, und folgten Jesu nach.
Wie kann eine Seele den Herrn finden? In dem letzten Teil dieses Kapitels sehen wir, dass dies auf mehr als eine Weise geschehen kann. Einer wird nicht bekehrt, wie der Andere, und es ist etwas Einseitiges, zu verlangen, dass Andere in der Ordnung, wie wir, mit dem Herrn bekannt werden sollen. Die beiden Jünger, die hier Jesu nachfolgen, waren vorher Schüler Johannis des Täufers gewesen. Sie waren durch den Bußprediger für Jesum empfänglich geworden; Johannes selber weist sie dem Heiland zu, indem er ihnen sagt: Siehe, das ist Gottes Lamm. Es ist also eine Bußpredigt, die eine Seele kann dem Herrn in die Arme werfen. Je schärfer die Gewissen angegriffen werden, je mehr wird auch das Sündengefühl geweckt, und da steht Jesus dann nicht mehr fern. Johannes, er für sich allein, hätte die beiden Jünger nicht können selig machen, er leistete dem Heiland nur Vorläuferdienste. Eben so ist es nicht die Buße selber, die selig macht, sondern nur das Opfer Christi und der Glaube an dieses Opfer; aber ohne Buße kann das Herz nicht in den Zustand kommen, der ihm Not tut, um Christum und sein Verdienst zu ergreifen. Und auch nur durch die tägliche Buße kann das Glaubensverhältnis zu Christo unterhalten werden. Der Pflug Gottes muss tagtäglich tiefer graben in Herz und Gewissen, sonst ist der christliche Schlendrian, in den man fällt, nicht mehr der Glaube, sondern nur ein dummes Salz, ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Es ist schon etwas Arges um ein ungläubiges Gewissen, aber ein abgeschliffenes christliches Gewissen ist etwas viel Ärgeres. Wie hat ein Prediger zu wachen, wenn er auch nur eine Seele dem Heiland zuführen will, dass das Geistesschwert für ihn selber ein zweischneidiges, durch Mark und Gelenke dringendes bleibe! Gibt es etwas Jämmerlicheres, als ein christliches Salbadern, ein mechanisches Hinweisen auf das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt? Gott bewahre uns vor der toten Orthodoxie, und stelle doch immer einen Johannes in unser Glaubensleben hinein, damit wir nicht einschlafen! (Friedrich Lobstein)


Des andern Tages stand abermals Johannes, und zween seiner Jünger. Und als er sah Jesum wandeln, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm. Und zwei seiner Jünger hörten ihn reden und folgten Jesu nach. Jesus aber wandte sich um, und sah sie nachfolgen, und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi (das ist verdolmetscht, Meister), wo bist du zur Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht's. Sie kamen und sahen's, und blieben den selbigen Tag bei ihm; es war aber um die zehnte Stunde.
Siehe, das ist das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Siehe, das ist's, was du bedarfst zu deinem Frieden. Siehe, das ist dein Heil und dein Trost, du gequältes Gewissen, das ist deine Hoffnung im Tode; das ist deine Kraft zur Demut und Geduld im Leben, zum stillen Gehorsam gegen Gottes Willen. Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Diesem Gnadenruf folge zu Jesu hin. Er wendet sich ermunternd, lockend auch nach dir um, wenn du dich zu ihm aufmachst. Und fragt auch dich: Was suchst du beim Herrn? Suchst du bei ihm nur Trost im Leib, Trost im Tode? Aber du wirst diesen Trost nur dann finden, wenn du mit jenen beiden Jüngern in herzlicher Liebe rufst: „Wir suchen dich, dich selbst, o mein Herr und mein Gott; wir verlangen nach deiner Gemeinschaft; wir wollen zu dir. Meister, wo bist du zur Herberge? Ja, wo bist du, Sonne des Lebens? Dich suche ich; lass mich in deiner Herberge, an deinem Herzen ruhen, und ich habe volle Genüge.“ Denen, die also suchen, tut der Herr immer auf; von denen lässt er sich immer finden, und spricht in freundlicher Liebe: Kommt und seht es. Kommt und erfahrt es an eurem Herzen, zu eurer Seligkeit, ob mein Wort und Kreuz euer Friede und euer Heil ist. Sie kamen und sahen es, und blieben bei ihm den selbigen ganzen Tag. Ja, sie blieben bei ihm ihr ganzes Leben, diese beiden Jünger, und der Eine von ihnen, Johannes, der an Jesu Brust lag, blieb bei ihm, auch unter dem Kreuze. Der Einzige unter Alen. Da hörte er noch einmal das Wort: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt. Und nun verstand er's. Und er blieb bei ihm sein ganzes Leben, in allen Verfolgungen und Leiden, blieb bei ihm bis in sein Greisenalter, bis zu seinem letzten Wort: Kindlein, bleibt bei ihm, bleibt bei ihm bis in den Tod, auf dass, wenn er geoffenbart wird, wir Freudigkeit haben und nicht zu Schanden werden vor ihm in seiner Zukunft. (Adolf Clemen)

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