Johannes 1,25
Andachten
Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, so du nicht bist Christus, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt.
Sollte diese Klage und dieser Vorwurf des Johannes auch uns gelten? Ach, wie viele gibt es leider in der Christenheit, welche den Heiland nicht kennen, der doch mitten unter uns ist. Sie gehen hin ratlos und sorgenvoll in der Not des Lebens, und kennen den nicht, welcher spricht: „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ Sie gehen freudenlos und seufzend ihren Weg, selbst das liebe Weihnachtsfest kann die Sorgenlast nicht von ihrer Seele nehmen, und ihr Herz nicht fröhlich machen, weil sie den nicht kennen, welcher spricht: „Ich will dich nicht verlassen, noch versäumen. Ich bin bei dir, ich stärke dich, ich helfe dir auch durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Wie viele mühen sich ab, los zu kommen von ihrer Sünde und Frieden zu finden aus eigener Kraft; sie graben löchrige Brunnen, die kein Wasser geben, und kennen den nicht, welcher die Versöhnung ist für unsere Sünde. Wie viele gehen hin in Todestrauer und Todesfurcht, ohne Trost und ohne Hoffnung, als wäre der nicht unter uns, welcher spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Wie viele Christen sind, die ihn wohl kennen in ihrem Hause, oder wenn sie unter christlichen Freunden sind; aber draußen im öffentlichen Leben, da tun sie, als kennten sie ihn nicht. Und er hat doch gesagt: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“
Lasst uns beten: Herr Jesu Christe! es ist stille um uns her. Die Nacht ist hereingebrochen, und unser Leib sehnt sich nach der Ruhe. Aber ehe wir unsere Augen schließen, heben wir sie auf zu Dir. Du weißt unseres Herzens Anliegen; Du kennest und erforschest uns. Du erkennst vielmehr, als wir selbst, wie viel an unserm Tun und Leben nicht taugt, und nicht bestehen kann vor Deinem heiligen Auge. Aber wir wissen auch, dass Du barmherzig bist und von großer Güte. Du hast Dich unser angenommen von Kindesbeinen an. Deine Gnade ist in uns mächtig geworden, dass wir Dich erkannt haben und Deine unendliche Liebe. Wir sind Dein, und Du bist unser Heiland und Herr, der uns erkauft hat mit seinem Blut. Deiner gnädigen Aufsicht übergeben wir auch jetzt uns und alle unsere Angehörigen mit getroster Zuversicht. Du wirst über uns wachen, und gnädig alles, was uns an Leib und Seele schaden kann, von uns abwenden. Lass uns Deiner Treue befohlen sein, und mache uns selbst immer treuer, in unserm ganzen Wandel Dir zu danken und zu dienen. Amen. (Alfred Meyer)