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Johannes 1,12

Johannes 1,12

Andachten

So viel Ihn aber aufnahmen, denen gab Er Gewalt, Gottes Kinder zu werden.

Hier hört ihr, was für eine große, mächtige Herrlichkeit, und unaussprechlicher, ewiger Schatz ist, der durch Gottes Sohn mit seiner Zukunft ist angerichtet unter denen, die Ihn annehmen, an Ihn glauben, und für den Mann halten, der von Gott der Welt zu helfen gesandt ist; nämlich das soll das neue Wesen und Werk sein, dass Er Macht und Recht geben soll, Kinder Gottes zu werden allen denen, die da glauben an seinen Namen. Wenn wir nun glauben, dass Er das ewige Wort des Vaters ist, durch welches alle Dinge gemacht sind, item, das Leben und Licht der Menschen und Gottes Lamm ist, welches der Welt Sünde tragt, wegnimmt und in die Tiefe des Meeres wirft, wie der Prophet Micha am 7ten Kap. V. 19. spricht; auch in allerlei Not anrufen, und für seine unaussprechliche Gnade und Wohltaten Ihm danken, so werden wir zu der großen Herrlichkeit gebracht, und uns das trefflichste Recht zugesprochen, die herrliche Gewalt und Freiheit geschenkt, dass wir einen gnädigen Vater im Himmel haben, ja seine lieben Kinder sind und Erben aller seiner ewigen, himmlischen Güter, und wie Paulus zu den Römern, 8, 17. sagt: Christi Brüder und Miterben sind, ewiges Leben und Seligkeit zu haben. Wie? Hat Er allen Menschen die Gewalt und Freiheit gegeben, so sie doch alle Kinder des Zorns sind? Nein, sagt der Evangelist, sondern allen denen, so viel ihr sind, keinen ausgeschloffen, die an seinen Namen glauben, das ist, wie gesagt, die sein Wort mit Glauben annehmen und fest dabei halten, Ihn anrufen. Hier hörst du kurz und gut, dass durch keinen andern Weg, Mittel und Weise wir zu dieser hohen Ehre, herrlichen Freiheit und Gewalt kommen, dass wir Gottes Kinder werden, denn allein durch das Erkenntnis und Glauben an Christum.

Darum muss der Heilige Geist hier Meister sein dieses Erkenntnisses und Glaubens uns in das Herz schreiben, und unserm Geist Zeugnis geben, dass es gewiss und Amen ist, dass wir durch den Glauben an Christum Gottes Kinder worden sind, und ewig bleiben. Denn St. Johannes hat sein Evangelium nicht aus menschlichem Willen herfür gebracht, sondern er ist von dem heiligen Geist getrieben, der ein Geist der Wahrheit ist, darum wird er uns gewiss nicht betrügen. Sonst ist es gar ein groß Ding, dass ein armer Mensch soll Gottes Sohn, und ein Erbe Christi sein. So wird nun durch Christum, Gottes Sohn, diese Gewalt und herrliche Freiheit, dass sie Gottes Kinder sollen sein, angeboten, und gegeben denen, die an seinen Namen glauben. Schrecklich aber ist zu sagen und zu hören, dass diese hohe, treffliche Herrschaft, Gottes Kinder sein, von der blinden, verdammten Welt, nicht allein veracht, verspottet und verlacht, sondern auch geschändet und für die höchste Gotteslästerung gehalten wird, also dass sie die, so an Christum glauben, seinen Namen und Wort bekennen, und deshalb Gottes Kinder sind, für des Teufels Kinder, Gotteslästerer und Aufrührer hinrichtet, wie die Juden Christo, dem eingeborenen Sohne Gottes, selbst taten, gaben Ihm Schuld, Er hätte das Volk erregt und dem Kaiser den Schoß zu geben verboten, item, sich selber zu Gottes Sohn gemacht, so doch die Welt diese Herrschaft auf den Händen und Knien holen sollte, wenn sie gleich jenseit Babylon anzutreffen wäre. Aber man siehts wohl, wie wir uns dagegen halten. Zudem setzet der Teufel den frommen christlichen Herzen zuweilen so harte zu mit seinen feurigen Pfeilen, dass sie nicht allein vergessen der überschwänglichen Herrlichkeit, dass sie Gottes Kinder sind, sondern gar widersinnische Gedanken haben, als habe Gott ihrer gar vergessen, sie verlassen, von seinen Augen verstoßen. Es ist auch St. Paulus nicht immerdar in Sprüngen hereingangen, sich der großen Herrlichkeit (dass er Gottes Sohn sei) gefreut, darauf wider den Teufel und falsche Welt getrotzt. Das weisen diese und dergleichen Reden wohl aus, da er spricht: 1. Kor. 2,3: Ich war bei euch mit Schwachheit, mit Furcht und großem Zittern. Item 2. Epist. 7,5, dass er spricht zu den Korinthern, dass in ihm sei auswendig Streit, inwendig Furcht.

Darum ist unser Glaube noch sehr schwach und kalt. Wäre er also gewiss und stark, als er wohl sein sollte, so könnten wir vor großer Freude nicht leben. Aber Gott Lob, wir wissen, dass auch die Schwachgläubigen Gottes Kinder sind. Denn Christus sagt nicht vergebens, Luk. 12, 32: Fürchte dich nicht, du kleine Heerde rc. Doch sollen wir immer seufzen und bitten mit den Aposteln: Herr, stärke uns den Glauben, Luk. 17, 5. und wie Jener, Marci 9, 24: Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben. (Martin Luther)


Das ist freilich das Unglück, dass der Teufel da ist, der sein Werk in den Kindern des Unglaubens hat. Der muss erst auf die Seite geschafft, verworfen, und ihm der Zugang versperrt werden durch eine gänzliche Absage und durch eine herzliche und willige Aufnahme unseres Heilandes. „Rein ab! dem Heiland an! So ist die Sach getan.“ An Beispielen fehlt es uns nicht von Seelen, die Ihn haben, die Ihn angenommen und denen Er Macht gegeben hat, Gottes Kinder zu werden, die ihn nicht gesehen und doch lieb haben, und an Ihn glauben, wiewohl sie Ihn nicht sehen, die sich freuen mit unaussprechlicher Freude, und das Ende ihres Glaubens, der Seelen Seligkeit, bereits so gewiss, sicher und wahrhaftig davon getragen haben, als wenn sie schon mitten im Paradies säßen. (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf.)


Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.
Sie nahmen Jesus auf und ließen ihn als ihren Gast in ihre Wohnung hinein; noch mehr, sie ließen ihn an ihr Herz herankommen. Damit, dass sie ihn aufnahmen, kam sein Wort zu ihnen. Nicht als ein Schweigender kehrt er bei ihnen ein. Mit seinem Wort kommt auch sein Werk zu ihnen. Nicht so ist er bei ihnen, dass sie ihn bewirteten und ehrten, sondern als der Gebende. Was geschieht nun in ihnen? Sie glauben an seinen Namen. Denn er kommt zu ihnen nicht als eine namenlose Gestalt, nicht als ein Rätsel, das niemand deuten kann, sondern besitzt einen Namen, der ausspricht, was er will und soll. Sein Name ist die Verkündigung seiner Sendung an die ganze Welt. Dieser Name erweckt Hoffnungen, die einzigartige Größe haben. Wirkt er nur das? Er bringt noch Größeres hervor, nämlich Glauben. Denn er senkt sich in die Seele ein und wird dort Gewissheit und die uns bewegende Kraft. Was tut nun Jesus? Er gibt mir die Vollmacht, Kind Gottes zu werden. Ein Kind Gottes zu werden liegt ganz jenseits meines Vermögens. Sein Geschöpf bin ich; aber sein Kind sein ist mehr als Geschöpf sein. Kindschaft ist nicht nur Abhängigkeit von Gottes Macht, sondern auch Anteil an Gottes Leben. Sie stellt zwischen ihm und mir eine Gemeinschaft her, die ich Verkehr mit Gott nennen darf, ein Gekanntsein von ihm, durch das ich ihn kenne, ein Geliebtsein von ihm, durch das ich ihn liebe, ein Gebrauchtwerden von ihm, durch das ich sein Mitarbeiter bin. Wie soll ich zu dieser Höhe emporgelangen? Machen, fordern, erlisten lässt sich Gottes Kindschaft nicht. Dazu ist Ermächtigung nötig und diese uns zu geben ist der Beruf Jesu, durch den er sich uns als unseren Herrn in Herrlichkeit offenbart. Kinder entstehen nur durch den Vater. Indem Jesus uns in die Kindschaft Gottes führt, handelt er an uns in Gottes Macht und Gnade. Ficht mich ein Zweifel an, ob ich so Großes von mir sagen und das, was ich bin, als Gottes Gabe schätzen darf, ob das, was ich denke, Gottes Wort und das, was ich will, Gottes Wille sei, so gibt mir der Name Jesu auf meine Frage die Antwort. Ich darf nicht nur, ich muss mich zu Gott als meinem Vater halten; sonst löschte ich den Namen Jesu aus meiner Seele aus.
Dass ich als dein Kind, Vater, zu dir bete, ist das Zeichen deines Geistes, der Abglanz aus Jesu Herrlichkeit, der Inbegriff und die Summe deiner Gaben. Darin ist alles beschlossen, was ich besitze, was ich bedarf, worum ich bitte. Unser Vater bist du, der Vater der ganzen Schar, zu der das Wort Jesu kommt. Uns allen reichst du dies als deine Gabe dar, dass wir deine Kinder werden. Amen. (Adolf Schlatter)

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nt/43/johannes_1_12.txt · Zuletzt geändert: von aj
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