Johannes 19,26

Johannes 19,26

Andachten

Da nun Jesus seine Mutter sah, und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn. Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Erinnert Maria, die unter dem Kreuz stehende Mutter Jesu, uns nicht an Eva, die vor dem Paradiesesbaum stehende Mutter des Menschengeschlechts? Eva sah an den verbotenen Baum, und seine Frucht gereichte ihr zum Tode; diese sieht an den verheißenen Baum des Lebens, und wird durch dessen Frucht in ihrer Todesangst erquickt. Es stunden aber neben Maria noch zwei andere schwache Frauen, und beschämten diese schwachen Werkzeuge nicht die Jünger Jesu, welche alle, den einigen Johannes ausgenommen, die Flucht ergriffen hatten? Wer schwach ist, der stelle sich unter das Kreuz Christi; dort wird er stark. Man hat zarte Jungfrauen gesehen, die in den ersten Christenzeiten sich den Löwen vorwerfen ließen, und schwache Jünglinge, die sich nicht das Geringste zugetraut hatten, für ihren Meister zu leiden, gingen siegreich durch alle Folterqualen hindurch in den Zeugentod. Sehen wir nie auf uns selber, es gibt unter dem Kreuz Christi einen Reichtum, der da erkennen lässt, welches da sei die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, die wir glauben, nach der Wirkung seiner mächtigen Stärke. Johannes geht auch nicht leer aus unter dem Kreuz seines Meisters. Wir sehen hier ein doppeltes Vermächtnis: die Mutter Jesu erhält einen neuen Sohn, und Johannes eine neue Mutter. Welche Bande sind die stärksten? Sind es nicht die, welche die blutende Liebe Jesu Christi um uns geschlungen hat? Jesus hatte Brüder, hätte er seine Mutter nicht einem unter ihnen hinterlassen können? Aber wer sind seine Brüder? Er sagt es uns selbst: die, welche Gottes Wort hören und bewahren. Wie reich sind wir, wenn wir unter. dem Kreuz Christi etwas erhalten haben! Ein Liebesvermächtnis des Herrn bindet fester als alle Kontrakte vor dem Notarius. Sterbend sagt der Herr seiner ganzen Jüngerschar: Was ihr getan habt an dieser Geringsten Einen um meinetwillen, das habt ihr mir getan. (Friedrich Lobstein)


Weib, siehe, das ist dein Sohn! - Siehe, das ist deine Mutter!
Vom Kreuze sehen die Augen Jesu hernieder. Heilige, freundliche Augen Jesu, Brunnen der Barmherzigkeit und des Lebens, Augen sonder Schlaf und Schlummer! Einmal sind diese Augen für mich im Tode gebrochen, damit ich meine Augen zu Gott im Himmel aufheben mag. Nun durchleuchten Jesu Augen den Himmel, erfreuen die heiligen Engel und Auserwählten und sehen hernieder in die Tiefe und in mein Verborgenes. Herr, ich bin fröhlich über Deiner Güte, dass Du mein Elend ansiehst und erkennst meine Seele in der Not. Ps. 31, 8.

Maria, die Mutter Jesu und Johannes, der Jünger Jesu, stehen zusammen. Wie kommt es, dass Maria neben Johannes und Johannes neben Maria steht in dieser Welt, in welcher Feder allein geht und steht, es sei denn, dass die Menschen zusammen gehen und sitzen, um zusammen zu sündigen Herr, ich weiß, was die Mutter und den Jünger zusammengeführt hat; das bist Du und Dein Kreuz und Deine Hand und Deine Augen und Dein guter Geist. Ich weiß auch, dass Du uns den guten Geist gegeben hast, durch welchen die Deinen ebenso gewiss absehen von allem Andern, als sie hinsehen auf Dich und Dein Kreuz. Damit bringst Du uns zusammen, dass Du Jeden einzeln zu Dir bringst. Gib mir, dass ich stehe unter Deinem Kreuze und zu Dir aufsehe. Dann stehe ich neben Maria und Johannes und stehe zusammen mit allen Deinen Kindern; dann sehe ich, was alle Propheten und Apostel gesehen haben, Dich, Deine Leiden und Deine Herrlichkeit danach.

Weib, siehe, das ist dein Sohn. - Siehe, das ist deine Mutter. Was Wunder, dass der Jünger die Mutter von Stund an zu sich nahm! Christenseelen verstehen in kurzen Worten viel. Maria und Johannes sind zusammengeblieben und haben sich das Leben versüßt. Das ist teuflisch, dem Andern zur Qual zu leben das ist göttlich, des Nächsten Last und ihn selbst zu tragen, das Tränenbrot mit ihm zu teilen und ihm das Freudenbrot zu gönnen. O mein Heiland, ich höre und verstehe Dein Wort und schäme mich, wenn ich meiner Ungeduld und all meines unleidlichen Wesens gedenke, wodurch ich meiner Seele geschadet und meinen Nächsten betrübt habe. Ich bitte Dich sehr, Du Mann der Kraft und Quell der Barmherzigkeit, Jesu mein Heiland, gib einem Müden Kraft und einem Unvermögenden Stärke, dass ich Deinen Kindern zur Freude und zum Trost leben mag. (Theodor Schmalenbach)


Weib, siehe das ist dein Sohn! - Siehe das ist deine Mutter!
Die stolz vermessenen Männer, die mit dem Herrn Jesu in den Tod gehen wollten, wo sind sie? Sie sind geflohen und verborgen. Aber die schwachen Frauen sind die letzten am Kreuz, und die ersten am Grabe. Im Reiche Gottes gilt eben nicht Mann noch Weib, sondern der neue Mensch in Christo Jesu, und des Herrn Kraft ist in den Schwachen mächtig. - Johannes und die Frauen hatten von ferne den Augenblick erwartet, wo es um das Kreuz her ein wenig stiller wird. Die Spötter und Neugierigen verlaufen sich um die Mittagszeit; da kommen jene heran und stehen da. Jetzt drang das Schwert durch Maria's Seele, als die schmerzensreiche Mutter den, den sie gebar, den sie liebt, den sie ehrt, an den sie glaubt, in seiner Qual sieht. Dazu, ihr Mann ist tot, ihr Sohn am Kreuz - wer wird die Witwe trösten und erhalten? Der Herr erblickt sie, und sie durch und durch verstehend, deutet Er mit dem Haupt auf Johannes und spricht: „Weib, stehe, das ist dein Sohn“ und zu Johannes „,Siehe, das ist deine Mutter.“ Weib, redet der Herr seine Mutter an, nicht um ihr Mutterherz zu schonen, nicht um sie dem Hohne der Kriegsknechte zu entziehen, Er hätte sie in dem Falle ebensowenig zu nennen brauchen, wie Er den Johannes nannte sondern um ihr auf zarte und doch verständliche Weise zu erkennen zu geben, dass nun ihr Mutterverhältnis zu Ihm und sein Sohnesverhältnis zu ihr für immer aufgehoben ist. Die verwandtschaftlichen Verhältnisse sind von Gott für diese Welt geordnet, an den Pforten der Ewigkeit lösen sie sich und schon auf dieser Erde dürfen sie dem höheren göttlichen Berufe nicht hinderlich sein. Darum, als Jesus das Wort predigte, und seine Mutter und seine Brüder angemeldet wurden, sagte er: „Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder? Wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, derselbe ist mein Bruder, Schwester und Mutter.“ - Jetzt, wo Er das Lösegeld bezahlt für die Sünden der Welt, sorgt Er wohl noch in wunderbar zarter Liebe für seine Mutter, aber ihr Sohn hat Er aufgehört zu sein. Er nimmt mit solchen Worten von ihr Abschied und überweist sie dem Johannes, der sie auch von Stund an zu sich nimmt, sie in sein Haus führt, und ihr so den Anblick des Todes Jesu erspart. Erst am Nachmittag, nachdem der Herr bereits verschieden war, kehren sie zum Kreuz zurück. - Während der Herr seine beiden ersten Worte am Kreuze als Hoherpriester und König spricht, redet er das dritte als Menschensohn. In den Augenblicken, wo seine Seele den Riesenkampf zwischen Himmel und Hölle auskämpfte, wo er Gottes Nähe nicht mehr fühlte, hat er doch noch Gedanken fürsorgender Liebe für seine zurückbleibende Mutter. Seele, sollte, der für seine Mutter so liebreich sorgte, da er in tiefsten Nöten war, nicht auch für dich sorgen, jetzt wo er in aller Gottesfülle und Majestät thronet? Der noch sterbend das Liebesgebot für seine Gemeinde bestätigt und die Versorgung der Seinen durch die Seinen anordnet, der wird auch fort und fort den Geist der Liebe in seiner Gemeinde ausgießen und erneuen. Er spricht noch immer das doppelte Wort: Siehe, da hast du einen Sohn, eine Stütze, einen Versorger, da hast du eine Mutter, Schwester, Bruder zu versorgen. Solches Wort zu vernehmen und anzunehmen sei uns die größte Gnade und Ehre, nicht bloß, wenn es lautet: da hast du einen Pfleger; sondern auch das andere: da wird dir ein Pflegling übergeben. (Anton Camillo Bertoldy)

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