Johannes 18,4
Andachten
Jesus sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Sie antworteten: Jesum von Nazareth! Und Jesus spricht zu ihnen: Ich bins.
Uns Allen gilt ja die Frage: Wen sucht ihr? Im Suchen ist jeder begriffen, so lange er lebt. Alle suchen Glück, Frieden; aber die Meisten auf falschem Wege. Sie werden alle betrogen; denn es ist in keinem Andern Heil, denn allein in Jesu Namen. Wen sucht ihr? ihr Wanderer, ihr Mitpilger? Wonach laufet und rennet ihr, woran setzt ihr eure ganze Lebenskraft, wofür müht ihr euch ab im Schweiß des Angesichts; wofür opfert und entbehrt ihr, von eurer Jugend an bis dahin, dass eure Knie müde werden? Was sucht ihr? Blos dies, dass ihr Nahrung und Kleidung habt? Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein, und ihr habt auch eine Seele, die hungert, die verschmachtet. Wonach sucht ihr? Blos dies, dass ihr eure Kinder einmal wohlversorgt wisst? Aber sie können euch die Todesstunde nicht erhellen, sie können euch das Sterben nicht erleichtern. Wonach sucht ihr? Blos dies, dass ihr einen guten Namen bei den Menschen habt? Aber wie bald, und ihr seid von Allen vergessen! Du, Jugend, in deiner frischen Kraft, und du, müder Bilger, im grauen Haar, wen sucht ihr? O dass ihr Alle im rechten Sinn antworten könntet: Wir suchen Jesum von Nazareth, Jesum als unser Heil und Leben, Jesum als unserer Seelen Seligkeit. Wir suchen Jesum und fein Licht, Alles Andere hilft uns nicht. Zu ihm ist unser Herz geschaffen, und darum ist es ruhelos, bis es ruht in ihm. Jesus antwortet: Ich bins, mächtiges Wort, töne von Gethsemane und aus jener Stunde über alle Zeiten und Orte; wirf auch heute nieder die Verächter, die dem Herrn trotzen. Wirf nieder die Feinde, die den Herrn verfolgen, wie du den Jünger auf dem Weg nach Damaskus niederwarfst: Ich bins, bin Jesus, den du verfolgst; erschüttere die Gottlosen, stärke die Gläubigen, richte auf die Verzagten, die zweifelnd fragen: Bist du, der da kommen soll? Ich bins, erschalle immer wieder, zum Trost den Einen, zum Gericht den Andern; bis einst am Ende der Tage über Allen, die in den Gräbern liegen, die Stimme des Sohnes Gottes erschallt: Ich bins, das A und das O, der Anfang und das Ende; ich habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.(Adolf Clemen)
Und Jesus sprach zu den Dienern: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesum von Nazareth. Jesus spricht zu ihnen. Ich bin's.
Wenn die Feinde dem Herrn nachziehen, dann sollte es wohl die Heilsbedürftige gläubige Gemeinde nicht tun? Sie geht mit. Und so richtet er auch an dich die Frage: „Wen suchst du?“ Wen suchst du in dieser Nacht? Bist du fertig mit der kalten Antwort: „Jesum von Nazareth?“ Bist du fertig mit dieser Notiz von Namen und Heimat? Nein, das geht nicht, du musst mehr suchen. Wen suchst du? „Ich suche den, um den es auch in der finstersten Nacht helle ist. Ich suche den, dem alle Bosheit der Welt keinen Sündenflecken in die Seele werfen kann. Ich suche den, aus welchem die Liebe und die Heiligkeit nur umso heller herausleuchtet, je mehr sich die Bosheit in ihren Grimm gegen ihn steigert.“ Aber das ist noch nicht genug. „Ich suche den, der für mich gebunden wird, damit ich frei werde; der für mich zur Sünde gemacht wird, damit ich in ihm werde die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Ich suche meinen Heiland, meinen Erlöser; ich suche mein Leben und meine Liebe.“ Und er antwortet: „Ich bin es.“
Herr Jesus Christus, du bist uns zu suchen gegangen. Da du vom Himmel auf die Erde herniederkamst, da suchtest du uns. Da du arm und verachtet das Land durchzogst und in Wort und Tat dein Netz auswarfst, da suchtest du uns. Als du am Kreuze deine Arme ausbreitetest und für alle armen Sünder littest, batest und starbst, da suchtest du uns. Als du nach deiner Auferstehung die zerstreute Herde wieder sammeltest, da griffst du in die Zukunft hinein und suchtest uns. Da du den heiligen Geist sandtest, um deine Kirche hinieden zu bauen, da suchtest du uns. Und im heiligen Geist durch dein Wort und Sakrament suchst du uns immer noch. Du lässt dich die Mühe um die ärmste und verlorenste Seele nicht verdrießen. O Herr, aus deinem Suchen nach uns lehre uns dich suchen. Herr lass uns dich suchen, nicht damit wir dich töten, sondern damit wir dich haben, halten und behalten als unseren Heiland, unseren Mittler, und unsere Gerechtigkeit. O Herr, lass dich finden, lass dich finden! Amen. (Friedrich Ahlfeld)