Johannes 17,24
Andachten
“Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.“
Hat uns der Heilige Geist innerlich das Zeugnis gegeben, dass das wirklich uns gilt: „die du mir gegeben hast“, dann soll das „Wo“ des Heilands auch unser „Wo“ werden. Seine Bitte klingt an dieser Stelle so eigentümlich befehlend: „Ich will“, dass wir den Eindruck bekommen, als bitte er jetzt nicht mehr, sondern zeige nur an, was er beschlossen hat. Und diese feste Tatsache bezieht sich auf unser Glück, dass wir nahen, lebendigen Anteil bekommen sollen an Jesu ewiger Herrlichkeit. Wir können uns das nicht vorstellen, unsere stärkste Phantasie hat keine Farben, das Bild zu malen, und doch können wir uns darauf freuen, weil wir Zutrauen zu Jesus haben und wissen, was wir an ihm haben. Der uns hier auf Erden so ob über Bitten und Verstehen geholfen und bisweilen so unsäglich wohlgetan hat - der kann sicherlich uns in einem andern Leibe, einer andern Umgebung, wo wir selbst ohne Sünde sein werden, noch ganz unaussprechliche Freuden bereiten. Hier auf Erden seine Schmach mit ihm geteilt - einst seine Herrlichkeit mit ihm zusammen genossen! Das eine ist kurz und zeitlich, und wenn man's recht bedenkt, gar nicht so schlimm, und das andere ist ewig und über alles Träumen hinaus herrlich!
Auch wenn du, Herr Jesus, uns keine solche Herrlichkeit verheißen hättest - wir können von dir nicht lassen. Und wenn es nur dein Wohlgefallen wäre, das ewig auf uns ruht, dann folgten wir dir unser Leben lang. Gelobt sei dein Name! Amen. (Samuel Keller)
Vater, Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast, dass sie Meine Herrlichkeit sehen.
Wegen dieser Fürbitte des Sohnes Gottes konnte Paulus Phil. 1,23. schreiben: ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein, und 1 Thess. 4,17.: wir werden bei dem HErrn sein allezeit, ingleichen Johannes 1 Joh. 3,.: wir wissen, dass wir Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Große Verheißungen! in eben den himmlischen Tempel aufgenommen werden, in welchem Christus Sein Priestertum verwaltet, Offenb. 7,15. Hebr. 8,2., und in der Stadt Gottes wohnen, welche eine Hütte Gottes bei den Menschen sein, und in welcher der Thron Gottes und des Lammes sein wird, Offenb. 21,3. 22., und die Herrlichkeit Jesu sehen, und durch dieses Sehen Ihm gleich werden, gleichwie ein reiner Spiegel, wenn er gegen die Sonne gehalten wird, voll Licht und Glanz und der Sonne gleich wird. Dieses ist die Hoffnung aller derjenigen, die der Vater dem Sohn gegeben, und diese sind erstlich die Auserwählten und Gläubigen, die vor Christo gelebt haben, hernach die Jünger und Jüngerinnen, denen Er den Namen Seines Vaters in den Tagen Seines Fleisches offenbarte, Joh. 17,6., und endlich alle diejenigen, die bis ans Ende der Welt durch das Wort der Apostel an Ihn glauben werden V. 20. Diese Alle sind von dem Vater dem Sohn als ein Eigentum, als eine Beute, als ein Volk, als eine Herde gegeben. Sie sind Ihm schon durch eine ewige Erwählung gegeben worden, ehe der Welt Grund gelegt ward; in der Zeit aber zieht der Vater alle diese Erwählten zu dem Sohn, und übergibt sie Ihm wirklich. Wir können in die ewige Erwählung, oder in die Tiefen der Gottheit nicht geradezu hineinsehen, und wollen da den Anfang nicht machen, wenn wir unsere Zufriedenheit und unsere Hoffnung gründen wollen, sondern uns selbst erforschen, ob wir uns von dem Vater zu dem Sohn ziehen lassen, und ob wir durch das Wort der Apostel an den Sohn gläubig worden seien, und nun gern mit Leib und Seele ewiglich Sein Eigentum sein wollen. So gewiss wir sind, dass wir diesen Sinn bis an unser Ende durch Seine Gnade behaupten können und werden, so gewiss sind wir auch, dass wir dem Sohne vom Vater von Ewigkeit her gegeben worden; wie denn auch Paulus Eph. 1,.4. erstlich Gott und den Vater unsers HErrn Jesu Christi lobt, weil Er ihn und Andere mit einem geistlichen Segen in himmlischen Gütern durch Christum gesegnet habe, und hernach erst mit diesen Mitgenossen des geistlichen Segens auf die ewige Erwählung zurücksieht. Lasst uns nur im Glauben treu sein, und bis ans Ende beharren: was der eingeborne Sohn von dem Vater begehrt hat, wird uns alsdann gewisslich zu Teil werden. Kein Mensch hätte mit seinem Verlangen bis zu dem Sein bei Christo und bis zu dem Sehen Seiner Herrlichkeit aufsteigen können, wenn nicht Christus vorangegangen wäre, und Sein Geist alsdann die Herzen der Gläubigen zu dieser Hoffnung erweckte. Wir sind nicht wert, dieses herrliche Ziel zu erlangen; aber der Sohn Gottes ist’s wert, dass der Vater tue und gebe, was Er will. Gelobt sei der HErr Jesus, dass Er uns die Hoffnung gegeben hat, nach der Vollendung der Pilgrimschaft ewiglich bei Ihm zu sein und Seine Herrlichkeit zu sehen! (Magnus Friedrich Roos)
Vater Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast, dass sie Meine Herrlichkeit sehen, die Du Mir gegeben hast.
Mit einer Freimütigkeit, welche nur dem eingeborenen Sohn Gottes gebührt, sagt der HErr Jesus in Seinem Gebet: Vater Ich will. Kein Prophet, kein Apostel hat jemals so zu Gott gesagt. Am Ölberg sagte der HErr Jesus: nicht Mein Wille, sondern Dein Wille geschehe, und meinte, da Er von Seinem Willen redete, den Willen Seiner dem Vater zum tiefsten Gehorsam unterworfenen, aber doch schwachen menschlichen Natur. Joh. 17. aber sagte Er als Gottmensch, und als der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist: Vater Ich will, und war gewiss, dass, was er wollte, auch der Vater wollte. Was wollte Er denn? Ich will, sagte Er, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast, dass sie Meine Herrlichkeit sehen. Wo ist denn Christus, nachdem Er in die Herrlichkeit aufgenommen worden? Er hat es selber angezeigt, da Er sagte: Ich gehe hin zu Dem, der Mich gesandt hat; Ich verlasse die Welt und gehe zum Vater, und da Er betend zu Seinem Vater sagte: Ich komme zu Dir, verkläre Mich nun bei Dir selbst. Christus ging zu Seinem Vater: wer also nach dem Tod da ist, wo Christus ist, der ist auch bei dem Vater, nämlich in des Vaters Haus, wo viele Wohnungen sind, im Tempel Gottes und vor Seinem Thron, und im neuen Jerusalem, welches eine Hütte Gottes bei den Menschen sein wird. Stephanus betete, als er sterben sollte. HErr Jesu nimm meinen Geist auf. Der Geist des Stephanus kam also zu dem HErrn Jesu, da er aus der irdischen Hütte ging, und eben dieses wird den Geistern oder Seelen aller Gerechten widerfahren, und doch wird das Sein bei Christo erst am jüngsten Tag seine Vollendung erreichen; denn Er wird alsdann noch zu den Gerechten sagen: kommet her, und sie werden, wenn sie dem HErrn in der Luft werden entgegen gerückt sein, also auf eine neue Weise, bei dem HErrn sein allezeit, 1 Thess. 4,7. Wer aber bei Christo ist, sieht auch Seine Herrlichkeit. Die Apostel sahen sie bei Seiner Taufe, bei Seinen Wundern, bei Seiner Verklärung auf dem Berge, und nach Seiner Auferstehung, doch war dasjenige, das sie sahen, eine noch verhüllte Herrlichkeit. Wenn man aber Jesum sehen wird, wie Er ist, so wird man Seine Herrlichkeit als ganz aufgedeckt sehen. Es ist die Herrlichkeit, welche Er schon als das Wort bei dem Vater gehabt hatte, ehe die Welt war, folglich eine göttliche Herrlichkeit, die aber Ihm hernach auch als einem Menschensohn gegeben ward, folglich im Himmel aus Seiner menschlichen Natur herausleuchten wird. Wer sie sieht, in dem spiegelt sie sich, in wem sie ich aber spiegelt, der wird in Sein Bild verklärt, und dieses fängt nach 2 Kor. 3,18. schon in dieser Welt bei den Gerechten an, wird aber in jener Welt vollkommen geschehen. Es wird nach dem Willen des Sohnes Gottes bei Allen geschehen, die Ihm der Vater durch Seine ewige Gnadenwahl und durch Seinen kräftigen Gnadenzug gegeben hat. HErr Jesu, ich bin Dein: Dein Wille geschehe auch an mir. Lass mich immer gewisser werden, dass ich auch unter denjenigen sei, die Dir der Vater als eine Beute und al ewiges Eigentum gegeben hat. (Magnus Friedrich Roos)
“Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die Du mir gegeben hast.“
Tod, warum rührst du den Baum an, unter dessen weitschattenden Zweigen der Müde Ruhe findet? Warum raubst du die Trefflichsten von dieser Erde, an welchen wir unsere höchste Wonne haben? Wenn du deine Axt gebrauchen willst, so versuche sie an den Bäumen, die keine Frucht geben, so wirst du dir Dank verdienen. Warum aber schlägst du die herrlichen Zedern auf Libanon? Du, halt inne mit deinen Schlägen und verschone die Gerechten! Aber nein, es darf nicht sein; der Tod trifft mit unwiderstehlicher Kraft die holdseligsten unter unsern Freunden; die Großmütigsten, die Gottesfürchtigsten, die Geheiligtsten, die Gesalbtesten müssen sterben. Und warum? Weil der Herr Jesus in Seinem hohenpriesterlichen Gebet gefleht hat: „Vater, Ich will, dass, wo ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast.“ Das ist's, was sie auf Adlers Flügeln gen Himmel trägt. Immer und immer wieder steigt ein Kind des Glaubens von dieser Erde zum Paradies empor; es ist eine Erhörung des Gebets unsers Heilandes. Ein trefflicher, alter Gottesmann sagt: „Manchmal arbeiten Jesus und die Seinen einander im Gebet entgegen. Ihr beugt euere Kniee im Gebet und sprecht: Vater, ich will, dass, wo ich bin, Deine Heiligen bei mir seien; Christus spricht: Vater, Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast.“ So streitet die Absicht des Jüngers mit derjenigen seines Herrn. Die Seele kann nicht an beiden Orten zugleich sein; der Geliebte kann nicht zugleich bei Christo und auch bei euch sein. Nun, welche von beiden Bitten wird wohl den Sieg davon tragen? Wenn du wählen dürftest; wenn der König von Seinem Throne herabstiege und sagte: „Hier sind zwei Bittsteller, deren Anliegen einander zuwider laufen, welchem soll ich seine Bitte gewähren?“ O, ich bin gewiss, wenn es dich auch einen schweren Kampf kostete, so würdest du doch von deinen Knieen aufstehen und sagen: „Herr Jesu, nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe!“ Du würdest deine Bitte um das Leben deines Geliebten dahingeben, wenn du die Gewissheit hättest, dass Christi Gebet es anders will: „Vater, Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast.“ Herr, so nimm sie hin zu Dir! (Charles Haddon Spurgeon)
Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward.
Willst du auch bei Jesu sein, auch eine Himmelfahrt haben, wie er? „Ja,“ sagt ihr Alle. Ja, ihr könnt sie haben. Erworben hat sie der Herr Allen. Vergesst es nur nicht: Ohne eine Himmelfahrt im Leben gibt es keine Himmelfahrt nach dem Leben. Gezogen hat er uns genug. Er hat uns je und je geliebt; darum hat er uns zu sich gezogen aus lauter Güte. An uns ist es, dass wir uns ziehen lassen. Lass dich von der Erde, von der Sünde und von dem Fürsten dieser Welt nicht halten. Die Erde kann dir doch Nichts bieten als vergängliche Güter. Die Sünde gibt dir, trotz aller Versprechungen, doch Nichts, als den Anfang der Hölle im eigenen Herzen. Der Fürst dieser Welt endlich kann nicht mehr geben, als er selbst hat, nämlich die ewige Verwerfung und die ewige Hölle. An uns ist es, dass wir unseren Wandel im Himmel führen, von dannen wir 'auch warten der Zukunft unseres Herrn Jesu Christi, welcher unseren nichtigen Leib verklären wird, dass er ähnlich werde seinem verklärten, himmlischen Leibe, nach der Wirkung, damit er kann alle Dinge ihm untertänig machen.
Herr, wir freuen uns, dass du thronst und herrscht gewaltig im Himmel und auf Erden. Du bist und bleibst der König der Kirche. Herr, wir danken dir, dass du gegangen bist und uns die Bahn gebrochen hast. Du hast es verheißen: „Wenn ich nun werde erhöht sein, will ich euch Alle zu mir ziehen.“ Herr, so ziehe denn! Ziehe durch deinen wunderbaren Heimgang. Ziehe durch deine Liebe und dein Wort. Ziehe uns in den Glauben; denn wenn wir im Glauben stehen, wandeln wir, obgleich auf Erden, doch schon im Himmel. Herr, ziehe uns, wenn unser legtes Stündlein kommt, in den Himmel zu dir. O gib Gnade, dass unser Tod eine Himmelfahrt werde. Unten die Gruft, oben der Himmel! Zeuch uns nach dir, so laufen wir. Amen. (Friedrich Ahlfeld)
Vater, ich will, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward.
Wenn wir dieses benedeite Wort lesen oder hören, dann mag wohl unser erstes Gefühl sein, dass wir auf die Knie fallen möchten und danken; denn es entrückt uns aller Furcht, es stillt alles Zagen und Fragen, es schließt unfehlbar den Himmel auf, ja, das innerste Herz Gottes selber. Hierher sollen kommen alle angefochtenen Seelen und geängsteten Gewissen! Dieses königliche und doch leutselige: „Ich will!“ ist wie die Sonne, vor welcher Nacht und Nebel fliehen müssen! - O, mein Heiland! was willst Du denn? was hast Du mit uns armen Sündern im Sinn? Wahrlich, das Allergrößte, was sich nur denken lässt: dass wir bei Dir seien, wo Du bist, und Deine Herrlichkeit sehen, die der Vater Dir gegeben hat! Das ist es, wovon St. Paulus sagt: was kein Aug' gesehen und kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz gekommen ist. Und worin besteht diese Herrlichkeit? Jesus sagt es hier: Du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward. Also das Geliebt sein des Sohnes vom Vater von Ewigkeit her, das ist die Herrlichkeit, die wir sehen sollen, wenn wir bei Ihm sind! Das nennt Johannes, der heilige Seher, in der Offenbarung: „den kristallenen Strom, der aus dem Thron des Lammes“ quillt. Wozu hat der Herr solche überschwänglich große Aussicht den Seinen eröffnet? Dass sie nicht matt und müde werden, sondern, auf Ihn harrend, immer wieder auffahren mit Adlerflügeln! Dass keiner, der solche Verheißung hat, sich festwohne hier im Irdischen, oder träge werde im Trachten nach dem, was droben ist! Seht, hier ist die Kraft aus der Höhe, die soll uns aufwärts ziehen immerdar. (Nikolaus Fries)