Johannes 15,7
Andachten
„So ihr in mir bleibet.“
So ihr in mir bleibet. Weil gläubige Christen es gar oft empfinden, dass es ihnen an vielem gebricht, ja dass sie weit entfernt sind von der reichen Vollsaftigkeit, wie sie zu einem schönen Fruchtertrag erforderlich ist, deswegen folgt jetzt dieser ausdrückliche Zusatz: mag den Gliedern Christi auch noch mancherlei fehlen, so liegt doch für sie jegliche Hilfe bereit, sobald sie nur darum bitten. Bist du in Christo, so wisse, - was dir auch fehlen mag, sobald du Gott anflehst, ersetzt seine Hilfe deinen Mangel. Wie nützlich ist doch diese Erinnerung! Um uns in eifrigem Beten zu üben, duldet es der Herr nicht selten, dass wir inneren Mangel haben. Fliehen wir aber zu ihm, so wird er sich niemals unseren Bitten entziehen, wird aus seiner unerschöpflichen Fülle uns darreichen, was uns not tut (1. Kor 1, 5). Wenn Jesus sagt: Wenn meine Worte in euch bleiben, so deutet er damit an, dass wir durch den Glauben in ihm Wurzel treiben. Sobald du dich von der Lehre des Evangeliums entfernst, suchst du Christus da, wo er nicht ist. - Wenn Jesus übrigens verheißt: Ihr werdet bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren, so räumt er uns damit nicht eine unbegrenzte Bittfreiheit ein. Wie schlecht würde Gott unser wahres Wohl bedenken, wenn er zu allem zu haben wäre und uns jeden Gefallen täte. Bekanntermaßen betreiben die Menschen in zahllosen Fällen eine ganz verkehrte Beterei. Gerade an dieser Stelle bindet Christus das Gebetsleben seiner Jünger an fest abgemessene Schranken: alle ihre Gedanken haben sie dem heiligen Gotteswillen unterzuordnen. Man beachte den ganzen Zusammenhang unserer Stelle. Das „Wollen“, von dem Jesus hier redet, bezieht sich nicht auf Reichtum, irdische Ehren oder dergleichen Dinge, wie sie ein fleischlicher Mensch in seiner Torheit sich ausbitten würde, sondern es bezieht sich auf den Lebenssaft Heiligen Geistes, der den Christen zu einer traubenbeladenen Rebe macht. (Jean Calvin)
So ihr in Mir bleibt, und Meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Jakobus sagt, wir sollen im Glauben bitten, Christus selbst aber, wir sollen in Seinem Namen bitten, und Johannes, wir sollen nach Gottes Willen bitten, und bei allen diesen Anweisungen wird auch die Erhörung des Gebets verheißen. Dieses Alles aber lehrt Christus, indem Er sagt: so ihr in Mir bleibt, und Meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Ein Christ ist durch den Glauben in Christo Jesu, und hält Seinen Jesusnamen für den Grund seiner Zuversicht gegen Gott. Er ist mit Christo vereiniget, wie eine Rebe mit dem Weinstock, folglich lebt er nicht mehr sich selber. Der HErr Jesus ist auch in ihm, wie Er selbst Joh. 15. und 17. mehrmalen sagt. Er sagt aber Joh. 15,7., da Er vom Bitten redete, dass Seine Worte in Seinen Jüngern bleiben, weil Er Sich ihnen, indem Er in ihnen ist, durch Seine Worte offenbart, und weil Seine Verheißungen bei dem Beten die Zuversicht erwecken, und Seine Gebote die Materie an die Hand geben. Die Worte Jesu bleiben in uns, wenn wir sie nicht nur im Gedächtnis behalten, sondern wenn auch der Eindruck, den sie in uns gemacht haben, in uns bleibt, da wir dann durch den Heiligen Geist zu rechter Zeit immer auch wieder daran gemahnt, und auf diese Weise tüchtig gemacht werden, den HErrn Jesum im Glauben zu bitten, dass Er Seine wahrhaftigen Worte an uns erfülle. Gleichwie also das ganze Christentum im Glauben an den Namen Jesu in der tiefsten Unterwürfigkeit unter Gott geführt werden muss, also muss auch das Beten auf diese Weise geschehen. Ein Christ darf nicht als eine trotzige, eigenwillige und unbotmäßige Kreatur bitten, sondern muss bei dem Bitten in Christo Jesu sein, und Seine Worte in sich haben; alsdann darf er bitten, was er will, und es wird ihm widerfahren. Große Verheißung! Gott will Alles, was gut ist. Weil aber des Guten viel ist, und Gott nach Seiner unumschränkten Freiheit Seinen Zweck durch vielerlei Mittel erreichen kann, so sieht Er bei der Wahl der Mittel auch auf den Willen des gläubigen Beters, und lässt ihm widerfahren, was er bittet; da er hingegen ohne dieses Bitten etwas Anderes hätte geschehen oder ihm gar des Guten mangeln lassen. Der HErr Jesus sagte Seinen Jüngern Joh. 14.15. und 16.: Er wolle ihnen bald Seine sichtbare Gegenwart entziehen, sie aber werden von Ihm zeugen, dabei aber den Hass der Welt erfahren. Da sie sich nun hierbei ängstlich hätten bekümmern und fragen können, wie sie sich in diesem oder jenem Fall verhalten und durchbringen müssen, so versprach Er ihnen anstatt weitläufiger Anweisungen den Beistand des Heiligen Geistes, und wies sie auf das Bleiben in Ihm selbst, auf die Bewahrung Seiner Worte, und auf das Bitten. Nun dieser Trost und diese Anweisung des HErrn Jesu gilt auch uns, die wir in der argen Welt leben, und Ihm unter vielen Versuchungen dienen sollen. Wenn wir in Christo Jesu bleiben, und Seine Worte in uns behalten, und nach denselben bitten, so wird uns, bei dem täglichen Gefühl unserer Schwachheit, nichts mangeln (Ps. 23,1.), der HErr wird immer das Nötige geben, und Alles wohl machen. (Magnus Friedrich Roos)
So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Notwendigerweise müssen wir in Christo Jesu sein, um Ihm zu leben, und wir müssen in Ihm bleiben, um die Gabe dieser Verheißung von Ihm beanspruchen zu können. In Jesu bleiben, das heißt, Ihn niemals um einer andren Liebe oder eines andren Gegenstandes willen verlassen, sondern in einer lebendigen, liebevollen, bewussten, willigen Verbindung mit Ihm bleiben. Der Zweig ist nicht nur stets dem Stamme nahe, sondern empfängt beständig Leben und Fruchtbarkeit von demselben. Alle wahren Gläubigen bleiben in diesem Sinne in Christo; aber es gibt noch einen höheren Sinn, und diesen müssen wir kennen, ehe wir unbeschränkte Macht am Throne erhalten können. Das „Bitten, was ihr wollt“ ist für Henoche, die mit Gott wandeln, für solche, die wie Johannes an des Herrn Brust liegen, für die, deren Verbindung mit Christo zu einer fortwährenden Gemeinschaft mit Ihm führt.
Das Herz muss in der Liebe bleiben, die Seele muss im Glauben gewurzelt sein, die Hoffnung muss mit dem Wort verkittet sein, der ganze Mensch muss mit dem Herrn verbunden sein, sonst wäre es gefährlich, uns Macht im Gebet anzuvertrauen. Die carte blanche kann nur einem gegeben werden, dessen eigentliches Leben ist: „Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ O ihr, die ihr eure Gemeinschaft unterbrecht, was für Macht verliert ihr! Wenn ihr mächtig in eurem Flehen sein wollt, so muss der Herr selber in euch bleiben und ihr in Ihm. (Charles Haddon Spurgeon)
So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Beachtet wohl, dass wir Jesum sprechen hören müssen, wenn wir erwarten, dass Er uns sprechen hören soll. Wenn wir kein Ohr für Christum haben, so wird Er kein Ohr für uns haben. In dem Maße, wie wir hören, sollen wir gehört werden.
Überdies muss das Gehörte in uns eingehen, in uns leben und muss in unsrem Inneren bleiben als eine Kraft und als eine Macht. Wir müssen die Wahrheit aufnehmen, die Jesus lehrte, die Vorschriften, die Er gab, und die Regungen seines Geistes in uns; sonst werden wir keine Macht am Gnadenstuhl haben.
Gesetzt, dass wir unsres Herrn Worte aufnehmen und dass sie in uns bleiben, welch ein schrankenloses Feld des Vorrechtes ist uns geöffnet! Wir sollen unsren Willen im Gebet haben, weil wir unsren Willen dem Befehl des Herrn schon übergeben haben. So werden Eliase eingeübt, die Schlüssel des Himmels zu handhaben und die Wolken zu verschließen oder zu lösen. Ein solcher Mann ist tausend gewöhnliche Christen wert. Wünschen wir in Demut, Fürbitter für die Kirche und die Welt zu sein und wie Luther von dem Herrn haben zu können, was wir wollen? Dann müssen wir unser Ohr neigen zu der Stimme des Hochgeliebten, seine Worte aufbewahren und ihnen sorgfältig gehorchen. Wer wirksam beten will, der muss „fleißig hören“. (Charles Haddon Spurgeon)
So ihr in mir bleibet, und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Notwendigerweise müssen wir in Christo Jesu sein, um Ihm zu leben, und wir müssen in Ihm bleiben, um die Gabe dieser Verheißung von Ihm beanspruchen zu können. In Jesu bleiben, das heißt, Ihn niemals um einer andren Liebe oder eines andren Gegenstandes willen verlassen, sondern in einer lebendigen, liebevollen, bewussten, willigen Verbindung mit Ihm bleiben. Der Zweig ist nicht nur stets dem Stamme nahe, sondern empfängt beständig Leben und Fruchtbarkeit von demselben. Alle wahren Gläubigen bleiben in diesem Sinne in Christo; aber es gibt noch einen höheren Sinn, und diesen müssen wir kennen, ehe wir unbeschränkte Macht am Throne erhalten können. Das „Bitten, was ihr wollt” ist für Henoche 1), die mit Gott wandeln, für solche, die wie Johannes an des Herrn Brust liegen, für die, deren Verbindung mit Christo zu einer fortwährenden Gemeinschaft mit Ihm führt.
Das Herz muss in der Liebe bleiben, die Seele muss im Glauben gewurzelt sein, die Hoffnung muss mit dem Wort verkittet sein, der ganze Mensch muss mit dem Herrn verbunden sein, sonst wäre es gefährlich, uns Macht im Gebet anzuvertrauen. Die carte blanche kann nur einem gegeben werden, dessen eigentliches Leben ist: „Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” 0 ihr, die ihr eure Gemeinschaft unterbrecht, was für Macht verliert ihr! Wenn ihr mächtig in eurem Flehen sein wollt, so muss der Herr selber in euch bleiben und ihr in Ihm. (Charles Haddon Spurgeon)