Johannes 15,27
Andachten
Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei Mir gewesen.
Das Zeugnis von dem HErrn JEsu Christo hat in dieser Welt etwas zu bestellen. Es wird abgelegt durch Worte, durch den Wandel, durch Leiden, durch Hingeben von Genuss und Ehre, durch Aufopfern von Hab und Gut, von Freiheit und Leben. Und das hatte der Heiland den Seinen schon vor dem Karfreitag vorausgesagt: Ihr werdet auch zeugen, aber sie werden euch in den Bann tun. Ja es kommt die Zeit, dass, wer euch tötet, wird noch meinen, er tue Gott einen Dienst daran. O schreckliche Verblendung! Meine Lieben, wie wahr hat doch der HErr die Sachen vorausgesehen und vorausgesagt! Sobald jemand ernstlich dem HErrn JEsu sich hingibt und mit Ihm, dem Lebendigen, lebt, so ist er im Bann, kein Mensch weiß, wie es gekommen ist. Stillschweigend und wie über Nacht ist er sogar bei Verwandten und seitherigen Freunden in den Bann getan. Und bald ist er schwarz überall. Tut die Augen auf und seht euch mit offenen Augen in der Welt um! Gebt einmal acht darauf, ob nicht auch in unserer Zeit das Zeugnis von JEsu mit Leiden verbunden ist! Und den: noch, Gott helfe uns, dass auch von uns wahr sei: und ihr werdet auch zeugen! Amen. (Carl Julius Römheld)
Nämlich von ihm, ihrem erhöhten Meister, werden diese bangen, unklaren, unfertigen Menschen zeugen. Und zwar wie! Was hat doch Jesu Tod und Auferstehen, Himmelfahrt und Pfingsten aus diesen Jüngern gemacht! Erfahrungen machen eben mehr aus als Bücher und Predigten, und erst recht Erfahrungen von Gott her: solche Erlebnisse, da der Lebendige sich selbst bezeugt durch ein Geschehen, das unserem Leben die Richtung und den Reichtum gibt. Dann bekommt unser Zeugnis einen eigentümlichen Silberklang der Wirklichkeit und wird ein Wärmeleiter für andere. Geschehen weckt neues Geschehen. Was Gott in unserem Leben tat, weckte in uns ein Echo, und als wir ordentlich gedrängt wurden, es weiter zu geben, riefen wir ein vielstimmiges Echo bei andern wach. Aber nicht nur ein Echo von Worten oder Tönen, sondern das Zeugnis löste bei denen, die sich ihm hingaben, ein neues Geschehen aus: auf ihren Wortglauben folgte eine Erfahrung um die andere, bis sie selbst solch eine Überzeugung bekamen, dass sie weiter Lebensträger für andere wurden. Dann aber brandet solche Wirkung unseres Zeugnisses auf uns selbst zurück als Segen und Kraft und Freude: darum ist's eine selige Sache, ein Zeuge Jesu zu sein.
Behalte mich in der Bereitung des Heiligen Geistes für und für, Herr Jesu! Es würde ohne deine Leitung ein unfruchtbarer Baum aus mir. Und ich sehne mich nach dem Echo des Zeugnisses. Stärke mir den Glauben und die Liebe. Amen. (Samuel Keller)
Und ihr werdet auch zeugen; denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.
Wie geschieht denn solch rechtes Zeugnis von Christo, worin besteht es? Ich antworte ganz einfach: in der herzlichen, demütigen, aufrichtigen Frömmigkeit. Ich wähle absichtlich diesen einfachsten, unscheinbarsten Ausdruck. Das beste in der Welt hat gewöhnlich einen unscheinbaren Namen, eine unscheinbare Gestalt. Und es ist wirklich etwas großes darum, wenn ein Mensch von Herzen fromm ist; wenn er in der täglichen Übung seiner schweren, vielleicht wenig lohnenden Pflicht lebt; wenn es ihm darum zu tun ist, in allem, was er tut, seinem himmlischen Heilande zu dienen und die Schuld empfangener Liebe abzutragen. Es ist etwas großes um diese gewissenhafte Frömmigkeit, die in der kleinsten Pflichterfüllung dieselbe Treue erweist, wie in der größten, die keinen Unterschied kennt zwischen großen Sünden, die man fliehen muss, und kleinen, die man sich gestatten dürfte; es ist etwas seltenes um einen Christen, der immer derselbe bleibt, innerlich unberührt von dem äußeren Wechsel der Dinge, immer erfüllt von demselben Geiste, von demselben Eifer, von derselben Hingebung - bei dem Gottesdienst und Tagesarbeit fast zu einem Gedanken zusammenschmelzen, wo auch mitten unter dem geräuschvollen Tagewerke die Seele doch immer ihren stillen Sabbat feiert, weil betende Gedanken die Hände fleißig machen, und die fleißigen Hände auch der Seele das tägliche Brot des innern Gottesfriedens erarbeiten. Und fröhlich sind solche Leute auch, dass jedem wohl zu Mute wird, zu dem sie kommen; recht herzlich fröhlich, denn sie wissen sich ja behütet und getragen von himmlischen Liebesarmen; sie wissen, gute Engel gehen uns zur Seite, und nichts kann uns geschehen, als was er hat ersehen, und was uns selig ist; und alle unsere Haare auf dem Haupte hat der himmlische Vater gezählt. Gutes tun sie auch, nicht einzelnes, sondern alles; aus der lauteren Quelle eines gottinnigen Herzens fließen lauter Liebestaten; aber sie wissen nichts davon; sie möchten's keinen sehen, keinen hören lassen, was durch ihre Hand geschieht, sie möchten selbst nichts davon wissen. Und solche Leute fühlen ihre Sünde am tiefsten, weil sie es mit der Sünde am genauesten nehmen; sie tun alle Tage Buße im stillen Kämmerlein und seufzen alle Tage, dass der Herr ihr Herz reiner und heiliger mache. Solche Leute sind selten, aber wo sie sind, da zeugen sie wahrhaftig von Christo, und die Welt hat vor solchen Leuten einen so gründlichen Respekt, eine so innerliche Ehrfurcht, wenn sie's auch nicht immer ausspricht, dass in der Tat manch Weltkind schon durch solchen stillen Wandel eines Kindes Gottes gründlich bekehrt worden ist, und dass, wenn's ihrer nur allenthalben mehr gäbe, die Welt bald aufhören würde, Welt zu sein. Und gerade durch die Verborgenheit predigen sie am lautesten; was die Jungfrau schön macht und gesucht, und in der Verborgenheit herrlich offenbar, nämlich die scheue weibliche, sittige Zurückgezogenheit, das macht die Kinder Gottes auch so schön und so herrlich offenbar. Nicht wahr, wir möchten solch Zeugen lernen? Nun, dazu soll uns der Sonntagsname den. Weg zeigen: Exaudi, erhöre uns, o Herr, ja höre unser Gebet und gib uns deinen Zeugengeist in unsere Herzen, damit wir durch unser ganzes Leben zeugen von deiner Herrlichkeit. Amen. (Julius Müllensiefen.)
Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen.
Der heilige Geist hat durch die Apostel gekämpft mit dem Zeugnis von Christo. Überall aber haben die Apostel ein doppeltes Zeugnis. Einmal berichten sie der Welt, was sie gesehen und gehört haben. Und dazu kommt dann ihr stiller Wandel voll Opfertreue. Sie waren Christi Nachfolger. In der ganzen Apostelgeschichte und in allen Briefen findest du kein Beispiel, wo in der Predigt, oder in einem Gespräch einen Apostel die Liebe verlassen, wo etwa der gewandte, des Gedankens und Wortes so mächtige Paulus einen Gegner mit kalter Disputierkunst zu Boden geworfen hätte. Es liegt ihm nicht daran, den Gegner zu besiegen, sondern zu gewinnen. Es durfte auch nicht anders sein. Sie sollten ja zeugen von Christo. Wie kann man mit kaltem Verstande von dem zeugen, der mit seinem Herzblute für uns gezeugt hat? Brauche diese Waffen auch. Mit Streiten kannst du Jemand dahin bringen, dass er Nichts mehr sagen kann; aber nicht dahin, dass er frage: „Was muss ich tun, dass ich selig werde?“ Das gelingt jenem doppelten Zeugnis. Mit dem ersten, dem Bekenntnis zu Jesu Christo, streuen wir den Samen in die Seele des Anderen. Und wenn dann der stille, demütige, ruhige, opferfähige Wandel dazu kommt, dann fällt in ihm der Regen auf jenen Samen. O wie viel guter Same ist nicht aufgegangen, weil es an diesem Regen fehlte! Wie viel Wort und Predigt ist vergeblich gewesen, weil wir sie mit unserem Leben nicht recht unterstützt haben!
O du Geist der Gnade und Wahrheit, du willst nicht auf den Lippen, sondern recht in der Tiefe des Herzens wohnen. Gib du uns doch den kindlichen Glauben an unseren Heiland, der alles getan, gelehrt und gelitten hat, was zu unserer Erlösung nötig war. Und dann erfülle du unsere Herzen mit neuem Leben, mit Friede und Freude und mit gottseliger Lust, uns zu verleugnen und unverrückt in den Wegen unseres Herrn zu wandeln. Erfülle uns mit dem Geiste, der von dir ausgeht. Ja mache diesen Geist so kräftig in uns, dass auch all unser Tun mit seinem Siegel bedrückt sei, und auch die Welt erkennen müsse, welches Geistes Kinder wir sind. Amen. (Friedrich Ahlfeld)
Und ihr werdet auch zeugen, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen!
Als für Jesus die Stunde nahe herbeigekommen war, in welcher er die Welt verlassen sollte, in welcher er das Werk, welches er, so lange für ihn sein Tag währte, treu gewirkt, zu weiterer Begründung und Förderung seinen Jüngern überließ, richtete er an sie mit der Verheißung des Trösters, den er ihnen senden wollte vom Vater, das ermunternde, zugleich aber auch seine gute Zuversicht aussprechende Wort: „Und ihr werdet auch zeugen von mir, denn ihr seid von Anfang bei mir gewesen!“ Dein Vertrauen, göttlicher Meister, zu den Deinen ist nicht zu Schanden geworden: die Du erwählt hattest, haben herrlich und kräftig für Dich und Deine heilige Sache gezeugt! Aber selig auch die Augen, die da sahen, das sie sahen! Uns trennt eine lange Reihe von Jahrhunderten von der Zeit, da Du auf Erden Dein Werk vollbracht; nicht mit leiblichen Augen sahen wir Deine Taten, nicht mit unseren Ohren vernahmen wir die Stimme, mit welcher Du die Worte des ewigen Lebens verkündet hast: doch aber sind auch wir nach Deiner gnadenreichen Berufung bei Dir gewesen von Anfang unsers Lebens, doch aber haben auch wir erkannt und geglaubt, dass Du von Gott ausgegangen bist! Und wie einst Deine Jünger, so rufst Du auch uns zum Zeugnis für Dich. Wenn gleich erhöht zu der Rechten Deines himmlischen Vaters, trittst Du, o Erlöser, im Geiste vor unsern Blick in Deiner Größe, in Deiner Liebe und Erbarmung! Hinweisend auf die, welche noch jetzt in der Welt sind und Dich nicht ehren, an Dich nicht glauben, Dich hassen mit Unrecht, sprichst Du zu uns: „Und ihr werdet auch zeugen von mir!“ Ich vernehme Deinen Ruf: Zeugen von Dir ist die heilige Verpflichtung für mein Leben, für mein Wirken hier auf Erden, mein Herr und Heiland! Sie zu erfüllen, ist das feierliche Gelübde, mit welchem ich auch den Morgen dieses Tage weihe; ihr nachzukommen ist die Aufgabe, der mit Gottes Hilfe und dem Beistande Seines Geistes heute mein Eifer und Bestreben gelten soll. Wohl umringt mich nicht mehr der Hass und die Bosheit, die einst den Göttlichen auf Erden verfolgten; wohl stehen mir die ferner, denen sein Kreuz ein Ärgernis oder eine Torheit ist; wohl bedarf es nicht mehr meines Zeugnisses zu seiner Verherrlichung und zur Bestätigung seines Evangeliums, das durch Jahrhunderte hindurch bewährt seine beseligende Kraft. Aber doch werden heute Gleichgültige und Kalte in ihrem Glauben mir nahen, doch werden Leichtsinnige und Verweltlichte mir begegnen, mein Ohr wird vielleicht doch die Sprache des Unglaubens und Spottes hören: da kann, da will ich zeugen von Dir, mein Heiland, dadurch, dass ich freudig bereit bin zur Verantwortung gegen Jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in mir ist, dass meine Lippen das dankbare Bekenntnis nicht zurückhalten, wie Du uns von Gott gemacht bist zur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung! - Wohl ist mir und meinem Wirken für das Gottesreich auf Erden nur ein beschränkter Raum angewiesen, aber doch kann und will ich, wie einst die Jünger, die gesendet wurden in alle Welt, um zu lehren alle Völker, zeugen von Jesu dadurch, dass ich mich in den mir gesteckten engen Grenzen als Arbeiter in seinem Weinberge erkenne und nach allen Kräften schaffe, dass sein Reich mit seinen unschätzbaren Segnungen je mehr und mehr kommt zu allen, die mit mir Ein Haus umschließt, zu allen, die mit mir berufen sind zu einerlei Hoffnung des Berufes, dass alle, die mit mir wandeln auf Einem Lebenswege, immer freudiger bekennen: Herr, wir glauben, dass Du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist! Und wäre mein Wirken zu solchem Zwecke umsonst, oder ließe mich der heutige Tag ganz getrennt stehen von Menschen, auf die mein Einfluss sich erstreckt, zeugen will ich von Dir, mein Heiland, mehr, wie mit Worten, dadurch, dass Du mit Deinem Glauben und mit Deiner Liebe in mir eine Gestalt immer mehr gewinnst, dass die Kraft Deines Evangeliums in meinem Herzen und in meinem Leben sich immer herrlicher bewährt durch gesegnete Frucht, dass in Allem, was der heutige Tag mir bringt von Hoffnungen und Sorgen, Arbeiten und Erholungen, Freuden und Leiden, Dein Name von mir gepriesen wird. So will ich zeugen heute von Dir, Herr Jesu! Möchte ich, wenn der Abend kommt, auch von Dir ein gutes Zeugnis hören über mich: Du hast mich bekannt, hast für mich gezeugt; ich will auch Dich bekennen, auch für Dich zeugen vor meinem himmlischen Vater! Amen. (Gerhard Friederich)