Johannes 15,2
Andachten
Eine jegliche Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird der Weingärtner wegnehmen und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.
Der Weingärtner pflanzt nicht nur den Weinstock, sondern widmet ihm bleibend seine Arbeit. Sein prüfendes Auge ruht auf den Reben und misst ihren Wert nach ihrer Fruchtbarkeit. Er vollzieht aber nicht nur sein richtendes Werk an denen, die keine Frucht bringen, indem er sie vom Weinstock entfernt, sondern schenkt auch denen, die er in der Verbindung mit dem Weinstock erhält, seine Zucht; denn er reinigt sie. „Ihr seid rein“, sagte Jesus den Jüngern, „wegen des Wortes, das ich euch gesagt habe“, und darum hat Er ihnen, ehe Er schied, noch die Füße gewaschen, damit sie wüssten, sie seien rein. Nun sollen sie aber nicht stolz und träge sagen: Was fehlt uns noch? Wir sind rein; vielmehr verheißt ihnen Jesus, dass der Vater sie eben deshalb, weil sie mit seinem Weinstock verbunden sind und Frucht tragen, reinigen wird. Warum bedürfen wir für unseren Dienst immer wieder der Reinigung? In uns vermischt sich Empfangenes und Eigenes, das, was von Jesus stammt, und das, was wir selber aus seiner Gabe machen und von anderen erhalten. Wir sind zu Verwaltern über das gemacht, was Jesus uns gegeben hat. Durch die Weise, wie wir das Empfangene verwalten, entsteht aber mancherlei Trübung in unserem Wort und viel Anstoß in unserem Dienst. Geschickt, Gottes Gnade anderen zu bringen und sie im Glauben zu Jesus zu führen, sind wir aber nicht durch unser Eigenes, sondern durch das, was von oben kommt und aus der lebendigen Verbundenheit mit Christus stammt. Wir selber können an dem, was wir für wahr und richtig halten, die Scheidung nicht vornehmen; wir haben das, was aus uns selber stammt, viel zu lieb. Aber das scharfe Messer des Weingärtners kommt uns zu Hilfe und macht, dass in der Christenheit das immer wieder sterben muss, was sie aus sich erzeugt. Darum sollen wir nicht davor erschrecken, dass in der Kirche vieles, was ihr einst als gewiss und heilig galt, zerfällt, sondern davor sollen wir erschrecken, wenn die Christenheit unbußfertig wird und alles behalten will, was sie jetzt meint, und nur das bleiben will, was sie schon ist. Denn so widersetzt sie sich der sie reinigenden Hand des Weingärtners und wird unfruchtbar. Die Rebe aber, die nicht mehr imstande ist, Frucht zu bringen, wird weggetan.
Ich greife, gnädiger Gott, mit der Hand des Glaubens nach Deiner Verheißung, dass Du auch mich in deine uns reinigende Pflege nimmst und mir nicht zulässt, dass mich mein Eigenes blende. Damit ich dieser Deiner Gnade teilhaftig sei, muss ich auf das Gebot unseres Herrn hören, der uns sagt: Bleibt in Mir. Wenn ich in Ihm bleibe, dann bin ich mit dem Weinstock verbunden, dessen Reben du nach Deiner großen Gnade von dem befreist, was Dein Werk hindert. Amen. (Adolf Schlatter)
Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringet, wird Er wegnehmen, und einen jeglichen, der da Frucht bringet, wird Er reinigen, dass er mehr Frucht bringe. bringe.
Dies ist eine köstliche Verheißung für einen, der für das Fruchtbringen lebt. Zuerst scheint sie ein scharfes Aussehen zu haben. Muss der fruchtbare Rebe gereinigt werden? Muss das Messer selbst die besten und nützlichsten beschneiden? Ohne Zweifel ist es so, denn sehr viel von dem reinigenden Werk geschieht durch Leiden der einen oder andren Art. Nicht die Bösen, sondern die Guten sind es, welche die Verheißung der Trübsal in diesem Leben haben. Aber der Zweck gewährt mehr als Ersatz für die schmerzhaften Mittel. Wenn wir unsrem Herrn mehr Frucht bringen können, so wollen wir uns gern das Reinigen und den Verlust der Blätter gefallen lassen.
Doch wird zuweilen das Reinigen durch das Wort bewirkt, auch ohne Leiden, und dies nimmt alles hinweg, was in dem Ton der Verheißung streng schien. Wir sollen durch das Wort frömmer und nützlicher gemacht werden. Der Herr, der uns in einigem Maße fruchtbar gemacht hat, wird an uns arbeiten, bis wir einen weit höheren Grad der Fruchtbarkeit erreichen. Ist dies nicht eine große Freude? Gewiss, es ist mehr Trost in einer Verheißung der Fruchtbarkeit, als wenn uns Reichtum, Gesundheit und Ehre versprochen wäre.
Herr Jesus, erfülle rasch Dein gnädiges Wort an mir, und lass mich reichlich Frucht bringen zu Deinem Preise. (Charles Haddon Spurgeon)
Einen jeglichen Reben an mir, der nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen und einen jeglichen, der da Frucht bringt, wird er reinigen, dass er mehr Frucht bringe.
Es ist gegenwärtig Herbst, und man sammelt die Trauben. Wenn nun der HErr einst bei uns Herbst halten wird, wenn auch wir einst geschnitten und in seine Kelter gesammelt werden, wie wird es dem HErrn gehen mit seinen Trauben? Wird es ihm gehen, wie er Jesaja im 5. Kapitel spricht: „Ich hatte mir einen Weinberg gebaut, und hatte ihn verzäunt, und mit Steinhaufen verwahrt, und edle Reben darein gesetzt; auch baute ich einen Turm darinnen, und grub eine Kelter darinnen, und wartete, dass er Trauben brächte. Was kann man denn mehr tun an einem Weinberg, als ich getan habe? Warum hat er denn Herlinge getragen, da ich Trauben verlangte?“ Lieber Zuhörer, was bist aber du, bist du ein Herling, bist du eine unreife Traube, oder aber bist du eine zeitige Traube? Frage dich und besinne dich; wenn du ein Herling bist, siehe, so kannst du noch heute eine Traube werden am Weinstock Christi, wenn du dich ihm einverleiben und in ihn einsenken lässt. Bist du aber eine unreife Traube, so kannst du noch zeitig werden, wenn du die Hitze der Anfechtung, den Kampf mit Fleisch und Blut, mit Sünde und Welt nicht scheust. Wenn du aber unreif bleibst, so wirst du auch als unreif behandelt werden an jenem Tage; bist du aber ein Herling, wird er dich zwar auch sammeln: aber er wird dich werfen, wie er selbst sagt, in die Kelter des Weins, des grimmigen Zorns des allmächtigen Gottes. Da werden sie zusammengekeltert, die Herlinge; aber die Trauben wird er in seine Vorratskammern sammeln, und wird damit prangen vor Gott, seinem Vater. Welche Freude, wenn auch wir zu diesen reifen Trauben gehören, wenn wir dem Tag der Offenbarung mit Freudigkeit entgegengehen, wenn wir ihm einst in seine feuerflammenden Augen ruhig hineinsehen und sagen können: HErr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ (Ludwig Hofacker)