Johannes 14,9
Andachten
Wer mich sieht, der sieht den Vater.
Das sind wohl freundliche, aber doch ernste Worte des Herrn. Denn er wills nicht leiden, dass man also vergeblich und ungewiss hin und her gaffe und umher flattere, sondern will uns ganz und gar an sich und sein Wort gebunden haben, dass man Gott nirgend denn in ihm suche. Darum hüte dich vor solchen Gedanken, so bloß ohne Worte fahren und Christum von Gott scheiden und reißen. Denn also heißt sein Befehl: Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören. Da komme ich herab zu euch, dass ihr mich sehen, hören und preisen mögt, da mich sollen treffen und finden und sonst nirgend die mein begehren und gerne von Sünden los und selig wären. Hier sollten wir flugs zufallen und schließen: das redet Gott selbst, dem will ich folgen und kein anderes Wort noch Predigt hören, nichts anders von Gott lernen noch wissen. Denn in dieser Person, spricht St. Paul, wohnt wahrhaftig die ganze Gottheit und ist außer ihm kein Gott, also dass ich ihn treffen möge oder zu ihm kommen; wiewohl er sonst allenthalben ist. Wo man nun dieses Mannes Wort hört oder sein Werk sieht, da sieht und hört man gewiss Gottes Wort und Werk. (Martin Luther)