Johannes 14,19
Andachten
Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
Indem der Heiland zu Seinen Jüngern sagte: Ich lebe, so redete Er nach der Weise der Propheten, welche künftige Dinge, die sie sich sehr lebhaft vorstellten, als gegenwärtige beschrieben. Er sagte nämlich: es ist noch ein kleines, so schauet Mich die Welt nicht mehr, ihr aber schauet Mich (oder werdet Mich schauen, wenn die kleine Zeit vorbei sein wird, die von jetzt an bis zu Meiner Auferstehung verfließen soll), dieweil Ich lebe (d.i. dieweil Ich alsdann leben werde) und ihr Leben werdet. So sagte Er Joh. 17,11.: Ich bin nicht mehr in der Welt, und war doch noch darinnen: aber Er war am Ende Seines Laufe, und hatte sich in Seinem Geist die Verklärung bei dem Vater als ganz nahe und gewiss vorgestellt, darum sagte Er: Ich bin nicht mehr in der Welt, als ob Er schon wirklich gestorben wäre. Der Heiland starb wahrhaftig am Kreuz, und blieb tot bis an den dritten Tag: aber hernach lebte Er wieder, und bleibt nun lebendig in die Ewigkeiten. Off. Joh. 1,18. Das Leben Jesu nach Seinem Tod war für Seine Jünger sehr wichtig und erfreulich. Sie hatten Seinen heiligen Wandel gesehen, und dabei immer den Glauben behauptet, dass Er Christus, der Sohn des lebendigen Gottes sei, und Israel erlösen werde. Die armseligen Umstände Seines irdischen Lebens, und der Hass der Welt, der auf Ihn fiel, machte sie in diesem Glauben nicht wankend, ob sie schon selbst auch mit Ihm leiden mussten. Da sie Ihn aber als einen Gefangenen wegführen sahen: da sie Ihn am Kreuz erblickten, und endlich wahrnahmen, dass Er tot sei, kamen sie in ein großes innerliches Gedränge. Sie ärgerten sich, sie wurden traurig, sie weinten und heulten, sie wurden schwach, weil sie dieses Alles mit der Erlösung Israels nicht reimen konnten, und noch immer etwas von der Hoffnung eines weltlichen Reiches, das Er anrichten werde, im Herzen stecken hatten. Doch fielen sie nicht von Ihm ab, sondern harreten, wie ein Reisender, der bei Nacht in einem Wald verirret ist, und sich müde niedersetzt, um auf einen Wegweiser oder auf die aufgehende Sonne zu warten. Ihr Harren war auch nicht vergeblich. Jesus lebte nach dreien Tagen wieder: Er offenbarte sich ihnen, und sie lebten auch. Das Leben der Apostel bestand damals nicht nur darin, dass sie der Wut der Feinde Jesu entgangen und von ihnen nicht getötet worden waren, sondern vornämlich in dem neuen Licht und in der neuen Kraft und Freudigkeit, welche ihnen von Jesu mitgeteilt wurde. Vorher schwebten sie in der Finsternis, wie die Toten in der Welt: nun aber ging ihnen ein neues Licht auf, und ihr Geist wurde lebendig, wie der Geist Jakobs, als er überzeugt wurde, dass sein Sohn Joseph lebe. 1 Mos. 45,27. Vorher waren sie mit Angst und Furcht umgeben: nun wurden sie aber lebendig, wie Paulus, da er durch den Timotheus von dem guten Zustand der Thessalonicher versichert wurde, 1 Thess. 3,8. Indem sie aber lebendig wurden, wurde ihr Glaube gestärkt, und auf eine neue Stufe, von welcher er nimmer herabfiel, erhoben, und ihr geistliches Leben bekam einen neuen und bleibenden Zuwachs, weil Jesus die Gabe des Heiligen Geistes in ihnen vermehrte. Joh. 20,22.
Auch mich soll nichts aufheitern, stärken und lebendig machen, als das Licht und die kraft des lebendigen HErrn Jesu. Wenn ich auch so angefochten und traurig würde, dass ich den ganzen achtundachtzigsten Psalmen auf mich deuten könnte, ja wenn mir Leib und Seele verschmachteten: so soll ich harren, bis mir der HErr Jesus wieder nahe wird, mich anblickt, anfasst, mir als die Sonne der Gerechtigkeit aufgehet, und mir Müden neue Kraft gibt. (Magnus Friedrich Roos)
Weil ich lebe, sollt ihr auch leben.
Jesus hat das Leben derer, die an Ihn glauben, so gewiss gemacht wie Sein eignes. So wahr das Haupt lebt, sollen die Glieder auch leben. Wenn Jesus nicht von den Toten erstanden ist, dann sind wir tot in unsren Sünden; aber da Er erstanden ist, so sind alle Gläubigen in Ihm erstanden. Sein Tod hat unsre Übertretungen hinweggetan und die Bande gelöst, die uns unter dem Todesurteil hielten. Seine Auferstehung beweist unsre Rechtfertigung: wir sind freigesprochen, und die Barmherzigkeit spricht: „So hat der Herr auch deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.“
Jesus hat das Leben der Seinen so ewig gemacht wie Sein eignes. Wie können sie sterben, so lange Er lebt, da sie eins mit Ihm sind? Weil Er nicht mehr stirbt und der Tod keine Herrschaft mehr über Ihn hat, so sollen sie nicht wieder zurückkehren zu den Gräbern ihrer alten Sünden, sondern mit dem Herrn in einem neuen Leben wandeln. O Gläubiger, wenn du unter großer Versuchung fürchtest, dass du eines dieser Tage durch die Hand des Feindes fallen wirst, so lass dies dich beruhigen. Du sollst niemals dein geistliches Leben verlieren, denn es ist mit Christo in Gott verborgen. Du zweifelst nicht an der Unsterblichkeit deines Herrn; deshalb denke nicht, dass Er dich sterben lassen wird, da du eins mit Ihm bist. Der Beweisgrund für dein Leben ist Sein Leben, und um dieses kannst du keine Furcht haben, deshalb ruhe in deinem lebendigen Herrn. (Charles Haddon Spurgeon)
Ich lebe und ihr sollt auch leben.
Die bangen Todesgedanken werden auch bei den Gläubigen nicht ganz ausbleiben; es ist und bleibt auch für den Gläubigen ein schweres Wort: Es ist dem Menschen gesetzt einmal zu sterben, danach das Gericht;“ doch der Gläubige kann sie zum Weichen bringen. Sie weichen vor dem Gedanken: „Jesus, meine Zuversicht und mein Heiland, ist im Leben.“ Wer mit diesem Gedanken bekannt ist, fährt ruhig fort: dieses weiß ich; sollt' ich nicht darum mich zufrieden geben, was die lange Todesnacht mir auch für Gedanken macht.“ Die Verheißung: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ gibt der Todesnacht ein helles Licht. Nein, nun ist sie nicht traurig, diese Todesnacht mein Jesus lebt und hält sein Reich für mich offen. Mag sie dunkel sein - ich bleibe nicht darin, ich geh' hindurch und dann trete ich zu ihm in seinen Freudensaal - er ist vor mir hindurchgegangen und hat gesagt: Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein“ - nicht allein werd' ich dort sein, sondern mit ihm und mit allen denen, die auf ihn gestorben sind, und allen denen, mit welchen ich hier im Jammertale auf ihn gehofft habe: „Die wir uns nacheinander niederlegen Und hier zur Ruhe schlafen geh'n, Wir werden dort auf Zions hellen Wegen Einander ewig wiederseh'n.“ Auch nicht schaurig ist die Todesnacht, Jesus ist der Erstling geworden unter denen, die da schlafen, und wenn mein Auge bricht und mein Odem schwer eingeht, will ich daran gedenken, wie er durchs Kreuz ins Leben gegangen. Die Seele fährt hin aus der rauen Erde; dieser Leib, der mag verwesen, er wird aber auferstehen, und das Verwesliche wird anziehen das Unverwesliche; ich werde schlafen, aber dann werde ich in meinem Fleisch Gott schauen, mein Auge wird ihn sehen und sich freuen.
Auch nicht dunkel ist die Todesnacht - das Los ist nicht ungewiss, das meiner wartet, wenn ich vor Gottes Gericht gestellt werde. Mein Jesus lebt, meine Zuversicht, mein Heiland; er hat mich erlöst, erworben, gewonnen, auf dass ich sein eigen sei und in seinem Reiche unter ihm lebe - so wird er mich nicht fahren lassen, wird mich nicht dem Gericht überantworten, sondern wo meine Sünden gewogen werden, wird er sein Verdienst in die Waagschale werfen und sprechen: „Der ist mein, ich habe ihn erlöst und bei seinem Namen gerufen, in meine Hände habe ich ihn gezeichnet.“ Ja vor dem Trost: „Wer will verdammen? Christus ist hier, der gerecht macht“, vor diesem Trost wird der Gedanke an die Todesnacht so sehr alles Grauen verlieren, dass wir sprechen können: „Tod wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum!“ (Caspari.)
Ich lebe und ihr sollt auch leben.
Martha wird nun reichlich getröstet. „Dein Bruder soll auferstehen,“ so spricht der Herr zu ihr. Wieder vernimmt sie die wohlbekannte Stimme des Freundes. Welche Verheißung für das leidtragende Herz! Himmelstrost im tiefen Leid! Wo alle Hoffnung aus, da setzt der Herr mit seiner Wunderhilfe an.
„Dein Bruder soll auferstehen,“ so spricht der Heiland, der Todesüberwinder. Welch ein Trost liegt doch in diesen Worten, nicht nur für die betrübte Martha, sondern für alle trauernden Kinder Gottes.
So spricht er auch heute noch, höre seine Stimme, du leidtragendes Herz: Dein Bruder, deine Schwester, dein Vater, deine Mutter, dein Sohn, deine Tochter, dein Freund, soll auferstehen! Und dass wir's ja gewisslich glauben, fügt dann der Herr noch die herrliche, alle Zeiten umschließende, allen Menschen geltende Verheißung hinzu: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Hätten wir von Bethanien nur dieses Wort, so würde dies schon eine selige Erinnerung sein.
Jesus, die Auferstehung und das Leben. Er hat den Tod besiegt - besiegt für alle die Seinen - Und ihnen den Himmel wieder geöffnet. Martha konnte den vollen Sinn dieser Worte noch nicht fassen, war doch des Herrn Tod und Auferstehung selbst seinen nächsten Jüngern noch ein Geheimnis. Wie wenig ahnte Martha, dass das Grab auch den Herrn in wenigen Tagen umschließen würde, und dass dann bald darauf Engel es verkündigten: „Der Herr ist auferstanden!“
Wir wissen es nun die große Tat ist geschehen. Christus ist gestorben, ja vielmehr auch auferstanden. Die Auferstehung des Lazarus war nur ein schwaches Abbild von der Auferstehung des Herrn, deren Zeuge Martha werden sollte. Der Tod schloss die holdseligen Lippen des Lebensfürsten. Im Grabe ruhte der Leib des Schöpfers aller Welt. Wird das Grab ihn behalten wie andere Sterbliche? Ewiges Leben oder ewiger Tod hängt für uns von der Antwort ab. Hielt der Tod ihn gebunden, so wäre unsere Hoffnung auf ein ewiges Leben vergebens. Aber nun ist Christus auferstanden, das Grab konnte den nicht halten, der das ganze Gesetz erfüllt hat. „Er ist die Auferstehung und das Leben, wer an ihn glaubt, wird nimmermehr sterben.“ Ja, wie groß auch der Trost am Grabe des Lazarus sein mag, unendlich viel größeren Trost gibt uns die Auferstehung des Herrn selbst. Sie ist ein Triumph über den Tod, der Grund aller Hoffnung, die folgenschwerste Tat. Sie verkündet vollkommene Genugtuung, die Annahme seiner Stellvertretung. Dem Gesetz ist genügt, die Sünden sind vergeben, Gott ist verherrlicht. Die Auferstehung des Herrn ist ein Unterpfand der Auferstehung der Seinigen. Der mächtige Sieger erstand aus dem Grabe nicht nur für sich, sondern als der Vertreter ungezählter Gläubigen, welche in seinem Tode mit ihm gestorben sind und in seiner Auferstehung mit ihm leben werden. „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Im Blick auf seine glorreiche Auferstehung konnte er zu Martha sprechen: „Wer lebt und glaubt an mich, wird nimmermehr sterben,“ durch mich ist das Sterben nur der Eingang in das ewige Leben, das Grab der Vorhof des Himmels.
Auch für dich ist dieser große Trost. Glaube nur an den auferstandenen Herrn. Er hat dich erkauft, alle deine Schulden bezahlt und dir das ewige Heil erworben. Siehe in das leere Grab! Die Sünde ist gesühnt, die Schuld getilgt, dem Gesetz und der Gerechtigkeit Genüge getan, der Sünder gerettet.
Das Haupt ist vorangegangen, die Seinigen folgen ihm nach. Das Grab ist geweiht durch ihn und eine Stätte des Triumphes geworden
„O Tod, ich will dir ein Gift sein, o Hölle, ich will dir eine Pestilenz sein!“
„Ach, willst du noch nicht glauben, Du ungewisser Geist? Welch Teufel kann dir rauben, Was Jesus dir verheißt? Der Licht, Kraft, Fried und Leben Geneigt ist dir zu geben Als seines Sieges Frucht.“ (John Ross MacDuff)