Johannes 14,16
Andachten
Und Ich will den Vater bitten, und Er soll euch einen anderen Tröster geben, dass er bei euch bleibe ewiglich.
Bisher war Christus selbst das Salz der Erde und das Licht der Welt unter ihnen, belehrte und ermahnte sie, hielt und einigte sie. Was wird aus ihnen werden, wenn dieses Licht nicht mehr scheinen und dieses Salz nicht mehr salzen wird? Wird die Erinnerung an ihn genügen, wird das Gedächtnis an Seine Liebe und Lehre stark genug sein, dass Sein Salz und Licht unter ihnen bleiben? Wohl schwerlich, unser aller Gedächtnis ist in sittlichen und himmlischen Dingen gar schwach. Da verspricht Er ihnen den anderen Tröster, der es von dem Seinen nehmen und ihnen geben wird, der sie an Ihn „erinnern“ und Ihn bei ihnen „verklären“ wird, der sie in Seine Wahrheit „leiten“ und „führen“ wird, ja sie in derselben „lebendig machen“ wird. Nun, liebe Mitchristen, wie steht es mit dem heiligen Geist, dem Geist der Wahrheit, dieser höchsten Gnadengabe des HErrn an Seine Jünger, bei uns? Wir haben ihn alle in der heiligen Taufe erhalten, aber wieviel haben wir ihm widerstrebt! „Nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir,“ fleht David, ach, dass wir auch so flehten! Soviel ist gewiss, wer um diesen Geist fleht, wer unter Gottes Wort, vom Geist eingegeben, sich beugt und davon lebt, der kann nicht bloß gewiss sein, dass er den heiligen Geist hat, nein, der kennt ihn und lernt mehr und immer williger, was des Geistes Sinn ist. Und ein solcher trifft wahrlich den Willen Gottes und hat Trost! Amen. (Guido Pingout)
Ich will den Vater bitten, und Er soll euch einen andern Tröster geben, dass Er bei euch bleibe ewiglich.
Der sichtbare Umgang Jesu mit Seinen Jüngern war für sie sehr erwünscht und eine unschätzbare Wohltat; wie Er denn selber Luk. 10,23.24. zu ihnen sagte: selig sind die Augen, die da sehen, das ihr seht, denn Ich sage euch, viele Propheten und Könige wollten sehen, das ihr seht, und haben’s nicht gesehen, und hören, das ihr hört, und haben’s nicht gehört. Die Jünger erkannten dieses selber; deswegen wurde ihr Herz voll Trauerns, da Jesus zu ihnen sagte; Er gehe hin zu Dem, der Ihn gesandt habe. Bei dieser Traurigkeit tröstete Er sie vornehmlich durch die Verheißung, dass Er den Vater bitten wolle, ihnen einen andern Tröster zu geben, welcher nicht mehr von ihnen weggehen, sondern ewiglich bei ihnen bleiben werde. Er redet hier von dem Heiligen Geist, dessen kräftige und heilsame Wirkungen die Jünger Jesu schon in ihren Seelen erfahren hatten, der ihnen aber auf die Fürbitte Jesu von dem himmlischen Vater auf eine neue Weise gegeben werden sollte. Derselbe ist immer unsichtbar, weswegen bei Ihm kein Verlust einer sichtbaren Gegenwart entstehen kann. Sowie man Ihn empfängt (man empfängt Ihn aber zur Inwohnung in der Seele), will Er ewiglich bleiben, und als ein anderer Tröster oder Beistand den Mangel der sichtbaren Gegenwart Jesu ersetzen.
Wir, die wir nun an diese sichtbare Gegenwart gewohnt worden sind, sollen zuversichtlich glauben, dass um der Fürbitte Jesu willen Alle, die es begehren, den Heiligen Geist als einen Tröster oder Beistand empfangen sollen, der in ihnen Abba Vater rufen, sie mit unaussprechlichen Seufzern vertreten, führen, und als der Geist der Kraft und der Liebe und der Zucht regieren will. Soll Er aber uns gegeben oder zu uns gesandt werden, so wird Er uns zuvörderst überzeugen, dass wir nicht bei uns selber weise sein, oder uns selber für klug halten, und unsern Willen nicht störrig behaupten sollen. Er wird uns unser eigenes Leben hassen lehren, und das Widerstreben gegen Seine Zucht und Leitung in uns zerstören. Alsdann wird Er aber auch unser treuer Beistand sein, und dasjenige an uns tun, was der HErr Jesus an Seinen Jüngern, da Er sichtbarlich bei ihnen war, getan hat. Er wird uns lehren, trösten, antreiben, bestrafen und zurückhalten. Er wird uns beten, reden, arbeiten und geduldig leiden lehren. Er wird den Vater und Sohn in uns offenbaren, und uns durch den Glauben an Christum und durch die Heiligung zur Aufnahme in das himmlische Reich Gottes zubereiten. Auch wird Er nicht wieder von uns weichen, sondern ewiglich bei uns bleiben. Nicht nur wenn wir mit Gott reden, und Sein Wort geflissentlich verkündigen und betrachten, sondern auch alsdann, wenn wir mit Menschen umgehen und handeln, und mit irdischen Dingen bemühet sind, wird Er bei uns sein und uns regieren. Auch in der letzten Todesnot und bei dem wirklichen Sterben wird Er unser Beistand bleiben. (Magnus Friedrich Roos)
Ich will den Vater bitten und Er soll euch einen anderen Anwalt geben, dass er bei euch bleibe ewiglich, den Geist der Wahrheit.
Diese Verheißung Jesu ragt so hoch wie das Kreuz auf Golgatha und strahlt in der Herrlichkeit, die unseren sterblichen Herrn verklärt. Er hinterließ seinen Jüngern keinen greifbaren Besitz, keine Waffen, kein Machtmittel irgendwelcher Art. Zu ihrem Anwalt, der für sie sprach, auf dessen Zeugnis ihre Sache stand, machte er einzig den Geist. So spricht das Lamm Gottes, das für uns arm wurde, damit wir durch seine Armut reich würden. Indem Jesus den Geist für die Jünger zu dem machte, was ihre Stärke und Hilfe ist, gründete er ihr Werk nicht auf ein Gesetz, nicht auf eine Lehrvorschrift, nicht auf eine Verfassung, die sie der von ihnen gesammelten Kirche zu geben hatten. So ging der in den Tod, der sich zum Lösegeld machte, durch das Er uns die Freiheit erwarb. Freiheit gibt uns die Gnade dadurch, dass sie Leben schafft. Er machte aus seinen Jüngern seine Zeugen und das wurden sie durch das, was sie waren, nicht nur durch das, was sie sagten, sondern durch die Weise, wie sie lebten, weil sie ihr Leben von oben empfingen. Leben zu schaffen ist aber einzig das Werk des Geistes. Nun aber merke auf das, was Jesus dir als das Merkmal und die Gabe des Geistes zeigt. Er ist der Geist der Wahrheit, der die, zu denen er kommt, wahrhaftig macht. Wo das Gesetz regiert, entsteht der Schein, der das Wirkliche verhüllt, und die Vorstellung, die das vor Gott und den Menschen verdecken möchte, was in uns ist. Von dorther kommen die Worte ohne Kraft und die träumerischen Ziele; dort benehmen wir uns so, als ob wir fromm wären. Diesem unserem Unwesen macht der Geist ein Ende, weil das, was er ist und gibt, Wahrheit ist. Darum ist er auch der Anwalt, der allein dem Dienst der Christenheit die Wirksamkeit und Fruchtbarkeit verschafft. Denn es gibt nichts, was den Menschen innerlich bände und zum Glauben fähig machte, als die Wahrheit allein. Damit die Wahrheit in uns sei, dazu ist Jesus gekommen und dazu ist er gestorben, weil er allein bewirken kann, dass die Wahrheit nicht schrecklich ist und uns verdammt. Durch Ihn gibt es aber für uns eine Wahrheit, die uns Gott so zeigt, wie er ist, und den Menschen so, wie er ist, und dies so, dass daraus Gerechtigkeit, Friede und Freude entsteht. Darin wird offenbar, dass der Geist der Wahrheit bei uns ist.
Was ich habe, habe ich aus Deiner Fülle empfangen, herrlicher Vater und heiliger Gott, der Du Deine Hand mit Deinen großen gaben füllst, mit dem, was Dein Geist in unsere Seelen trägt, der Feind alles Scheins, der Pfleger aller Wahrheit, der Schöpfer des Lebens, das nicht stirbt, weil es aus Dir geboren ist. Amen. (Adolf Schlatter)
“Er soll euch einen andern Tröster geben, dass Er bei euch bleibe ewiglich.“
Der große Vater offenbarte sich den Gläubigen der Vorzeit vor der Menschwerdung Seines Sohnes und gab sich Abraham und Jakob zu erkennen als Gott der Allmächtige. Danach kam Jesus, und der ewig hochgelobte Sohn in eigener Person war die Augenweide Seines Volkes. Bei der Himmelfahrt Christi wurde der Heilige Geist das Haupt der neuen Bundesgemeine und Seine Macht offenbarte sich aufs Herrlichste am Pfingsttage und danach. Er bleibt zu dieser Stunde noch der gegenwärtige Immanuel: „Gott mit uns,“ der in und unter Seinem Volke wohnt, es belebt, leitet und mitten unter ihm waltet. Anerkennen wir Seine Allgegenwart und Sein Walten, wie wir sollten? Wir können Sein Wirken nicht nachweisen, Er ist unumschränkt in allem Seinem Tun, aber ist es uns auch ein rechtes Anliegen, Seinen Beistand zu erlangen, oder sind wir wachsam genug, dass wir Ihn nicht erzürnen und Er uns Seine Hülfe entzieht? Ohne Ihn können wir nichts tun, aber durch Seine allmächtige Kraft ist das Außerordentlichste möglich: Alles hängt davon ab, wie Er Seine Macht offenbart oder verbirgt. Schauen wir jederzeit zu Ihm auf mit der demütigen Überzeugung, dass unser inwendiges Leben und die sichtbare Äußerung unserer Gesinnung im äußern Gottesdienst von Ihm ganz und gar abhängig sei? Gehen wir nicht allzu oft eigenmächtig unsere Wege, ohne auf Seine Berufung zu warten, und, hanteln, ohne Seine Hülfe zu suchen? Ach, demütigen wir uns doch heute Abend recht sehr ob unserer Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit, und flehen wir, dass der himmlische Tau über uns triefen möge, und dass wir mögen gesalbt werden mit heiligem Oel, und die Flamme der himmlischen Liebe unser Inwendiges erwärme. Der Heilige Geist ist kein vergängliches Geschenk, Er bleibt bei den Heiligen. Wir brauchen ihn nur mit Ernst zu suchen, so wird er von uns gefunden. Er duldet nichts Ungöttliches neben sich, ohne beständig dawider zu kämpfen, aber Er hat Mitleid mit uns: wo Er uns verlässt, weil wir Ihn erzürnt haben, da kehrt Er gnädig zurück. Herablassend und voll zärtlicher Liebe wird Er unser nicht müde, sondern harrt, dass Er sich uns möge gnädig erweisen. (Charles Haddon Spurgeon)