Johannes 14,15
Andachten
Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote.
Die Menschen haben oft gar wunderliche Begriffe von Liebe. Sie meinen, die Liebe dürfe nie Ernst brauchen, ihr Wesen sei etwas Süßliches. Die Liebe müsse viel geben und zwar Angenehmes für das Fleisch. Es gibt Leute, die ihre Liebe durch fortwährende Gastereien bezeugen, oder durch Bereitung anderer sinnlicher Genüsse. Ja, auch fromm sein wollende Leute kommen oft tief in solch sinnliches Wesen hinein. Gewiss, die Liebe ist freundlich, sie gibt und gibt gerne, sie lebt für Andere; aber die Liebe im Geist, die christliche Liebe fragt immer: was frommt meinem Nächsten, was dient seinem Verhältnis zum Herrn? Solche Liebe muss unter Umständen ernst reden, ernst handeln und kann nicht geben, was dem Fleisch gefällt. Auch die Liebe zum Herrn ist nicht das, was sich Manche darunter denken. Wie praktisch, wie einfach erklärt der Heiland selber die Liebe zu ihm und damit die Liebe zum Vater! Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote, sagt er. Man kann sich in christlichen Überschwänglichkeiten ergehen; man kann viele christliche Werke tun, man kann viele christliche Feste und Versammlungen besuchen, und wenn der Heiland alle diese Dinge genau besieht, so steckt viel natürliche Liebhaberei dabei und woran fehlt es vielleicht bei all diesem Schein? Am Halten der Gebote Gottes. Wollen wir den Herrn recht lieben, so müssen wir gerade das tun, was er will. Vielleicht möchtest du eine wichtige Stellung im Reich Gottes haben und nun musst du deine Mutter pflegen. Gut, pflege sie liebevoll, zart und treu, dann liebst du den Heiland und bist ihm angenehm. Frage im Ernst den Herrn: was soll ich tun? und wenn er es dir gesagt hat, und es dir vielleicht nicht gefällt, so sei gehorsam und lerne es mit Freuden tun; dann liebst du ihn.
Herr, ich habe oft verkehrt geliebt und mich an Dir und Menschen versündigt. Vergib mir und lehre mich lieben nach Deinem Sinn. Amen. (Elias Schrenk)
Mangel an Liebe ist Mangel an heiligem Geist. Gott ist die Liebe, und sein Geist ist ein Geist der Liebe. Wo Lieblosigkeit ist, kann der heilige Geist nicht wohnen. Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Mag ein Mensch noch so ernst sein, noch so viel Erkenntnis haben, so ist es ihm nichts nütze, wenn ihm die Liebe fehlt 1. Kor. 13. Wer den heiligen Geist zum Innewohnen empfangen will, muss lieben wollen; will er nicht lieben, so kommt der Geist Gottes nicht in sein Herz. Nun verlangt aber der Herr Liebe von seinen Jüngern, damit er den Vater bitten könne, ihnen den Tröster bleibend zu geben; sie sollten ihn lieben, ehe sie den heiligen Geist empfingen. Wie sollen wir das verstehen, wenn es doch Tatsache ist, dass wir nur durch den heiligen Geist Jesum lieben können? Diese Frage ist wichtig, weil sie etwas Licht bringt in die zu sehr vernachlässigte Lehre vom heiligen Geist. Gewiss wurde erst an Pfingsten die Liebe Gottes ausgegossen in die Herzen der Jünger; aber sie kannten ja doch den Herrn lange vor Pfingsten durch ihren Umgang mit ihm. Sie hatten so mancherlei Geisteszüge an ihren Herzen erfahren, so manchen geistlichen Segen von ihm gehabt. Darum kann der Herr etwas von ihnen verlangen. Er sagt ihnen: „Seid treu in dem empfangenen Geisteslicht; habt mich, Kraft dessen, was ich bisher an euch getan habe, lieb und beweist eure Liebe dadurch, dass ihr mir gehorsam seid, dass meine Worte euch etwas gelten. Dann verspreche ich euch, dass der Tröster, der heilige Geist bleibend zu euch kommt.“ Diese Worte sind für jeden Christen bedeutungsvoll; sie enthalten den Reichsgrundsatz: wer da hat, dem wird gegeben. Wollen wir den Tröster so empfangen, wie er verheißen ist, so dürfen wir nicht meinen, es werde uns geholfen, wenn wir immer bitten um den heiligen Geist. Seien wir vor Allem treu in der schon empfangenen Gnade, und erzeigen wir diese Treue im Gehorsam gegen den Herrn; dann dürfen wir bitten und glauben, dass der persönliche Heilige Geist auch in uns zu wohnen komme.
Herr! Sende Licht in mein Herz, dass ich den Weg gehe, den Du Deine Jünger gewiesen hast. Amen. (Elias Schrenk)