Johannes 13,36

Andachten

Spricht Simon Petrus zu ihm: Herr, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Da ich hingehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir hernachmals folgen.
Auch in diesem Wort leuchtet die Herrlichkeit Jesu mit unbegreiflich hellem Glanz. So völlig ist Jesus mit seinem Kreuz eins, dass er es auch seinem Jünger versprach, nicht als schweres Los, nicht als Zusammenbruch, der seine apostolische Sendung widerlegt und vernichtet, sondern als das Beste und Größte, was Jesus ihm verleiht, als die Krönung seiner Gemeinschaft mit ihm. Beides hat Petrus von Jesus empfangen, die Kraft, die wirken kann, tapfer, unbezwinglich mit siegender Macht, und den Verzicht, der allem entsagt, leidet und stirbt in Schmerz und Hohn Gott zum Preis. Damals freilich, als Jesus zum Kreuz ging, war Petrus noch nicht imstande, sein Begleiter zu sein und neben ihm das Kreuz zu tragen. Das tat Petrus bitter leid. Er ließ sich nicht gern von Jesus trennen. Darum hat ihm Jesus verheißen: später darfst du denselben Weg gehen wir ich und darfst dein Apostelwerk damit beenden, dass du mir nach zum Kreuz gehst. Zuerst aber muss Petrus erkennen, wie groß und tief der Abstand ist, der ihn von Jesus trennt. Jetzt ist er noch mit seinen eignen Wünschen angefüllt und hat darum ein unruhiges Herz, das imstande ist, sich gegen das Kreuz Jesu aufzulehnen und sich zu schämen, weil er in der Jüngerschaft eines Gekreuzigten steht. Seine Liebe hat noch viel Eigensucht in sich und sein Gehorsam ist mühsam errungen durch die Selbstverleugnung hindurch, die das mit Wucht auf die Seite drängt, was Petrus für Jesus und sich selbst begehrt. Das Kreuz ist aber kein heiliger Ort, wenn es widerwillig getragen wird. Es wird nur dann zum Opfer, wenn es durch Glauben geheiligt wird. Solange Petrus noch so, wie er es jetzt tut, auf die Stimme seines Herzens horcht und seiner Liebe traut und auf seinen Glauben baut, ist das Kreuz noch nichts für ihn. Zuerst muss er seine Liebe dadurch heiligen, dass er tut, was ein Jünger tun soll. Jesus hat Dienst und Arbeit für ihn. „Weide meine Lämmer“. Erst nach der vollendeten Arbeit ist er zum Letzten und Größten berufen. Dann darf er der Christenheit zeigen, dass Jesus ihn fähig gemacht hat, am Kreuz Gott zu preisen.
Herr, du verklärst nicht nur das Werk, sondern auch das Leiden der Deinen und offenbarst die Fülle deiner Gnade und Wahrheit dadurch, dass du auch ein Sterben am Kreuz zur seligen Gabe Gottes machst. Gib mir nach dem Maß meines Glaubens, dass auch mein Handeln und mein Leiden, mein Arbeiten und mein Sterben dich ehre. Amen. (Adolf Schlatter)

Predigten

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nt/43/johannes_13_36.txt · Zuletzt geändert: von aj
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