Sie befinden sich hier: Andachtsbibel » Neues Testament » Lukasevangelium » Lukas 9,57
Zuletzt angesehen: Lukas 11,22 Lukas 8,42 Lukas 8,11 Lukas 9,57

Lukas 9,57

Lukas 9,57

Andachten

Folge Mir nach.
Jesu, Heiland meiner Seele, sage mir, wer bist Du, dass man Dir nachfolgen und Alles dahinten lassen soll? Was bietest Du, dass Du mit solcher Unbedingtheit zu mir sagst: folge Mir nach? Bist Du denn nicht arm geboren, ärmer, als ich? Hast Du nicht arm gelebt, ohne dass die Gunst der Gewaltigen Dich umgab? Hast Du nicht vierzig Tage und vierzig Nächte gehungert? Bist Du nicht nackt, hungrig, durstig, zerrissenen Leibes am Kreuze erhöht und gestorben? Nicht einmal den Rock, um welchen die Kriegsknechte losten, ließt Du den Deinen zurück? Joh. 19, 24. Im fremden Grabe ruhtest Du. Herr, mein Heiland, deute mir, warum es würdig und recht, billig und heilsam ist, dass ich Dir nachfolge? Du bist nicht wie diese Welt, die ein übertünchtes Grab ist inwendig voll Moder und Totengeruch. Du bist schöner als die Sonne, reicher als die Wolken und Meerestiefen sind; denn Du gehst einher in meiner armen Gestalt und bist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Du hast Augen, die mein Elend ansehen und meine Seele in der Not erkennen. Ps. 31, 8. Du hast ein Angesicht, das Menschen und Engel scheuen und Hände, die voll Segen sind. Dein Herz ist der Brunnen des ewigen Lebens und Dein Leib ist die rechte Speise und Dein Blut der rechte Trank. Da Du starbst, hast Du Dein Haupt gen Himmel gerichtet, anzuzeigen, dass Du der Sohn des Wohlgefallens bist und uns Wohlgefallen bei Gott erworben hast; Deine Hände breitest Du der weiten Welt entgegen und Deine Füße sind der Erde zugestreckt, als des Siegers, der alle finstere Gewalten und ihren Fürsten zertreten hat. Der einsamen Mutter gibst Du einen Sohn und dem Sohne eine Mutter und Einem, der in der Verdammnis des Todes lebt und bebt, gibst Du das Paradies. So bist Du, o Jesu. O wie gern denke und rede ich von Dir, wenn mein Schweigen nicht lauter von Dir spräche als all mein Reden. Du bist aller, aller meiner Wünsche und all meines Verlangens Erfüllung; es ist mir nicht die Hälfte gesagt. Selig sind Deine Leute und Deine Knechte, die allezeit vor Dir stehen und Deine Weisheit hören. 1 Kön. 10, 7. 8.

Nun komm, o Herr, meiner Seele zu Hilfe, Dir nachzufolgen. Eile, Herr und hilf! Leuchte mir wie die Sonne. Mat. 17, 2. Schenke mir zu dieser Winterzeit ein Weniges von der Inbrunst der ersten Christen, von dem Eifer jener Jungfrauen, die dem Bräutigam entgegen gehen. Erbarme Dich meiner und nimm den Irrtum von mir, als ob Dein Joch hart und Deine Last schwer sei. Ist denn von nun an der Himmel offen (Joh. 1, 51), so lass den Tau des Himmels und die Kraft und Wahrheit Gottes auf mich kommen; umgürte mir mein Gemüt, stärke meinen Mut, binde meine Gedanken und Begierden mit dem süßen Band der Liebe, dass ich Dir folge. Kurz sei der Abschied von dieser Welt und ihrer Liebe, das ist von ihrem Betrug. D Herr, heiße mich Dir folgen und lass mich inne werden, dass Du wie ein Durchbrecher vor mir hinfährst (Mich. 2, 13) und Worte des ewigen Lebens von Dir ausgehen; sei mir gegenwärtig Tag und Nacht, wie jene Wolkensäule am Tage und die Feuersäule des Nachts Israel leitete. Lass mich nicht erst die Toten begraben. erlaube mir nicht einen Abschied zu machen.

Wohin aber soll ich Dir folgen? Du führst in Gericht und Recht; ich bekenne Dir, dass ich gesündigt habe, verachtet war meine Seele, da ich geboren war. Hes. 16, 5. Wer Dir folgt, rückt gern herunter; Deines Geistes Kinder eifern um die Demut und lernen wohl, denn sie lernen von Dir, Du Meister niedrig sein und achten den Andern höher als sich selbst. Aber Du erhebest auch die Niedrigen und gibst den Armen das Himmelreich. Du krönest mit Gnade und Barmherzigkeit, lässt ausfahren mit Flügeln wie die Adler und gibst zu laufen und nicht matt zu werden, zu wandeln und nicht müde zu werden. Jes. 40, 31. Und hattest Du nicht, wohin Du Dein Haupt legtest, so hast Du doch eine treue, starke Hand, worin ich meine Seele lege und ein Herz, worauf ich alle meine Zuversicht setze und Dein ist der Vater im Himmel, der mich segnet ewiglich um Deinetwillen und Dein ist der Geist, der mich in alle Wahrheit leitet. Nun, mein liebster Heiland, hilf, dass ich willig folge, wie Rebecca dem Elieser und wenn ich Dich endlich sehe, will ich mich schämen, wie Rebecca (1 Mos. 24, 65) und mich mit Abraham, Isaak und Jakob freuen im ewigen Leben. (Theodor Schmalenbach)


Es begab sich aber, da sie auf dem Wege waren, sprach Einer zu Ihm: Ich will Dir folgen, wo Du hingehest. - Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschen Sohn hat nicht, da Er Sein Haupt hinlege.
Die Entgegnung des Herrn ist nicht sowohl Seine Antwort auf die ausgesprochene Frage, als auf die unausgesprochenen Gedanken, die Er, der Herzenskündiger, durchschaute. Du wähnst, in Meiner Nachfolge Ruhe und bequeme Tage zu finden? Täusche dich nicht. Des Menschen Sohn ist auf dieser Erde ein heimatloser Fremdling; die Arbeit wird immer Seiner warten, der Kampf wird für Ihn nimmer zum Stillstande kommen, und erst, wenn der Tod Sein Auge gebrochen hat, wird Er unter der Erde, wo die Füchse ihre Gruben haben, Seine Ruhe finden, und dann, gleich den Vögeln, die unter dem Himmel ihre Nester bauen, über die Erde erhoben, in der himmlischen Wohnstatt, in Seines Vaters Haus Seine ewige Bergungsstätte finden. Und des Jüngers Los wird kein andres sein, als das des Meisters; also prüfe dich: willst du Mir jetzt noch nachfolgen? bist du bereit, in die Arbeit einzutreten, der erst der Tod ein Ende macht, und den ernsten Kampf zu beginnen, dem erst im Himmel mit einer Siegeskrone gelohnt wird?“ Das sind ernste Fragen, die wir Alle bedenken sollten. Der wahre Jünger des Herrn hat auch, wie der Meister, im eigentlichsten Sinne des Wortes keine Stätte, da er sein Haupt hinlege; nirgends einen Punkt auf der weiten Erde, wo er sagen kann: „Hier bin ich ganz zu Hause;“ er steht überall auf Kündigung, muss zu jeder Stunde zum Aufbruch und Auszug gerüstet sein: „Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr. 13, 14.) Der Christ hat nirgends eine Stätte der Ruhe: für ihn gibt es überall Arbeit; auch von ihm heißt es, wie der Meister von Sich sagt: „Ich muss wirken die Werke des, der Mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da Niemand wirken kann.“ (Joh. 9, 4.) Und Christo nachfolgen, heißt nicht bloß: Sein Gebot erfüllen, nicht bloß: den schmalen Weg Ihm nachwandeln, auf dem Er uns voranging, sondern es heißt vielmehr: den vorangehenden, uns voranwandelnden Christus zu erreichen streben, Ihm, der selbst das leuchtende Kleinod ist, nachjagen, ob wir es wohl ergreifen möchten, nachdem wir von Ihm ergriffen worden sind. Und wie könnte der Christ eher sein Haupt zur Ruhe legen, ehe seine Hand den erfasst hat, von dem er seinen Namen trägt? Und wenn wir Ihn auch im Glauben ergriffen haben, wie weit ist Er uns noch im Leben voraus! Wie muss der Fuß eilen, um auf dem Boden zu stehen, den der Glaubens - Blick längst erschaute, und die Kluft auszufüllen, durch welche Wissen und Können, durch welche Erkenntnis und Tat noch voneinander geschieden waren! - „Die Füchse haben ihre Gruben;“ da, unter der Erde, sind sie vor dem Verfolger gesichert; liebe Seele, macht dich der Gedanke nicht erzittern, dass du in der Nachfolge deines Meisters so lange vorwärts eilen, arbeiten, ringen und kämpfen sollst, bis die Erde deinen Fuß nicht mehr trägt, sondern unter dir zusammenbricht, und dir in enger, dunkler Kammer die letzte, die einzige wahre Ruhestätte auf Erden bereitet? Bist du bereit, Ihm in Arbeit und Kampf die Treue zu bewahren bis in die letzte Stunde, bis in die Sterbestunde? - „Die Vögel unter dem Himmel haben ihre Nester“; da, unter den weiten Himmelsräumen, sind sie dem Stricke des Voglers entronnen; da bauen sie ihr luftig Haus; von da aus schwingen sie sich auf zu den Wolken des Himmels, um ihrem Schöpfer ihr Loblied zuzujauchzen. - Liebe Seele, wenn du hier unten treu warst, und arbeitend und kämpfend in dem Dienst des Herrn aushieltest, bis Er dir in der Grabeskammer eine Ruhestatt für dein müdes Haupt bereitete, so wird Er dich einst aufwecken, und die Engel Gottes werden dich emportragen, und wirst über der Erde, in den himmlischen Wohnungen, wie der Vogel an heiliger Stätte (Ps. 84, 4), dein Haus bauen, und mit entfalteten Geistes - Schwingen wirst du die himmlischen Reiche durchziehen, und wirst den Meister preisen, der große Barmherzigkeit an dir geübt hat, und dich selig gemacht ohn' all' dein Verdienst.

O, liebe Seele: zage nicht, wenn dich der Herr zu Seiner Nachfolge einladet; der Weg ist wohl rau, aber der Ausgang so herrlich; durch Gehorsam geht's zum Siege, und durch Kreuz zur Herrlichkeit! (Julius Müllensiefen)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/42/lukas_9_57.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain