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Lukas 9,53

Lukas 9,53

Andachten

Sie nahmen ihn nicht an, darum, dass er sein Angesicht gewendet hatte zu wandeln gen Jerusalem. Da aber das seine Jünger, Jakobus und Johannes, sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen wir sagen, dass Feuer vom Himmel falle und verzehre sie, wie Elias tat? Jesus aber wandte sich und bedrohte sie und sprach: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten.
Erbarmen, herzliches Erbarmen also über die Welt war der Zweck deines Kommens in die Welt, o Jesu, du lieber Heiland. Auch jene Samariter trugst du aus Erbarmen mit Geduld, welche dich nicht annehmen wollten und bedrohtest deine Jünger, die über sie also sich erzürnten, dass sie Feuer vom Himmel fallen lassen wollten, sie zu verderben. Ach, die wir den Tod tausendmal verdient hatten mit unsern Sünden, die sollten doch das Leben haben; denn nicht der Menschen Seelen zu verderben, sondern zu erhalten, dazu bist du erschienen in der Welt im Namen deines himmlischen Vaters. Vor dem ist ja eines jeden Menschen Seele, stehe er noch so niedrig in der Welt, sei er noch so gering und klein, vor dem ist ja auch meine Seele teuer und wert geachtet. Unser Gott will nicht den Tod eines Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe, will nicht, dass jemand verloren gehe, sondern dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und selig werden. O diese Liebe, diese unaussprechliche, keine Ungeduld kennende, allen Zorn vergessende, nur auf die Rettung verlorener Sünder ausgehende Liebe reizt uns zur Bewunderung und Anbetung hin. Ihr Anschauen demütigt uns tief, erfüllt uns aber auch mit Kindesvertrauen und seligem Trost. Wir fühlen uns ihrer so unwert. Wir gedenken so oft nicht der großen Geduld, welche du an uns übst. Wir vergessen den Geist der Gotteskindschaft, der uns treiben sollte, und lassen uns jezuweilen hinreißen von einer Ungeduld, die, wenn es nur in unserer Macht stände, am liebsten Feuer würde fallen lassen vom Himmel, alles zu verderben. Ach so bilde doch unsere Herzen nach deinem Herzen und gib uns deinen sanftmutsvollen, stillen Sinn. Trage uns mit Geduld, so oft wir auch straucheln, vergib uns unsere Sünden, so oft wir durch Ungeduld, Ungehorsam, Untreue und wie sonst unsere Jüngerschaft verunehren und verleugnen. Lass dichs nicht an uns gereuen, dass du gekommen bist, der Menschen Seelen zu erhalten und selig zu machen. Obschon du nicht zum Gerichte in die Welt gekommen bist, so wissen wir doch, dass jedermann selber das Gericht über sich vollzieht und sich dem Verderben überliefert, der dich, seinen Heiland, im Unglauben verwirft. Darum behüte und bewahre uns doch aus Gnaden vor solcher Sünde und mache unsern Glauben an deine Barmherzigkeit gegen die Sünder lebendig und tätig durch eine der deinigen ähnliche Liebe, die nicht zu verderben, sondern der Menschen Seelen zu erhalten und selig zu machen gekommen ist. Amen. (Carl Just)

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