Lukas 7,16
Andachten
Und es kam sie alle eine Furcht an, und priesen Gott, und sprachen: Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, und Gott hat sein Volk heimgesucht.
Wenn es doch heut auch noch so wäre, denkt Mancher. Welch eine schöne Zeit, da die Blinden sahen, die Lahmen gingen, die Aussätzigen rein wurden, die Tauben hörten, die Toten auferstanden und den Armen das Evangelium gepredigt wurde! Wäre ich doch damals geboren worden, statt heute! Törichter Wunsch! Du Armer hast mehr als jene Witwe. Nicht das ist das Höchste, das Größte, dass der Herr Tote auferweckte, sondern dass er selbst starb, um durch seinen Tod des Todes Stachel, die Sünde zu brechen, und auch unsern Tod in seinen mit hineinzuziehen. Der Gekreuzigte ist ja auch der Auferstandene, und als solcher der Inhaber und Austeiler der himmlischen Güter; wer ihm anhängt, hat Sünde, Tod und Gericht überwunden. Wandelte er noch umher, wie einst in Israel, so würden wir immer nur in ihm den großen Propheten sehen und haben, aber nicht den durch das Leiden des Todes vollendeten Herzog unserer Seligkeit. Jetzt erst haben wir ihn, wie es im Hebräerbrief heißt. Wir haben ihn, er gehört uns an mit Allem, was er ist und hat und gibt und tut, und wir sind sein, die Schafe seiner Weide und das Volk seiner Wahl. Die Auferweckung des Jünglings von Nain sagt uns heute mehr als damals den Augenzeugen. Wir sehen darin das ganze Evangelium Gottes; Jesus und sein Werk, die Quelle, woraus es geflossen, das Ziel, wohin es geht. Es ist ein großer Prophet unter uns aufgestanden, der zugleich unser König und unser Hoherpriester ist. Er sah uns in unserm Blut, und sein Jammergefühl trieb ihn bis auf die Erde, bis ans Kreuz. Sein Machtwort: Weine nicht, wird einmal wie das Schöpfungswort: Es werde Licht! eine neue Schöpfung ins Dasein rufen, eine neue, heilige, selige Welt, wo kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz und der Tod nicht mehr sein wird. Die Erweckung des Jünglings zu Nain war nur der Anfang der Offenbarung Christi über die ganze Natur und über den Tod. Es werden einst alle Tote, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören, und dann wird es auch im höheren Ton heißen: Und sie priesen Gott. Daun wird ihm von seinen Erlösten allen ein Tedeum gesungen werden, das die himmlischen Chöre übertönt, und es wird heißen: Gott hat sein Volk heimgesucht, nicht weil ein großer Prophet unter uns aufgestanden ist, sondern weil wir sagen können: Seht da, eine Hütte Gottes bei den Menschen. (Friedrich Lobstein)