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Lukas 7,12

Lukas 7,12

Andachten

Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Witwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr.
Nahe an dem Stadttor begegnet der Herr einem Leichenzug. Ein einiger Sohn, und noch dazu der Sohn einer armen Witwe, war weggerissen worden aus dem Leben. Wer sollte sich da nicht erbarmen? auch begleitet beinahe die ganze Stadt die hinter dem Sarg weinende Witwe. Und doch welch ein Unterschied scheint oft zwischen dem Mitleid der Menschen und der Grausamkeit Gottes! Das sage niemand: Gott kann das nicht tun! er kann mir mein Liebstes nicht nehmen! Gott kann Alles tun, auch das Härteste, das Schwerste, das Unerträglichste. Er kann in seinen Zulassungen, in seinen Schickungen und Wegen mit uns so hart sein, so grausam, dass die Menschen, die doch arg sind, ihn beschämen mit ihrer Milde und ihrem Mitleid. Aber er kann das gegen dich sein nur in seinen Wegen, während er es nie ist in seinem Herzen. In seinem Wesen ist er lauter Liebe und Erbarmen; und wie Paulus sagt: die göttliche Torheit ist weiser denn die Weisheit der Menschen, so kann man auch sagen: Die göttliche Grausamkeit ist mitleidiger als das Erbarmen der Menschen. Auch Gottes härteste Schläge und die schwersten Wege, die er uns führt, müssen uns endlich offenbaren, dass er unser Freund war, wo er unser Feind schien. Bei Allem, was er uns nimmt, ist es bei ihm doch nur aufs Geben, Retten und Wohltun abgesehen. Darum klage und verzage nicht, auch in der dunkelsten Stunde; sei still und harre seiner, du wirst ihm noch danken, dass er deines Angesichtes Gott und deine Hilfe ist. Das sollte auch jene Witwe erfahren in einer Stunde, wo sie es am wenigsten ahnte. Man dachte, da man zur Stadt hinausging, nur ans Begraben, und wann ist Menschenhülfe so keine nütze, als wann wir sie am Rande eines offenen Grabes suchen? (Friedrich Lobstein)


Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Witwe, und viel Volks aus der Stadt ging mit ihr. Und da sie der Herr sah, jammerte ihn derselbigen, und sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und rührte den Sarg an, und die Träger standen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, stehe auf: Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter.
Das ist ein Vorbild des Augenblickes, wo der Herr Jesus mit der Menge vieler tausend Engel wiederkommt. Da tritt er herzu und rühret den Tod an, und alle seine Leichenzüge stehen stille, denn seiner Herrschaft wird ein Ende gemacht, und vergebens öffnet er seine Schatzhäuser, darein er die Gebeine gesammelt hat. Das wird ein Augenblick sein, wo Himmel und Erde in erwartungsvoller Stille auf den Herrn sehen, der so manches Jahrtausend sein: Weine nicht! den Sterbenden und den Hinterbliebenen hat zurufen lassen. Da ruhen sie alle, die mit seiner Verheißung sind schlafen gegangen und ein besseres Erbe gehofft haben. Da ruhen auch die Verzagten, die sich nicht haben wollen trösten lassen, da ruhen auch die Spötter und Ungläubigen, die ihr Teil in diesem Leben vorweggenommen und das Evangelium verlacht haben. Sie alle sollen Zeugen sein, dass des Herrn Mund Wahrheit ist, und sollen den sehen, welcher dem Tode die Macht genommen hat.

Und er sprach: Jüngling, ich sage dir: Stehe auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden. Und er gab ihn seiner Mutter. So rasch folgt Eins auf das Andere. Kaum ist das Lebenswort aus Jesu Munde, da regt sich die Lebenskraft in dem Toten. Er richtet sich auf, er redet, er lebt, als wäre er nie gestorben. Das alles geschieht so einfach, als wär's die leichteste Sache von der Welt. Mehr als eines Wortes hat es hier nicht bedurft, und mehr als eines Wortes wird es nicht bedürfen, wenn er am jüngsten Tage dem Tode seinen Raub abfordert. Da werden wir uns auch aufrichten und reden zu Jesu Christi Preise, und uns wird sein, als wären wir eine Weile ins dunkle Kämmerlein gegangen und hätten sanft geschlafen. Aber wohler wird es uns sein als diesem Jüngling. Gott vergönnt ihm zwar, seine Tage zu vollenden, welche in der Mitte abgebrochen waren; aber er kehrt in das gebrechliche unvollkommene Leben zurück, wo nichts vollendet wird, und muss noch einmal durch das finstere Todestal hindurch. Das wird uns an jenem herrlichen Tage der Erscheinung Christi nicht zugemutet. Wir haben das kümmerliche Fleischesleben hinter uns, das hat der Tod, das behalte er. Dagegen leben wir, dass man es ein Leben nennen kann, und in diesem Leben bringen. wir etwas vor uns, das des Lebens wert ist, und daran Gott und Engel ihre Freude haben. Kein Salomo soll uns dann mit seiner Weisheit gleich sein, und kein Elias soll sagen, dass er größere Werke getan hat, als wir tun. Es wird etwas Unvergleichliches sein, das jetzt keiner in uns sucht, und wir selbst werden es kaum fassen können, dass wir noch dieselben Personen sind. Alsdann werden wir auch reichlich getröstet werden über unser gegenwärtiges Leben, das uns so fruchtlos und so vergeblich zu sein scheint. Wir dachten, wir hätten es zu nichts gebracht, und siehe, durch Gottes Gnade ist so viel herausgekommen. Die kleinen Samenkörner, die wir unter Seufzen streuten, stehen alle in vollen Ähren. Es ist eine Lust, diese Ernte anzusehen, welche wir in die ewigen Scheunen bringen. (Kornelius Münkel.)


Als er nahe an das Stadttor kam, siehe da trug man einen Toten heraus, der ein einiger Sohn war seiner Mutter; und sie war eine Witwe.
Jedes dieser Worte ist noch ein Wermutstropfen in den alten bitteren Kelch. Der Todte war ein Jüngling. Je frischer das Leben, umso bitterer der Tod. Wenn der Herr kommt in jungen Jahren, will der Mensch nicht los vom Leben. Aber der Tod kümmert sich um kein Geburtsregister. Er schlägt kein Kirchenbuch auf. Er schlägt nur das Buch des Lebens zu. Ferner wird berichtet, dass er ein einziger Sohn war. Die Bitterkeit des Todes ist zwar für den Sterbenden gleich, ob er ein einziger Sohn sei, oder ob er noch elf Brüder habe; aber für die Hinterbliebenen ist es nicht gleich. Der Mensch lebt eigentlich nur so viel, als er liebt. Wer nicht liebt, der ist tot. Er ist ein kalter Stein. Wem der Herr nun alles nimmt, was er liebt, dem ist es, als ob ihm das Herz, das Leben aus dem Leben genommen würde. Aber noch ein Wermutstropfen ruht in unserer Geschichte: „und sie war eine Witwe“. Wenn eine Mutter im Kreise ihrer Familie steht, dann ist sie gestützt nach beiden Seiten hin. Zur Rechten steht der Mann, zur Linken die Kinder. Dieser Mutter hatte Gott erst die Stütze zur Rechten weggenommen. Da blieb der Sohn. „Der soll mein Trost sein im Alter; der soll mir in der letzten Stunde die Augen zudrücken und mich zur Ruhe geleiten.“ Nun kam es umgekehrt. Sie hatte ihm die Augen zugedrückt, sie ging hinter seiner Leiche her. In dem Sohne war ihr der Mann noch einmal mit gestorben. Nun war sie erst eine ganze und volle Witwe.

Herr Jesu Christe, was wären wir doch ohne dich und deine Verheißungen! Schwankendes Rohr, das ein Windstoß zerknicken kann. Was wir sind und haben, die nächste Stunde kann es vernichten. So hilf denn, dass wir heute und alle Tage dieser Woche nicht nur denken an das arme Erdenleben, das so bald verflogen sein kann. Hilf, dass wir uns nicht verlassen auf unsere Kraft und uns nicht zu fest anklammern an die Erde und das was sie uns Liebes geschenkt hat. Mache uns bereit, dass auch wenn der Tod in unseren Kreis eingriffe, wir nicht verzagen, sondern getrost rufen können: Herr, dein Wille geschehe! Amen. (Friedrich Ahlfeld)

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