Lukas 2,8
Andachten
Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große (Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend. Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Sei uns willkommen, o Jesu, du edler Gast! Alles verkündigt schon bei deiner Geburt, dass wir an dir haben sollen den Heiland in unsern Sünden. Dein Engel geht vor dir her und redet wie von deiner Größe und Herrlichkeit, so auch von deiner unaussprechlichen Gnade und Barmherzigkeit. Er hinterbringt Bethlehems Hirten die frohe Kunde: „Euch ist heute der Heiland geboren;“ denn den Armen muss das Evangelium gepredigt werden und was gering und von der Welt verachtet ist, das wird von Gott erwählt. Er nimmt von ihren Herzen alle Furcht und bringt in die Traurigkeit ihres Lebens den rechten Trost; denn er redet freundlich: „Fürchtet euch nicht“ und tröstet lieblich: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird!“ Er nennt dich Christum, den Herrn, dass wir nicht meinen sollen, als seist du viel zu wenig, unser Erlöser zu werden, aber lehrt uns dich auch anschauen in den Windeln, den Zeichen deiner Niedrigkeit, und in der Krippe, die du zu deiner Lagerstatt hast, dass wir uns nicht bedenken sollen, uns dir zu nähern, und nicht sorgen, als kenntest du uns nicht. Dieser Gnade an uns armen Menschenkindern freuten sich die Engel und über diesen unsern Trost jauchzte der ganze Himmel auf. „Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen;“ also gaben sie Gott die Ehre, also kündigten sie der ganzen Welt Frieden an, also bezeugten sie allen Menschenkindern das Wohlgefallen Gottes an ihnen. Sollten denn aber wir, wir armen und doch so hoch begnadigten Sünder, uns nicht freuen der großen Freude, die uns heute verkündiget wird? Sollten wir nicht von Herzen dafür dankbar sein, dass uns in dir der Heiland geboren ist? welch ein liebevoller Rat, welch unaussprechlich große Tat! Gott tut ein Werk, dem keines gleicht, das keines Menschen Lob erreicht! Freue dich, freue dich, du ganze Christenheit; freue auch du, mein Herz, dich darüber und lobe, meine Seele, den Herrn! Ach was sind wir, dass uns Gott so liebt und seinen Sohn selbst für uns gibt! Du, Herr, des Herrschaft auf deiner Schulter ist und der du heißt Wunderbar, Rat, Kraft, Held, Ewig-Vater, Friedefürst, du verlässt den Himmel, den Stuhl deiner ewigen Majestät und Ehre, und kommst in diese Welt zu uns als ein armes Menschenkind, dass, die da Leid tragen, sollen getröstet werden. An dir, du Hochgelobter und Herzlichgeliebter, sollen die Hilflosen einen Helfer, die Kranken einen Arzt, die Elenden einen Erbarmer und die verlorenen Sünder einen Heiland und Seligmacher haben. Wo sollen wir, nun selige Gotteskinder, nur anheben zu bitten? Wo sollen wir, nun fröhliche Himmelserben, nur aufhören zu danken? Du hochgelobter Heiland, lass unsre Herzen, darin zu ruhen, deine Wiege sein und gib uns Macht, dein und deines Vaters herzliches Erbarmen über uns würdig zu preisen. Hilf uns, dass wir uns nicht ärgern an deiner unansehnlichen Gestalt, sondern dir anhangen mit festem und freudigem Glauben. Wir gehen heute in deinen Tempel, uns zu erquicken an der Engelpredigt: „Siehe, ich verkündige euch große Freude!“ Nach deinem Heiligtum steht unsers Herzens Verlangen, im Staube vor dir anzubeten mit den andern, die gleich uns fröhlich und eifrig sind, und dann mit deinen heiligen Engeln um die Wette zu rühmen: „Ehre sei Gott in der Höhe!“ Dazu segne uns, Herr! Lass deinen Frieden uns schmecken und uns dein Wohlgefallen an uns zu Trost und großer Freude erfahren. Amen. (Carl Just)