Lukas 2,7
Andachten
Sie legten Ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Der himmlische Vater führte Seinen eingeborenen Sohn unter sehr niedrigen Umständen in die Welt ein. Da Er Ihn hätte können als einen Gottmenschen unter schrecklichen und prächtigen Zeichen vom Himmel herabkommen lassen, so ließ Er Ihn von einer armen Jungfrau geboren werden. Und da Er wenigstens Seine Kindheit durch eine außerordentliche Gestalt oder Leibeskraft, oder durch den Glanz eines besonderen Lichtes hätte auszeichnen können, so ließ Er Ihn mit der gewöhnlichen Gestalt, Schwachheit und Leibesgröße geboren werden. Er konnte nach Seiner Geburt weder gehen noch stehen, Joseph und Maria legten Ihn – sie legten Ihn, nachdem Er in Windeln gewickelt war, in eine Krippe. Warum in eine Krippe? Weil die Geburt in einem Stalle geschehen war, in welchem Joseph und Maria damals ihren Aufenthalt hatten. Warum aber dieses? Darum, weil sie sonst keinen Raum in der Herberge hatten. Es waren wegen der Schatzung oder des Seelenregistern, welches der Kaiser zu machen befohlen hatte, viele fremde Leute in der Herberge zusammen gekommen; weswegen jene zwei auserwählten armen Personen, Joseph und Maria, keinen Raum, außer im Stall, bekamen. So gar unscheinbar ging Alles bei dieser allerwichtigsten Geschichte her. Keine göttliche Stimme und keine himmlische Erscheinung wies sie nach Bethlehem, der kaiserliche Befehl musste ihre Reise nach Bethlehem, an welcher doch um der Wahrheit Gottes willen und zur Erfüllung einer Weissagung sehr Vieles gelegen war, veranlassen. Auch hatte der Engel Gabriel mit der Maria nichts von dem Stalle und der Krippe geredet, aber das Gedränge der Leute und die Armut des Joseph und der Maria trieb sie dahin. Gottes Rat hatte aber dieses Alles beschlossen, und Sein Wohlgefallen ruhte auf diesen niedrigen Umständen. Nun konnte der Engel, welcher den Hirten in derselben Nacht erschien, die Krippe als das Zeichen angeben, woran sie den neugeborenen Christus erkennen könnten. Das habt zum Zeichen, sagte er V. 12., ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegen.
Wir, die wir von der Geburt an mehr äußerliche Bequemlichkeit und Vorteile genießen, als der eingeborne Sohn Gottes genossen hat, sollen Ihn anbeten, und Ihm danken für Seine tiefe Erniedrigung und Entäußerung, womit Er das Werk der Erlösung angefangen, fortgesetzt und ausgeführt hat, aber auch in die Gemeinschaft Seines reinen und heiligen Sinnes einzudringen trachten. Nach eitler Ehre geizig sein, den Bauch zum Gott machen, an sich selbst ein Gefallen haben, der Welt sich gleich stellen, in dem, das Nichts ist, ruhen wollen, ist der verderbten Natur aller Menschen gemäß. Über diesem Allem strafe und richte uns der Geist Jesu Christi, und mache uns davon frei, und so gesinnt, wie Jesus Christus war. Wenn uns aber wirklich etwas von demjenigen mangelt, was Andere zu ihrer Bequemlichkeit, und zur Zierde ihres Standes haben, sollen wir unsere Zufriedenheit in dem Angedenken Jesu suchen, welcher als ein neugeborenes Kind kein bequemes Lager, und als ein Sterbender kein weiches Bett gehabt hat, und dessen ganzer Lauf auf Erden mit Mangel, Mühseligkeit und Schmach umgeben war. Die Ehre, ein Kind Gottes zu sein, ersetzt Alles, der Friede Gottes ist ein größeres Labsal als Alles, was die eitle Welt darbieten kann. In jener Welt aber werden diejenigen, die sich selbst hier bei dem Glauben an Christum verläugnet und erniedrigt haben, den Vollauf herrlicher und ewiger Gaben empfangen. (Magnus Friedrich Roos)
Und Maria gebar ihren ersten Sohn, wickelte ihn in Windeln, und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Man möchte den Stall zu Bethlehem nicht unbillig eine hohe Schule der göttlichen Liebe nennen und den Denkspruch beifügen: Also hat Gott die Welt geliebt. Wer ist das Kind? Eine Gabe der Liebe Gottes, ja die Liebe selbst, denn Gott ist die Liebe. Wie ist aber dieses edle und liebe Kind nach Bethlehem in den Stall gekommen? die Liebe hat es dahin gezogen. Aber friert es denn nicht, weil es daselbst im Heu und Stroh und geringe Windeln eingewickelt ist? Nein, denn es brennt vor Liebe. Aber was bringt uns denn dieser edle und ungewöhnliche Gast auf Erden? Die Liebe Gottes. Was erfordert's denn für solche Wohltat? Aufrichtige Liebe. Nun, mein lieber Mensch, was soll dich sonst bewegen, wenn dich solche Liebe nicht beweget? und was für eine Entschuldigung willst du am jüngsten Tage haben, wenn du eine solche Gnade und Seligkeit nicht achtest, und eine solche Liebe verwirfst? Ach, wie mancher Mensch mag jetzt Weihnachten halten, der sein Leben lang die Liebe Gottes nie recht erwogen, sie niemals eines rechten, ernstlichen Nachdenkens gewürdigt, nie darum gebeten, gesorgt und geweint hat. Und ich halte, dies sei die Sünde über alle Sünde, dass man die Liebe nicht liebt, ja sie verachtet und nicht begehrt. Wenn die Sonne aufgeht, zweifelt Niemand unter uns, ob auch ihm das Licht zu gut aufgehe, sondern ein Jeder bedient sich dessen zu seinen Geschäften; und wenn ein durstiger Wandersmann eine Quelle sieht, fragt er nicht, ob er dürfe trinken, sondern eignet ihm's zu: so müssen wir's auch machen; denn dieser Schatz ist in Christo uns allen gegeben, darum wir uns alle dessen anzumaßen haben. Helfe Gott, dass es mit Freudigkeit geschehe. (Scriver.)