Lukas 24,49
Andachten
“bis dass ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.“
Kraft der Rede, Kraft der Überzeugung, Kraft der Anziehung - all dergleichen hat heutzutage einen Marktwert. Die meisten Menschen sind an sich so kraftlos, dass sie jedem kraftvollen Auftreten nachlaufen. Sie wollen wenigstens eine kleine Weile fröhlich sein im fremden Licht. Dabei wird gar nicht unterschieden, dass es Kräfte der Naturanlage, des Charakters, der Persönlichkeit gibt, die mit der Kraft aus der Höhe nichts gemein haben. Noch schlimmer, wenn es Kräfte von unten her sind, unterpersönliche, aus dem Reich der Finsternis stammende. Bisweilen mischen sich auch natürliche Kräfte mit solchen satanischen; dann ist die Gefahr am größten. Kraft aus der Höhe - das ist Heiliger Geist. Der muss Jesum verklären wollen, der muss sich von sich selbst losmachen, sanftmütig und demütig machen. Wo solche Kraft vorhanden ist, muss früher oder später die Liebe Christi offenbar werden und damit eine Überwindung und Verklärung der Naturanlage, so dass Jesu Name dadurch gepriesen wird. Am sichersten kann man die Kraft beurteilen an ihren Früchten, d.h. an den Menschen, die sich ihr ergeben haben. Werden unsere Anhänger besser, freundlicher, stärker und freudiger?
Herr, du hast Kraft genug! Darum räume deine Kinder aus von ihren eigenen Machenschaften. Stoße die fremden Kräfte fort, dass sie deine Auserwählten nicht verführen und verblenden dürfen. Gib uns deine Kraft, die in Schwachen mächtig ist. Amen. (Samuel Keller)
Und siehe, ich will auf euch senden die Verheißung meines Vaters. Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis dass ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.
Die Schrift redet von vielen Verheißungen des Vaters. Unter all den Verheißungen, die schon im Alten Bunde gegeben waren, sind zwei die größten: die Verheißung des Messias und die Verheißung des heiligen Geistes; darum nennt auch der Heiland letztere Verheißung die Verheißung des Vaters. Die Gabe des heiligen Geistes ist die größte Gabe, die uns Christus erworben hat. Alle Arbeit Gottes an einer jeden einzelnen Menschenseele und an der ganzen. Gemeinde geschieht durch den heiligen Geist. Er erweckt den in Sünden toten Menschen; Er verklärt dem gnadenhungrigen Menschen Christum und setzt ihn innerlich in den Stand, die Gnade in Christo Jesu zu erfassen. Er bereitet das begnadete Herz zu zu einer Behausung Gottes in Geist, und bringt den ganzen Menschen wieder unter das Regiment Gottes. Er ist die Kraft aus der Höhe, ohne die im Reiche Gottes keine Frucht geschafft werden kann; Er allein kann die Knechte des Herrn ausrüsten zum heiligen Dienst im Hause des Herrn. Alle andere Ausrüstung ist Ohnmacht, gegenüber aller Macht der Finsternis.
Darum mussten die Apostel in Jerusalem bleiben, bis sie empfingen die Kraftausrüstung durch den heiligen Geist. Erst nach dieser Ausrüstung konnten sie Jesu Zeugen sein. Sie waren dem Herrn gehorsam, und empfingen am Pfingstfest die Gabe des heiligen Geistes. Nun gingen Ströme des lebendigen Wassers von ihnen aus. Schon am ersten Pfingstfest beugten dreitausend Juden ihre Knie vor Jesu Christo dem Gekreuzigten und Auferstandenen, und wie einst vom Herrn, so gingen auch von den Aposteln Kraftwirkungen aus zur Heilung der Kranken. Sieg auf Sieg folgte, wie uns die Apostelgeschichte berichtet. Die Gemeinde des Herrn ist untreu gewesen; sie hat den heiligen Geist betrübt und Er hat sich zurück gezogen. So muss uns das Pfingstfest zum Bußfest werden. Es kann uns nicht geholfen werden, wenn nicht wieder eine neue Geistesbewegung durch die Gemeinde geht. Werden wir recht nüchtern und klar, und beginnen wir damit, dass wir uns persönlich ganz unter die Zucht des heiligen Geistes stellen.
Herr Jesus Christus, Du Haupt Deiner Gemeinde! Erbarme Dich Deiner Herde. Siehe an ihre Schwachheit und Ohnmacht, und suche sie heim, wie im Anfang. Amen. (Elias Schrenk)
Ihr aber sollt in der Stadt Jerusalem bleiben, bis dass ihr angetan werdet mit Kraft aus der Höhe.
O seht doch, wie der Herr hier so ganz anders zu Werke geht als Menschen. Wenn diese einander zu Taten ermuntern wollen, dann verweisen sie sich gegenseitig auf den Geist und die Kraft, die in ihnen wohnt. Einer spricht den andern an: „Nimm deine Gedanken zusammen, spanne deine Kräfte an, tue, was du kannst.“ In den Reden Jesu an die Jünger finden wir durchaus nichts von dieser Art. Nirgends sagt er zu ihnen: „Strengt die in euch gelegten Kräfte an. Denkt fleißig zurück an das, was ich euch gesagt habe.“ Er sagt auch nicht einmal: „Leset die Schrift fleißig, auf dass ihr durch sie geheiligt und gestärkt werdet. Stellt euch mein Bild fleißig vor die Seele, damit ihr durch dasselbe zu treuer Nachfolge entflammt und gestärkt werdet.“ Still sollten sie zusammen zu Jerusalem warten, bis dass sie angetan würden mit Kraft aus der Höhe. - Da kannst du recht erkennen, dass der heilige Geist, welchen Jesus verheißt, kein Menschengeist und keine Steigerung der eigenen Kraft ist. Er ist und bleibt ein lauteres Himmelsgeschenk. Die große Frühlingszeit im Menschengeschlechte war gekommen. Der große Säemann war über die Erde gegangen und hatte den Samen auf die Erde gestreut, der Frucht tragen sollte für das ewige Leben. Aber nach Ostern, auch nach der Himmelfahrt des Herrn lag der Same noch tot in seinem Boden. In aller Stille warteten die Jünger auf den großen Frühlingsregen, der auf das lockere Land fallen sollte. Sie beteten auch, dass diese Gnade über sie ausgegossen würde. Und sie ist ausgegossen worden. Pfingsten ist der volle Anfang des Frühlings für die Kirche Christi. Da empfingen sie die Stärke für ihren großen Beruf.
Herr, wir müssen bekennen, dass von jenem stillen Warten der Jünger gar wenig in uns ist. Wir beten und ringen so wenig um deinen Geist. O befeuchte und befruchte auch in uns den Samen, den du gestreut hast; mit unserm Geiste können wir ihn nie lebendig machen. Ja, gib selbst uns zu solchem Wirken deines Geistes die rechte Ruhe mitten in der Arbeit des Lebens und im Lärm des Tages. Amen. (Friedrich Ahlfeld)