Lukas 24,40
Andachten
Und da er das sagte, zeigte er ihnen Hände und Füße.
Jesus trug seine Wunden auch an seinem auferstandenen Leibe, und das war seinen Jüngern ein Zeichen, dass sie nicht ein Gespenst, sondern denselben Jesus vor sich sahen, welchen sie hatten am Kreuze bluten sehen. Er konnte mit diesem Leibe essen und trinken, ohne doch das Bedürfnis nach irdischer Nahrung zu haben; und Er konnte mit diesem Leibe auch durch verschlossene Türen gehen, wiewohl es ein wirklicher Leib mit Fleisch und Bein war, nur aller irdischen Schwachheit entrückt, so wie ihn auch der Himmel beherbergen kann. Denn mit diesem verklärten Leibe sitzt nun unser Herr zur Rechten des Vaters, und trägt seine Wunden als seinen Schmuck, zum Staunen aller Engel, und zum seligen Entzücken aller geretteten Menschenseelen, welche, rein gewaschen und geheiligt durch sein Blut, hinübergelangen und dort den Herrn eben an diesen seinen Wundmalen als ihren Jesum erkennen werden. Er trägt sie als einen Schmuck, zum ewigen Gedächtnis seiner Liebe, die Ihn ans Kreuz und in den Tod getrieben hat, und als einen Triumph, durch welchen Er den grimmen Feind seines armen, gefallenen Geschöpfes, den Tod, siegreich überwunden hat. Denn an dem Blute, welches aus diesen Wunden geflossen, ist der Tod gestorben. Als er dies Blut trank, da hat der Tod Unschuld, Leben und Seligkeit, das ist sein eigen Gift, getrunken und daran muss er sterben. Diese Wunden sind das bleibende Zeichen der hohepriesterlichen Würde Jesu, ein selbstredender, forttönender Ruf um Erbarmung über ein versöhntes Sündergeschlecht, aber auch eine stehende Anklage wider die, welche diesen Heiland der Sünder hassen und verachten. Diese strahlenden Wunden an dem verklärten Leibe des gottmenschlichen Hohenpriesters werden auch in alle Ewigkeit die erretteten Menschenseelen nicht vergessen lassen, was es ihren Herrn gekostet hat, dass sie erlöst sind, und woher sie selbst gekommen sind, nämlich aus großer Trübsal und Elend. Der Blick auf diese Wunden zeige dir, dass auch du nicht unverwundet bleiben kannst. Willst du ein Glied am Leibe Jesu sein, welches das Haupt als sein Eigen anerkannt und nach sich zieht, so musst du leiden. Aber du hast einen mitleidigen Hohenpriester, welcher die Zeichen davon an sich trägt, dass Er das Wehe des Schmerzes an sich erfahren hat und darum dir nachfühlen kann und dich trösten will. Aber noch mehr. Der Blick auf die Wunden Jesu lehrt dich, dass es geheilte Wunden sind, und Wunden, die jetzt in Herrlichkeit strahlen. So sei getrost, auch deine Wunden werden geheilt. Jetzt bist du wohl noch bedeckt von Striemen, welche deine Sünden dir schlagen, und von Beulen, welche deine Unreinigkeit mit giftigem Eiter füllt, aber du sollst heil werden: kein Fleck, keine Runzel wird nachbleiben, geheiligt durch und durch und ganz herrlich gemacht wirst du vor dem Antlitz Gottes erscheinen. Laufe nur durch Geduld in dem Kampf, der dir verordnet ist, und siehe auf Jesum, den Anfänger und Vollender deines Glaubens, welcher, da er wohl hätte Freude haben mögen, erduldete er das Kreuz und achtete der Schande nicht, und ist gesessen zur Rechten auf den Stuhl Gottes. (Anton Camillo Bertoldy)