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Lukas 23,18

Lukas 23,18

Andachten

Da schrie der ganze Haufe und sprach: Hinweg mit diesem, und gib uns Barabbam los.
Barabbas wurde frei, und Christus litt die Strafe eines Mörders und Aufrührers, die ihm das Volk in dem Geschrei zuerkannte: Kreuzige, kreuzige ihn! So ungerecht dies auch in dem weltlichen Gericht war, da weder das Volk, noch auch Pilatus irgend ein Recht hatte, ohne die Einwilligung Jesu also zu verfahren, ja Jesus selbst nicht einmal das Recht gehabt hätte, diese Einwilligung, wenn er darum wäre gefragt worden, zu geben, wenn Er, wie doch die Juden von ihm glaubten, ein bloßer Mensch gewesen wäre, da es hier das Leben selber galt, und es ja auch ganz zweckwidrig gewesen wäre, der menschlichen Gesellschaft ein so nützliches Glied, wie Jesus war, zu rauben, und sie durch die Erhaltung eines solchen Verbrechers zu gefährden: so gerecht, so zweckmäßig war doch die Verwechslung, welche im Gericht Gottes zwischen Christo und dem Volke vorging, das mit Recht ein geliebter Sohn genannt werden mag, wie der Name Barabbas heißet. Kraft dieser Verwechslung wird eine Schar, die niemand zählen kann, von allen verdienten Strafen und vom ewigen Tode errettet, und gelangt zum Leben, zum ewigen Leben; es entsteht kraft derselben eine Gemeine, die herrlich ist, die nicht hat Flecken noch Runzeln, oder des etwas; die aus lauter Gerechten besteht; eine Gemeine, welche, nachdem sie gewaschen ist mit seinem Blute von ihren Sünden, und angenehm gemacht in ihrem Geliebten, zum Lobe seiner herrlichen Gnade, durch welche wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade, eine Behausung Gottes wird im Geist, ein Tempel, worin der dreieinige Gott wohnt und wandelt, eine Gemeine, über welche Er rein Wasser sprenget, dass er sie reinige von aller ihrer Ungerechtigkeit (Unreinigkeit), deren Herz gereinigt wird durch den Glauben an Jesum, eine Gemeine, welche errettet ist von der Obrigkeit der Finsternis, und versenkt in das Reich des lieben Sohnes, und tüchtig gemacht zum Erbteil der Heiligen im Licht. (Gottfried Daniel Krummacher)


Hinweg mit diesem und gib uns Barrabam los!
Barrabas, verdeutscht Sohn des Vaters, ein Revolutionär, ein Volksbefreier aus eigenem Berufe und dabei ein Mörder, ein Messias nach dem Geschmacke des natürlichen Menschen, wird von Pilatus, jenem wankelmütigen Richter, der mit der Gunst der Volksmasse buhlte und der im Kampfe zwischen der Übung der Gerechtigkeit und der Wahrnehmung der eigenen Sicherheit, nach einigen schwächlichen Versuchen schmählich unterliegt, neben Jesum, den einigen unschuldigen Sohn des rechten Vaters, neben den wahren Volksbefreier, der aus Liebe zum Volke nicht mordete, sondern sich morden ließ, hingestellt, damit das Volk die Losgebung dessen erwähle, für welchen es am meisten Mitgefühl hegt. Und siehe, die Masse des Volks entscheidet sich in imposanter Majorität, in einem Beschlusse, der an Einstimmigkeit grenzt, für den Lügenmessias und Mörder Barrabas und verurteilt den unschuldigen Jesus, den wahren Wohltäter des Volkes, zum Kreuzestode! Ist es zu verwundern, wenn die Freunde Jesu nach solchem Vorgange sich mit der jetzt beliebten Majoritätenherrschaft nicht befreunden und das Sprichwort: „des Volkes Stimme ist Gottes Stimme“ seither nicht für Wahrheit halten können? Freilich wissen wir uns auch über die daraus hervorgehenden Verkehrtheiten zu trösten, und wissen, dass auch die Verwerfung Jesu und die Wahl des Barrabas unter dem göttlichen Liebesratschluss zum Heile der Welt hat ausschlagen müssen, wie wir denn auch wissen, dass überhaupt nichts so böse ist, das Gott nicht zum Besten derer lenke, die Ihn lieb haben. Aber jene Wahl, welche ein natürliches Ergebnis gottentfremdeter Menschenherzen war, wiederholt sich für jeden einzelnen Menschen so oft, als sein verkehrter Sinn sich für die Sünde und wider Gott entscheidet und wird besonders bedeutungsvoll und folgenschwer, wenn uns Christus lebhaft vor die Augen gestellt wird und wir uns dennoch entscheiden, lieber der Welt mit ihren falschen Messiassen zu folgen; wenn unser Herz, anstatt von der Größe der für uns übernommenen Leiden heilsam ergriffen und zur Buße geführt zu werden, von der Hässlichkeit eines leidenden Messias zurückgestoßen wird, wie denn die Verwerfung des Volkes Israel sich von dem Augenblicke herschreibt, wo sie ihren Messias verworfen haben. Und bei uns ist es doch noch etwas Anderes und Ärgeres, den Heiland zu verwerfen, da wir die vollendete Offenbarung der Liebe Gottes in seinem Kreuzestode kennen und einen Überblick über die gesamte Bedeutung seiner Leiden für uns haben, als bei den Juden, die immerhin den „Gekreuzigten“ noch nicht verworfen hatten. Daher muss auch unsere Verwerfung desto völliger und schrecklicher sein, wenn wir bei besserer Erkenntnis des göttlichen Sündenhasses und der göttlichen Liebestiefe dennoch unsere Neigung der Welt und ihrer sündlichen Lust schenken, dagegen aber von dem Lamme Gottes, welches der Welt Sünde trägt, uns innerlich abkehren, den Mörder und Aufrührer loslassen, aber Christum kreuzigen. O dass uns Entsetzen ergriffe bei dem Gedanken, wir könnten auch zu denen gehören, die da rufen: hinweg mit diesem, und gib uns Barrabam los!

Jesu, Trost der armen Seelen! Andre mögen in der Welt Wählen, was dem Fleisch gefällt; Ich will dich allein erwählen. (Anton Camillo Bertoldy)

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