Lukas 15,5
Andachten
“Und wenn er's gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden.“
An diesem Vers, den ich vielleicht hundertmal in meinem Leben gelesen, fiel mir heute Abend zum ersten Mal der Gedanke auf: wie schwer so ein erwachsenes Schaf zu tragen ist und wie weit es sich von der Herde weg verirrt haben konnte, so dass es galt, diese Last vielleicht eine oder zwei Stunden weit zu tragen. Notwendig wird es gewesen sein, denn das arme Ding hatte sich auf Steingeröll beim sinnlosen Fortspringen die Füße müde und wund gelaufen. Und dann steht noch dabei, dass er das nicht mit Seufzen tat, sondern mit Freuden! Mit einem Schlag wurde ich tief beschämt. Nicht nur, dass Jesus mich überhaupt so geduldig gesucht, so lange, bis er mich fand. Nein, vielmehr, dass er nachher noch so viel Last mit mir gehabt hat und ich ihm vielleicht außer der natürlichen Schwere noch so viel Not mit meinem ungeduldigen Zappeln gemacht habe! Und das alles mit Freuden! Wie beugt mich solche Vorstellung! Meine Hirtenpflicht habe ich sehr oft mit Seufzen, sehr, sehr selten wirklich mit Freuden getan! Und er? Soll nun solch eine kleine Beobachtung nicht heißen, demütige Liebe in der Seele anfachen zu einem solchen Jesus! Es töne fort das Wort: Mit Freuden!
Herr Jesus, großer Menschenherden guter und getreuer Hirt, was soll ich zu solcher überwältigenden Liebe sagen? Ich beuge mich und bete drüber an und staune über dich! Ach, lass mich noch leben und arbeiten für dich, damit ich noch etwas mit Freuden für dich tun kann! Amen. (Samuel Keller)
Und wenn er es gefunden hat, so legt er es auf seine Achseln mit Freuden.
Jener Herr nimmt sein Schäflein auf die Achseln mit Freuden und trägt es nach Hause. Ja Jesus trägt jeden gefundenen Jünger in die liebe Heimat, hier in die Kirche, in die streitende Gemeinde, dort in den Himmel, in die triumphierende Gemeinde. Er trägt den Sünder. Lerne du ihn auch tragen. Lass dich durch seine Art und seine Schwachheit nicht verbittern. Es tritt uns so Mancher entgegen, für den wir nach seiner ganzen Art von Natur kein Herz haben. Mancher macht uns auch mit seinen Fragen, Anforderungen und seinem ganzen Wandel das Leben recht sauer. Lass dich nicht stören. Die Liebe trägt Alles, sie duldet Alles, sie lässt sich nicht erbittern. Schaue auf zu deinem Herrn, wie er das verlorene Schaf auf den Achseln hat. Er gibt Mut, Freude und Treue. Wenn du im Glauben zu ihm aufsiehst, springen flugs plötzlich verborgene Quellen im Herzen auf. Bitte ihn, dass er dir zeitlebens Offenheit, Zugänglichkeit und Freundlichkeit für jede suchende Seele bewahre. Bitte ihn, dass du gegen die Herzensnot Anderer nicht kalt und mürrisch werdest, wenn du alt und grau wirst, sondern danke es bis in den Tod deinem Herrn, dass er auch dich auf seine Achseln genommen hat.
Gib uns allen die Gnade, dass wir von dir heimgetragen werden zu deiner treuen Herde und zuletzt, treuer Herr, auch in das ewige Heim. Erwecke deine ganze Christenheit, dass sie mit allem Ernst und aller Beharrlichkeit dir das Verlorene suchen helfe. Ja schenke es uns, dass wir uns an jeder geretteten Seele freuen können wie an der Rettung der eigenen. Behüte uns vor allem Stolz und Pharisäertum, in dem wir irgendeine Seele verachten, als ob sie unserer Liebe und Mühe nicht wert wäre. Hast du, Herr, uns nicht verachtet, bist du uns nachgegangen bis ans Kreuz, wie sollten wir armen Sünder einen unserer Brüder verachten und sein Heil nicht mit allen Kräften fördern wollen? Herr Jesus Christus, schaffe in uns ein neues Herz, dass wir gefunden werden und Andre finden helfen. Amen. (Friedrich Ahlfeld)