Lukas 15,25

Andachten

Aber der älteste Sohn war auf dem Felde, und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen. Und er rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm, dein Bruder ist kommen rc.
Ein Mensch hatte zwei Söhne: - der jüngste hatte sich sein Erbe abteilen und auszahlen lassen, war davon gezogen und hatte in der Fremde all sein Gut verprasst; durch die Fülle des Elends, das er geerntet, war er aber zur Umkehr gebracht und wieder vor seinem Vater als ein reumütiger Sünder erschienen. Der Vater nimmt ihn mit offenen Armen auf und feiert die Freude der Wiederkehr des verlorenen Sohnes durch ein Fest. Der älteste Sohn war zwar zu Hause geblieben, aber er war nicht minder vom Vater innerlich abgefallen wie sein Bruder. Dieser hatte in wilder Lust seinem Fleische die Zügel schießen lassen, jener war äußerlich ehrbar geblieben, und kehrte so eben noch von der Arbeit auf dem Felde seines Vaters heim. Aber blind in Hochmut und leer an Liebe steht er draußen vor der Tür, und will nicht hinein, da er hört, dass die Festfreude drinnen seinem Bruder gilt. Neid und Entrüstung erfüllen sein Herz. Da tritt der Vater heraus und bittet ihn, einzutreten und am Feste Teil zu nehmen. Aber der Sohn hält dem Vater vor seinen Dienst und seine Gerechtigkeit, wie er immer ihm gedient und nie sein Gebot übertreten habe, und hält ihm vor des Vaters Undankbarkeit, dass er ihm nie ein Fest bereitet, und seine Ungerechtigkeit, dass er seinem liederlichen Sohne gewähre, was er ihm bisher versagt, aber in demselben Augenblicke, wo er frech seine Gerechtigkeit rühmt, bricht er trotzig das erste aller Gebote: die Liebe. Weder ehrt er seinen Vater, noch liebt er seinen Bruder. Er bekennt, dass er nie fröhlich gewesen sei im Dienste seines Vaters, dass er ihm nicht als Kind, sondern als Knecht gedient habe, da er auf Lohn gerechnet, und dass das Weilen bei seinem Vater und der Genuss aller seiner Güter nicht Lohn genug für ihn gewesen. Er schilt seinen Bruder, den er nicht seinen Bruder nennt, und zeigt, dass es ihm lieber gewesen wäre, wäre er in der Fremde und verloren geblieben. Voller Sanftmut und Liebe straft der Vater seinen selbstgerechten und neidischen Sohn und erinnert ihn daran, wie er allezeit bei ihm gewesen und seine Güter genossen. „Du solltest aber fröhlich und gutes Muts sein, denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist wieder gefunden!“ Hat der tugendstolze Sohn der Stimme seines Vaters Gehör gegeben und hat er über seine Lieblosigkeit Bußtränen geweint? Der Herr bricht das Gleichnis hier ab. Aber die Wahrheit lehrt uns dieses Gleichnis: Du kannst alle Gebote Gottes zu halten meinen, - und doch den Grund aller Sünde im Herzen tragen. Du kannst dich deiner Gerechtigkeit rühmen und grade dadurch aufs schwerste sündigen. Du kannst allen Gaben der Gnade ganz nahe sein - und sie doch nicht empfangen. So lange du auf deiner eigenen Gerechtigkeit stehst, bleibst du ewig draußen, und hast nicht Teil an der Freude des Vaters im Himmel, der seine Lust hat am Erbarmen und Vergeben. Ewig wirst du denken, dir geschehe nicht genug, wirst ewig unzufrieden und ewig unglücklich sein, du wirst Gott und deinem Bruder zürnen. Gott behüte dich und mich vor diesem Ende. Erst nicht eingehen wollen, und dann nicht eingehen können welch' entsetzliches Los!

O Vater im Himmel, pflanze deinen Sinn in unser Herz und lass uns deine rechten Kinder sein durch Jesum Christum! Amen. (Anton Camillo Bertoldy)

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