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Lukas 14,7

Lukas 14,7

Andachten

Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte wie sie erwählten oben an zu sitzen, und sprach zu ihnen: Wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht oben an, dass nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dann kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem; und du musst dann mit Scham unten an sitzen. Sondern, wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich unten an, auf dass, wenn da kommt, der dich geladen hat, spreche zu dir: Freund, rücke hinauf. Dann wirst du Ehre haben vor denen, die mit dir zu Tische sitzen. Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden.
Wir wollen nicht diese Pharisäer schelten; es ist wahrhaftig auf uns abgesehen, auf unsere Sünde; denn Sünde ist es doch, wenn ein Mensch von dem andern Ehre begehrt und Ehre nimmt. Siehe, du heißt ein Christ; du hast deinen Namen von Christo. Er hat dich erworben zu seinem ewigen Eigentum. Sein Herzblut hat er an dich gesetzt, um dich aus Sünde und Verdammnis loszukaufen. Für dich hat er seinen Himmel und seine Seligkeit verlassen; für dich 33 Jahre in Liebe und Demut seinen armen Brüdern gedient; er hat keine Stufe der Ehre auf Erden einnehmen wollen; kein Abzeichen menschlicher Würde hat ihn geschmückt, keine Gunst der Großen hat ihn gehoben, und als die Volksgewalt es versuchte, ihm Davids goldene Krone auf das Haupt zu setzen, da floh er in die Wüste und erwählte die Schmach um deinetwillen, und du wolltest Ehre nehmen von den Menschen? Wolltest mit dem Kleide prunken, das die Motten verzehren, mit dem Gelde, danach die Diebe graben? Du greifst wie ein Kind nach dem bunten Bande oder nach dem Sterne oder nach dem Titel oder nach dem klingenden Namen, und das Herz will dir brechen, so man deine eitlen Wünsche dir versagte? Warum willst du denn mehr gelten, als du giltst? Warum willst du höher stehen, als du stehst? Warum willst du vor der Welt mehr zu bedeuten haben, als du wirklich bedeutest? Du rühmest dein Werk, und weißt nicht, dass du dich überschätzt, weil du nicht gewöhnt bist, dich am rechten Maße zu messen. Du meinst, deine Gaben würden nicht nach Gebühr gewürdigt, deine Leistungen nicht nach Verdienst anerkannt. Ach, wenn du doch erst deine Pflicht im Lichte christlicher Wahrheit anschauen lerntest! Wenn du erst wüsstest, wie viel Treue, wie viel Hingebung der Herr fordert; wie auch die Worte und Gedanken ihm pflichtig sind; wie selbst die Beweggründe, die Triebfedern all' deines Tuns und Strebens das Licht seines prüfenden Auges aushalten müssen; wenn du nur wüsstest, was Kinder Gottes durch den Glauben und das von der Liebe Christi erfüllte Herz an deinem Plate getan und geleistet haben, und sind dennoch unzufrieden geblieben mit sich selber, haben dennoch sich angeklagt, wie sie es noch lange nicht ergriffen hätten und vollkommen wären: ach, du würdest dich ja schämen, dass du so geringes zu Wege brachtest und so großes versäumtest; du würdest ja sagen müssen: den Play, den ich einnehme, den verdiene ich noch lange nicht! (Kornelius Münkel.)


Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen, da er merkte, wie sie erwählten, oben an zu sitzen, und sprach zu ihnen: wenn du von jemand geladen wirst zur Hochzeit, so setze dich nicht oben an, dass nicht etwa ein Ehrlicherer, denn du, von ihm geladen sei; und so dazu kommt, der dich und ihn geladen hat, spreche zu dir: Weiche diesem, und du musst dann mit Scham unten an sitzen rc.
Unser natürliches Herz ist so weit von der Demut entfernt, dass es meist noch stolz darauf ist, dass es stolz ist. Es ist der Welt sogar aus dem Bewusstsein entschwunden, dass der Stolz ein Laster und die Demut eine Tugend sei. Ja die Verwirrung ist hier so weit gekommen, dass man entrüstet ist, wenn uns Andere etwa für nicht stolz halten wollen. Und doch ist die Demut eine so schöne Tugend, dass, wie Luther einmal sagt, wenn sie es wüsste, wie schön sie ist, so würde sie hochmütig von dem Ansehen derselben schönen Tugend; der Stolz aber ein so überaus hässliches Laster, dass, wenn er sich selbst in seiner wahren Gestalt sehen könnte, er darüber demütig werden müsste. Der Stolz gefällt uns auch nur an uns selbst, an Andern aber nicht, wenigstens da nicht, wo er sich gegen uns richtet. Der Stolz Anderer gegen Andere scheint uns zuweilen noch prächtig zu sein, aber wo wir ihn zu fühlen bekommen, da schaudern wir zusammen vor dem eisigen Hauch, der von ihm ausgeht. Die wahre Demut hingegen ist uns wie ein süßer Duft, wie eine erquickende und belebende Wärme. Wo wir ihr begegnen, da schmilzt die Eisrinde des Herzens, da erstirbt das Scheltwort auf der Lippe, da verlischt der Zornesfunke im Auge und der Hand entfällt das gezückte Schwert. Der Stolz drängt sich nach vorne, sucht sich auf Kosten des Nächsten zu erheben und schonet sein nicht, wenn es gilt, seine Ziele zu erreichen. Er hat eitle Gebärden, zornige Worte und prächtige Kleidung. Der Stolz kennt seine Vorzüge und überschätzt sie ums Vielfache; er geht immer einher im Gefühle seiner Vorzüglichkeit und man sieht es ihm an, dass er für die Gaben, damit Gott ihn geschmückt, die Ehre für sich in Anspruch nimmt. Daher auch der leicht entflammende Zorn, wo ihm nicht genug gehuldigt wird und die verletzende Rede. Daher aber auch die Neigung Andrer, ihm zu widerstreben und ihn auf einen geringeren Platz zu verweisen, als er sich angemaßt. Die Demut aber setzt sich von selbst unten an und weiß auch gar nicht, dass ihr ein andrer Platz zukommt; sie beansprucht keine Ehre für sich, denn sie ist zu voll von der Ehre Gottes, als dass sie an sich denken sollte; sie sieht auch mit Wohlgefallen die Vorzüge Andrer und räumt ihnen gerne den höheren Rang ein. Darum widerfährt es ihr ganz unversehens, wenn sie erhöht wird und sie verwundert sich darüber. Freilich nur die wahre Demut. Die falsche aber wundert es, dass ihre Ehre und Höhe so lange ausbleibt. Das ist die, welche sich unten an setzt mit der Berechnung, dadurch nur desto sicherer höhere Ehre zu erlangen. Diese empfiehlt der demütige Heiland keineswegs, sondern Er sagt im Gleichnis nur, dass der wahren Demut das von selbst widerfährt, wonach der Hochmut aus ist. Denn die falsche Demut ist doch nichts weiter als ein versteckter Hochmut, der sich in das Gewand der Demut hüllt; aber wie der Affe desto grauenhafter ist, je ähnlicher er dem Menschen ist, so ist auch die falsche Demut desto widerlicher, je ähnlicher sie die wahre darzustellen sucht, und ihr Wesen doch nicht hat. Aber, fragst du, wo nehme ich denn diese köstliche Tugend her, da ich sie nicht bei mir finde? Mein Freund, die kann man nicht erlernen, wie man weltliche Wissenschaft erlernet. Man kann sie sich auch nicht aneignen dadurch, dass man mit geringen und verachteten Dingen umgeht. „O, sagt Luther, es liegt gar großer Hochmut unter den demütigen Kleidern, Worten und Gebärden, deren jetzt die Welt voll ist, die sich selbst also verachten, dass sie dennoch wollen von Jedermann unverachtet sein, die Ehre also fliehen, dass sie dennoch damit wollen gejagt sein, die hohen Dinge meiden, dass man sich ihrer dennoch annehme, sie preise und lasse ihr Ding nicht das geringste sein.“ Willst du aber wissen, wie die wahre Demut aussieht, so gehe zu Jesu und lerne es bei Ihm. Und willst du sie selbst besitzen, so bitte Gott beständig und brünstig dein Leben lang darum. Sonst wirst du sie nimmer erlangen. (Anton Camillo Bertoldy)

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