Lukas 14,28
Andachten
Wer ist unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor und überschlägt die Kosten, ob er's habe hinauszuführen! Auf dass nicht, wo er den Grund gelegt hat und kann's nicht hinausführen, alle die es sehen, fangen an seiner zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hub an zu bauen und kann's nicht hinausführen.
Türme, kleine Burgen, finden sich in den meisten morgenländischen Dörfern, welche Wohlhabende erbauen, um in Zeiten der Gefahr sich und das Ihre hineinflüchten zu können. Das Erbauen eines solchen Turmes ist wegen der daselbst herrschenden Unsicherheit ein notwendiges und wichtiges, aber wegen seiner Größe auch ein kostspieliges Werk. Mit einem solchen Turmbau vergleicht der Herr seine Nachfolge, welche nicht minder ein notwendiges und wichtiges, aber auch ein kostspieliges Unternehmen ist. Zum Himmel führt nur Ein Weg - Christus. Er, der Gottmensch, ist hineingedrungen und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt, und hat den Weg für Alle gebahnt, die Ihm nachfolgen wollen. Gibt's auch einen Menschen, der nicht nach des Himmels Lust und Frieden strebte? Keinen. Doch aber wenige sind derer, die seinen Vorschmack hier schon in sich tragen. Alle, die noch eine bleibende Befriedigung von irgendeinem irdischen Dinge oder Wesen erwarten, gehen von einer Täuschung zur andern, wollen sich selber Wege zum Himmel bahnen und verlaufen sich immer tiefer ins Dickicht. Erst wenn sie sich entschließen, den Weg zu betreten, welchen der größte aller Geister, Christus, der rechte Herkules und Riese, gebahnt hat, bekommen sie das Ziel in Sicht, es wird helle und ein Durchblick durch des Waldes Dunkel auf die goldene Zinne der himmlischen Stadt gewährt ihnen die Hoffnung, das Ziel zu erreichen und das Leben, das von dorther ihnen zuströmt, gibt auch ihren sinkenden Kräften neue Frische. Der Weg zum Himmel liegt vor dir, o Christ, grade, wenn auch schmal und steif. Es winkt dir des Zieles Herrlichkeit und du betrittst ihn kühn. Halt! Freund, ruft dir Christus zu, weißt du auch, was du tust? Weißt du auch, was das Betreten dieses Weges dich kostet? Du musst dich selbst verleugnen - was dir bisher über Alles lieb war, dein Ich mit dem was dazu gehört, musst du jetzt hassen; was bisher dein Leben war, muss sterben; eine Last musst du auf dich nehmen, dein Kreuz, und musst es den steilen Berg hinantragen. Hast du auch, es hinauszuführen; wirst du nicht nach wenigen Schritten erliegen oder beiseit weichen; hast du genug, um den Turmbau zu vollenden, den du beginnen willst, und wird dein treu begonnenes und wieder ausgegebenes Werk nicht eine elende Ruine und ein trauriges Denkmal deiner eigenen Schwachheit bleiben? Ja wohl, armer Pilger, bist du zu schwach. Wolltest du in eigener Kraft den Weg betreten und aus eigenen Mitteln den Bau bestreiten, so würdest du nicht bloß selbst zu Schanden werden, sondern auch dem köstlichen, einzigen Wege zum Himmel einen üblen Ruf bei den Leuten machen. Aber schaue nur recht vor dich. Salbe deine Augen, dass sie sehen und du wirst die Gestalt des mächtigen und gnadenreichen Herrn erblicken, der dir Schritt vor Schritt vorangeht und dir seine starke Hand bietet, und mit derselben dich zieht, dich hebt und hält. Lass nur diese Hand dich fassen, sie wird's tun, sie wird dich bis zum Ziele bringen. Nur Eines fürchte: diese Hand zu verlieren. Lässt du sie fahren, dann sinken deine Knie, du strauchelst und stürzt jäh hinab. Schaue Christum unverwandt an und liebe Ihn in seiner Sanftmut und Demut, in seiner Gnade und seinem Erbarmen; bete dein Ich mit seinem selbstischen Leben, mit seinen Lüsten und Begierden nieder so wirst du das Ziel erreichen und den Turm vollenden, der dich in Ewigkeit birgt. (Anton Camillo Bertoldy)
Wer ist aber unter euch, der einen Turm bauen will, und sitzt nicht zuvor, und überschlägt die Kosten, ob er es habe hinauszuführen? auf dass nicht, wo er den Grund gelegt hat, und kann es nicht hinausführen, Alle, die es sehen, anfangen seiner zu spotten, und sagen: Dieser Mensch hob an zu bauen, und kann es nicht hinausführen.
„Es ist schwer ein Christ zu sein“, das ist der Sinn des Wortes Jesu. Wer es für ein Geringes ansieht, ein Jünger Jesu zu werden, der täuscht sich. Aber wenn dies Wort die Oberflächlichen entmutigt, so wird es die Besseren, die tieferen Gemüter wecken und anziehen. Das hat der Herr, der das menschliche Herz so genau kannte, wohl gewusst. Ein großer Feldherr wusste sein durch viele Niederlagen entmutigtes Heer nicht besser innerlich zu heben, als indem er seinen Kriegern am Tage vor der entscheidenden Schlacht vorhielt, der Feind sei ihnen an Zahl weit überlegen; nur Helden würden ihn überwinden können; Jeder Einzelne müsse auf den Tod gefasst sein, darum könne Jeder, der sich's nicht zutraue, den Heldentod zu sterben, sofort seine Entlassung empfangen und heimkehren. - Dies Wort machte die Verzagten zu Helden; es ging Keiner; das Bewusstsein von der Größe ihrer Aufgabe erhöhte ihren Mut in dankbarer Weise, und der herrliche Sieg war ihr Lohn. - In diesem Sinne will auch das Wort des Herrn uns ermuntern, indem Er uns die Aufgabe der Jüngerschaft in ihrer ganzen Größe und Schwierigkeit darlegt. Er vergleicht die Arbeit der Erneuerung des Herzens mit einem Turmbau. Der Turm ist ein palastartiges Gebäude, dessen Ausführung sehr bedeutende Mittel und Anspannung aller Kräfte erfordert. In anschaulicher Weise zeichnet der Herr das Vorhaben des Erbauers. Derselbe hat zuerst einen großen Plan, der ihm vor der Seele schwebt; er überlegt ferner, nicht flüchtig, sondern mit genauestem Nachdenken, was zur Vollführung des Planes erforderlich ist. Er geht endlich nicht eher an die Ausführung des Planes, ehe er sich auf Grund dieser Berechnung überzeugt hat, dass er die zur äußeren und inneren Vollendung des Baues erforderlichen Mittel zu beschaffen im Stande ist. - Wenn wir das Christentum der meisten Menschen ansehen, müssen wir freilich sagen, da ist von mühsamer Arbeit, wie von Überlegung, die Mittel zu beschaffen, gar keine Rede; sie überlassen es den treibenden Verhältnissen, wie sich ihr inneres Leben gestaltet; sie lassen sich den Jünger-Namen wohl gefallen; sie besuchen auch wohl die heilige Stätte und hören Gottes Wort, aber von einem innerlichen Durcharbeiten dieses Wortes ist bei ihnen eben so wenig die Rede, als von dem Bemühen, sich die Wahrheiten des Glaubens auch innerlich anzueignen, ihre Sünde zu erkennen und zu bekämpfen, und sich ihrer Erlösung gewiss zu werden; und daher kommt es denn, dass ihre unerneuerte Gesinnung, die sich in ihrem Leben und Treiben kundgibt, in Widerspruch tritt zu ihrer christlichen Außenseite, dass die Welt es ihren Spott hat, und den Weltsinn umso strenger geißelt, je mehr er zu dem christlichen Bekenntnis einen Gegensatz bildet. das Leben, wenn es den Stürmen und Gewässern Stand halten soll, muss auf einen Felsen gegründet sein, auf Christum selber, der uns in Seinem Worte lebendig entgegentritt; dies Wort ist wirklich ein Fels, weil es nicht trügerische Menschenweisheit, sondern ewige göttliche Wahrheit zum Inhalt hat. Aber dies Wort muss auch eine Wahrheit in des Menschen eigenem Leben haben; es muss die Richtschnur werden für sein Tun und Lassen; es muss ihm das Haus bauen und das Amt ausrichten helfen; es muss ihn im Verkehr mit Andern die Liebe lehren, die Geduld und die Wahrhaftigkeit; es muss sich so in seine Seele einwachsen, dass es die Richtung seines Denkens und Strebens bestimmt, und ihm diejenige Festigkeit und Sicherheit des Handelns geben, die wir den Charakter des Menschen nennen. Freilich ist kein Mensch reich genug, um diesen Bau aus eignen Mitteln herzustellen, aber daraus sollen wir nicht den Schluss ziehen, es sei in diesem Falle besser, den Bau lieber gar nicht zu unternehmen. Der Turm muss ja gebaut, das Himmelreich muss um jeden Preis erstrebt werden, aber was dem Menschen aus eignen Mitteln unmöglich ist, das kann und will die Gnade in ihm wirken; der Mensch freilich kann es mit dem Christentum nicht ernstlich genug nehmen: „schaffet, dass Ihr selig werdet mit Furcht und Zittern“; aber die Gnade tut ja das Beste, und Alles wird leicht, wenn wir auf sie sehen: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt Beides, das Wollen und das Vollbringen nach Seinem Wohlgefallen.“ (Julius Müllensiefen)