Markus 6,50
Andachten
Ich bin's! Dies hat ihnen wohlgetan. O wie gut ist's, wenn man mit dem Herrn Jesus so bekannt ist, dass man sofort zufrieden sein kann mit seinem Wort: Ich bin's! So spricht er dort im Garten zu seinen Feinden (Joh. 18, 5); aber es hatte eine ganz andere Wirkung. Wo vorher Ordnung in einer Seele gemacht worden ist, da kann durch solch ein einziges Wörtlein alles wieder hervorgebracht werden. Mit dem Glauben ist's wie mit einer hölzernen Fackel; bald glostet nur ein einzig Ecklein, bald ist alles wieder voll entflammt. (Johann Albrecht Bengel)
Seid getrost, Ich bin es, fürchtet euch nicht!
„Ich bin es“ (oder wie es in einer alten dem Originale näher kommenden Übersetzung heißt:) „Ich bin! fürchtet euch nicht!“ Jesus lebt! Sein Volk kann allem Zweifel Lebewohl sagen, die Allmacht wandelt über die Wogen! Der Vernunft mag es zwar manchmal anders erscheinen; Zufall oder ein wunderliches Ungefähr mögen scheinbar das menschliche Los entscheiden; aber dem ist nicht so: „Des Herrn Stimme ist auf dem Wasser,“ Er sitzt am Steuerruder, das sturmbewegte Fahrzeug leitend, sicher leitend.
Wie oft kommt Er zu uns, wie zu den Jüngern, in der mitternächtlichen Stunde, wo Alles verloren scheint, da wir „in der vierten Nachtwache,“ Ihn am wenigsten erwarten; oder da, gleich dem schiffbrüchigen Apostel, „in vielen Tagen weder Sonne noch Gestirn erschienen, und nicht ein kleines Ungewitter uns zuwider war und alle Hoffnung unseres Lebens dahin war;“ wie oft ertönt gerade in dem Augenblicke das Wort Jesu auf dem Wasser: Ich bin es!
Christ, bist du in Not? höre auf die Stimme im Sturme: „Fürchte dich nicht, „Ich bin.“ Wie vor Alters die Stimme Josephs seinen Brüdern, so mag auch diese Stimme rau erscheinen, aber es tönt die zärtlichste Liebe hindurch. „Ich bin es,“ sagt Er; Ich war es, der den Sturm erregte; Ich bin es, der, sobald er seinen Zweck erreicht hat, ihn wieder stillen wird. Jede Woge folgt meinem Befehle jede Prüfung ist von mir bestimmt, alle haben einen weisen Zweck; sie sind nicht gesandt, um euch - an verborgenen Klippen zu zerschmettern, sondern um euch dem Himmel näher zu führen. Ist es Krankheit? Ich bin es, der eure Krankheiten trug; die müde, abgezehrte Gestalt, die kummervollen Nächte sandte Ich.
Ist es ein herber Verlust? Ich bin der Bruder, in der Not treu erfunden die geliebten Dahingeschiedenen wurden euch durch Meine Hand entrissen. Ist es der Tod? Ich bin der Überwinder des Todes, der euch zur Seite steht, um die Wogen des verirrenden Lebens zu stillen; Ich bin es, im Begriffe Meine Pilgrimme heimzuholen. - Es ist Meine Stimme, die da spricht: „Der Meister ist da und ruft dich.“
Leser, du wirst noch Ursache haben, deinen Gott für jeden solchen Sturm zu preisen! Dies ist die Lebensgeschichte jedes Himmelspilgers, dass Er ihn zu Lande brachte nach seinem Wunsch. Das Wie liegt in Seiner Hand. Er passt Seine Führungen jedem einzelnen Falle an. Einige bringt er durch stille Gewässer, von keiner unruhigen Welle gestört; Andere bald gen Himmel sie führend, bald in den Abgrund sie stürzend. Aber was auch die Führung und die Zucht sein mag, stets ist die selige Vollendung, dass er sie zu Lande bringt nach ihrem Wunsch. Das Heulen eines ewigen Ungewitters hätte dein Teil sein können - keine Ruhe, kein Einhalt im Sturme; aber bald wird die Dunkelheit vergehen, und die Strahlen des Morgenrotes werden die Ufer der Herrlichkeit erleuchten!
Und was sollte denn deine Stellung sein? Aufsehen auf Jesum; von dir selbst, der Sünde, menschlichen Stützen und Zufluchten wegsehen, den Blick in unerschütterlichem Glauben auf den Alles leitenden Heiland richten. Ach, wie verscheucht ein wahrhaftiges Anschauen Christi alle törichten Befürchtungen! Die römischen Wächter erschraken am Ostermorgen und wurden wie die Toten. Die demütigen jüdischen Weiber erschraken nicht; und warum nicht? „Ich weiß, dass ihr Jesum sucht!“
Leser, dein müder Geist lege sich unter diesem sanften Worte eines gnädigen Heilandes zur Ruhe, sprechend:
Ich harre des Herrn, meine Seele harrt, und ich hoffe auf Sein Wort. (John Ross MacDuff)