Markus 12,41
Andachten
Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten und schaute, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe, die legte zwei Scherflein ein; die machen einen Heller.
Einen gibt es, vor dem gelten die Unterschiede nichts: das ist Gott der HErr; und Einen Ort auf Erden gibt es, wo diese Unterschiede sich nicht geltend machen dürfen: das ist der Tempel. Wo die Reichen verkehren, da hat auch die arme Witwe ihr Plätzlein, und dasselbe Wort der Sündenvergebung, das dort am Altar Gottes dem Taglöhner gesprochen wird, dasselbe und kein anderes wird dem König und dem Kaiser auch gesprochen. Und diese Gleichheit aller vor Gott und in Gottes Haus soll ein Vorschmack sein von der Zeit und von der Welt, wo einmal, aber freilich nicht durch Menschen, sondern von oben her durch Gott und Gottes Sohn, alle Ungleichheit und alle Unebenheit ausgeglichen werden wird in seliger Harmonie. Daran mahnt uns die arme Witwe. Und das letzte Scherflein der armen Witwe erinnert uns am heutigen Sonntag daran, dass allerdings die Reichen eine Hauptaufgabe zu erfüllen haben, wenn es anders werden soll, dass aber auch die Armen wieder wie die arme Witwe zum Tempel Gottes kommen, Glauben an Gott, zur Furcht vor Gott, zur Liebe zu Gott, zum Vertrauen auf Gott zurückkehren, dass auch die Armen wieder an ihren Heiland, der alle Mühseligen und Beladenen so freundlich einlädt, sich halten und in der Hoffnung des ewigen Lebens wieder stark werden sollen, zu tragen die Lehren der irdischen Wallfahrt! Amen. (Karl Fischer.)
Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten und schaute, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viel Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein, die machen einen Heller. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, denn alle die eingelegt haben! Denn sie haben alle von ihrem Übrigen eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut, alles was sie hat, ihre ganze Nahrung eingelegt.
Sie war eine arme Witwe. Nun ist ja der Witwenstand ein betrübter Stand, doppelt betrübt, wenn Nahrungssorgen auf der armen Verlassenen lasten, der kein menschlicher Berater und Versorger mehr zur Seite steht! Wie leicht geschieht es da, dass das Herz bitter wird und sich missmutig verschließt gegen Gott und den Nächsten, dass man mit Gott hadert und ihm nicht verzeihen kann, was er einem Teures genommen hat; dass man gegen den Nächsten grämlich, neidisch, mindestens gleichgültig wird in dem Gedanken: ich bin übler daran als jeder andere; dass man wegen des täglichen Brots in ein ängstliches Sorgen und Sparen hineinkommt in der Furcht: ich bringe mich nicht durch! Nichts von dem allen bei der Frau hier. Sie ist eine Witwe, Gott hat ihr das Liebste auf Erden genommen, und doch hadert sie nicht mit ihm, in seinem Haus hat sie ihren Trost gesucht und auch in ihrem betrübten Stand bringt sie ihm noch ein fröhliches Opfer dar. Sie ist arm und hat nichts übrig, und doch grollt sie nicht den Menschen, beneidet nicht die Reichen, sondern denkt in Liebe derer, die noch ärmer sind als sie und opfert für sie ihre zwei Scherflein. Sie hat ihren letzten Heller weggegeben und doch sorgt sie nicht ängstlich, wovon leb' ich nun weiter? sondern vertraut getrost auf Gott, der ein Richter der Witwen ist und ein Vater der Waisen. Da heißt's fürwahr, einen fröhlichen Geber hat Gott lieb; und nehmen wir vollends ihre herzliche Demut hinzu, mit der sie schüchtern und anspruchslos ihre Gabe gab, ohne die linke Hand wissen zu lassen, was die rechte tat, ohne von den Leuten gesehen werden zu wollen, ohne zu ahnen, dass Jesu Auge auf ihr ruhte, ohne zu hören, was der Herr zu ihrem Lob ihr nachsagte, dann, ja dann müssen wir sagen: ein Scherflein aus solcher Hand, aus einer so willigen und dankbaren, aus einer so liebreichen und mitleidigen, aus einer so frommen und gottvertrauenden, aus einer so demütigen und bescheidenen Hand, das muss Gnade finden in den Augen dessen, der vor allem das Herz ansieht; das ist tausendmal mehr wert als so manche unserer reichen Gaben, die gegeben werden ohne Liebe Gottes und des Nächsten, entweder mit eiskalter, widerwilliger Hand, weil wir nicht ausweichen können, oder mit eitler, lohnsüchtiger Hand, um von den Leuten gesehen und gepriesen zu werden.
Lasst's uns von dieser Witwe lernen: einen frommen und fröhlichen Geber hat Gott lieb! Lasst uns Gott unser Herz schenken in dankbarer Liebe und kindlichem Vertrauen, dann werden wir mit unserem Herzen auch Hab und Gut ihm gern zum Opfer bringen, unseren Reichtum oder unsere Armut in irdischen Dingen ihm zur Verfügung stellen, und wenn kein Mensch unser Opfer lobt oder auch nur bemerkt: wenn nur sein Auge mit Gnaden auf uns ruht, sein Segen uns durchs Leben begleitet und drüben sein Zeugnis uns zu Teil wird: ei du frommer und getreuer Knecht, ei du fromme und getreue Magd, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude, dann sind wir ja selig zu preisen wie die arme Witwe. Zwei Scherflein, sagt ein alter Prediger, hat jeder unter uns dem Herrn zum Opfer zu bringen, das ist unser armer Leib und unsere sündige Seele. Möchten wir sie ihm willig opfern, möchte er sie gnädig annehmen! Wenn wir so uns selbst dem Herrn zum Eigentum opfern, dann ist kein Opfer mehr zu schwer, wir können's ihm freudig bringen, denn die Liebe dränget uns, und dann ist kein Scherflein mehr zu gering, es findet Gnade vor seinen Augen, denn es fließt aus der rechten Gesinnung.
So nimm uns denn hin, o Herr, so arm wir sind, nimm unsere zwei Scherflein, nimm Leib und Seel, nimm Hab und Gut und mach uns reich und froh in deiner Gnade und willig und freudig zu deinem Dienst! Amen. (Karl von Gerok)
Und Jesus setzte sich gegen den Gotteskasten, und schaute, wie das Volk Geld einlegte.
Christus sitzt neben dem Gotteskasten; er steht neben jedem Almosen, neben jeder Tat der Liebe, die du vollbringst. Du kannst es dir wohl denken, dass für den, dessen ganzes Sinnen, Denken, Leben und Sterben Liebe war, das auch jetzt noch die liebsten Stätten sind, wo Liebe geübt wird. Er sitzt dabei, hat den Probierstein in der Hand und prüft, ob die Liebe echt sei. Er sieht die Summe, die du einlegst. Er weiß, ob sie mit deinen Mitteln in Übereinstimmung steht. Er sieht ferner den Beweggrund, aus dem die Gabe quillt. Er sieht nicht allein den Bach, wenn er offenbar vom Berge herunterrinnt, er sieht auch die innere Arbeit der verborgenen Quelle, ehe sie sich ans Tageslicht arbeitet. Er weiß, ob du deine Summe so hoch stellst aus Angst und Sorge, man möchte dir vorwerfen, du hast nicht nach deinem Vermögen gegeben. Er sieht es, wenn du so oder so Viel gibst, um deinen Berufs- oder Standesgenossen nicht nachzustehen. Er weiß es, ob du aus Herkommen, oder aus frischem Leben gibst. Er hört alle die falschen Ausreden, die man braucht, um sich dem Werk der Barmherzigkeit zu entziehen.
Treuer Herr, Zünde in unseren Seelen eine recht klare Erkenntnis an, wie Alles, was wir haben, nur ein Geschenk deiner Barmherzigkeit ist. Lass uns recht fühlen, wie tief die Gnade zu uns herniedergekommen ist, und wie hoch die Erbarmung mit uns hinauf will. Lass uns ausbrechen in den heiligen Psalm: „Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist seinen heiligen Namen.“ Und in solchem Aufgehen des Herzens zu dir, schließe es auch auf gegen die Brüder, da gieße du die rechte Barmherzigkeit hinein. Du hast dich uns gegeben, hilf uns, dass wir uns dir geben und in dir dann auch unseren armen Brüdern. Amen. (Friedrich Ahlfeld)